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Innerorts wird die Lärmschutzwand zwei Meter hoch und mit Plexiglas ausgestattet
Lärmschutz mit Kompromiss in Ruit

Diesen Blick können Sandra und Andreas Pflüger nicht mehr genießen, wenn die Lärmschutzwand in Ruit gebaut wird.
  • Diesen Blick können Sandra und Andreas Pflüger nicht mehr genießen, wenn die Lärmschutzwand in Ruit gebaut wird.
  • Foto: bea
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Bretten (bea) Dass im Brettener Stadtteil Ruit eine 1.396 Meter lange Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke umgesetzt werden soll, ist bekannt. Noch nicht bekannt ist, dass die Lärmschutzwand im innerörtlichen Bereich zwischen Bauschlotter Straße und der Hinteren Dorfstraße 24 auf etwa 325 Metern nun definitiv eine Höhe von lediglich zwei Metern haben und zusätzlich in der oberen Hälfte mit Plexiglas ausgestattet wird. Das habe ihm Projektleiter Ilhan Hassan von der Deutschen Bahn mittlerweile bestätigt, sagt Ortsvorsteher Aaron Treut. Außerhalb dieses Kompromissbereichs werde es jedoch eine drei Meter hohe, sogenannte Vollmaterialwand geben.

Unberechtigte und unfaire Anschuldigungen

"Hätte der Ruiter Ortschaftsrat nicht eingegriffen, dann hätten wir im Jahr 2024 ohne weitere Vorankündigung eine drei Meter hohe Vollmaterialwand im Ort stehen", sagt Treut. Durch den Einsatz der Ortschaftsräte habe man hingegen die Sicht- und Lichtverhältnisse für die Anwohner verbessern können. Dennoch habe es "unberechtigte und unfaire Anschuldigungen einzelner, unzufriedener Ruiter" gegeben, sagt der Ortsvorsteher. "Bürger behaupten, der Ortschaftsrat habe gegen die eigenen Ruiter gestimmt". Das sei jedoch nicht richtig, so Treut. Zwar habe man Verständnis für die Betroffenen, müsse als Gremium jedoch für das Gemeinwohl und die Zukunft des gesamten Ortes entscheiden.

Keine rechtsverbindliche Umfrage

Zudem habe der Ortschaftsrat die Ruiter Bürger mit einbezogen und eine Umfrage unter den 609 Haushalten im Ort durchgeführt. "Diese hatte aber weder eine Rechtsverbindlichkeit noch den Charakter einer Wahl, sondern lediglich den Zweck, die Bürger umfassend zu informieren und ein Stimmungsbild im Ort zu erhalten", so Treut. Durch die geringe Umfragebeteiligung und die "Ungleichverteilung von Personen pro Haushalt" sei es zu keinem eindeutigen Stimmergebnis gekommen. Daher habe das Ergebnis "weder für den Ortschaftsrat noch für den Gemeinderat als wirkliches Stimmungsbarometer herangezogen werden können", so Treut. Aus diesem Grund habe der Ortschaftsrat auf Basis der sonstigen Rahmenbedingungen entscheiden müssen. Das wesentliche Argument dabei: "Ohne Lärmschutzwand würden wir durch die neusten Änderungen des Baugesetzes zukünftig keine Häuser mehr nahe der Bahnlinie erweitern oder neu bauen dürfen, da die gesetzlich geforderten Lärmschutzgrenzen von 57 Dezibel bei Nacht überschritten werden", so der Ruiter Ortsvorsteher.

"Das passt nicht zu unserem Demokratieveständnis"

Für einige Anwohner der oberen Bauschlotter Straße liegt der Kern der Sache jedoch an einer anderen Stelle. Durch die Umfrage sei bei den Anwohnern die Erwartungshaltung geweckt worden, dass das Ergebnis vom Ortschaftsrat ernst genommen werden würde, sagt Anwohner Hartmut Wolff. Daher habe nicht nur er erwartet, dass das knappe Ergebnis auch gegenüber dem Brettener Gemeinderat vertreten würde. Dies sei jedoch nicht geschehen. "Und das passt nicht zu unserem Demokratieverständnis", sagt Wolff. Außerdem bedeute der Bau der Wand "massive Einschnitte" für die direkten Anwohner. Unter anderem werde der Wert ihrer Immobilien sinken. Das wolle er nicht einfach in Kauf nehmen.

"Kann die Haltung nicht nachvollziehen"

Auch für Sandra und Andreas Pflüger, die an der Bahnlinie wohnen, ergab die Abstimmung ein eindeutiges Ergebnis gegen den Bau der Lärmschutzwand. "Ich bin enttäuscht vom Ortschaftsrat und von den Ruitern, die jahrelang hier wohnen und sich jetzt auf einmal für die Lärmschutzwand aussprechen", sagt Sandra Pflüger. Deren Haltung könne sie nicht nachvollziehen, da es die Bahnstrecke bereits seit langer Zeit gebe. Zudem seien die Züge früher lauter gewesen. Das Rattern der Räder und das Geräusch der vibrierenden Spanngurte gebe es inzwischen nicht mehr. Auch die Umrüstung der Züge mit einer Flüsterbremse trage künftig zu einer Lärmreduzierung bei. Zudem sei der Autoverkehr an der Bauschlotter Straße weitaus lauter als die vorbeifahrenden Züge, sagt Andreas Pflüger.

"Die Sicht ist wichtiger"

Wichtiger sei für das Ehepaar die Sicht auf den Ort, den sie derzeit aus ihrem Ess- und Wohnzimmer hätten. Sobald die Lärmschutzwand gebaut ist, befürchten die beiden außerdem einen geringeren Lichteinfall in ihrem Wohnzimmer. Dieser sowie der Schattenwurf der Wand sei jedoch für die Anwohner auf der anderen Seite der Bahnstrecke einschneidender. Zudem erwarten Pflügers eine höhere Belastung durch Feinstaub und mehr Lärm auf ihrer Seite der Gleise. Die Bahn habe bei dem Vor-Ort-Termin bestätigt, dass die Anwohner der Bauschlotter Straße Zuschüsse für den Einbau von Lärmschutzfenstern oder -rollläden erhalten könnten, so Andreas Pflüger. Sinnvoller als die Lärmschutzwand zu bauen, sei es seiner Ansicht nach, Schallschutzfenster für die Anwohner, bei denen ein Wert von über 57 Dezibel bei Nacht gemessen werde, anzubieten.

Ergebnis hätte nicht "einfach so beiseite geschoben werden sollen"

Mit mehreren Müttern aus der Höhenstraße hat Julia Dürr gesprochen. Diese hätten sich bei der Umfrage größtenteils enthalten. Mittlerweile seien die Menschen aber besser über das Thema informiert. Daher laute deren Tenor nun: "Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich auch an der Abstimmung teilgenommen", so Dürr. Schlussendlich, so Dürr, hätte das vorliegende Ergebnis nicht "einfach so" beiseite geschoben werden sollen.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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