Pastinaken statt Tomaten: Solidarische Landwirtschaft Bretten geht neue Wege

Die Mitglieder der SoLaWi zahlen wöchentlich einen bestimmten Beitrag und erhalten einen Ernteanteil. Damit ist der Betrieb von Beate Zonsius (rechts) finanziell abgesichert.
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  • Die Mitglieder der SoLaWi zahlen wöchentlich einen bestimmten Beitrag und erhalten einen Ernteanteil. Damit ist der Betrieb von Beate Zonsius (rechts) finanziell abgesichert.
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Die Solidarische Landwirtschaft Ortsgruppe Bretten geht neue Wege, indem sie unkonventionell eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft fördert.

Bretten (hk) In kleinen, beständigen Schritten gibt Beate Zonsius den Weg an. Der Boden unter ihren Gummistiefeln hat sich vom triefenden und unaufhörlichen Regen bereits in eine schlammige und schmierige, braune Masse verwandelt. Der Weg führt vorbei an ihrem Hausgarten, der im Sommer bewachsen ist mit Buchshecken, Kräuter- und Blumenrabatten um die Gemüsebeete herum. Im Winter sind ein paar niedrige Heckenreihen noch als Überbleibsel zu sehen. Sonst nichts – außer einigen frischen Salat-Setzlingen, die, dem tristen Wetter trotzend, in fröhlichem Hellgrün leuchten. Ein paar Meter weiter auf einem großzügigen Acker schauen bereits junge Knoblauchpflanzen aus der Erde heraus. In einem Gewächshaus gegenüber warten Wintersalate jeglicher Art nur noch darauf gepflückt zu werden. Ist das Gemüse einmal geerntet, wird es entweder im Hofladen von Zonsius frisch vom Acker direkt an den Kunden verkauft oder von der sogenannten „SoLaWi“-Gruppe abgenommen.

„Gläserner“ Einblick in den Hofbetrieb

Eine Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) ist eine Art Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft, hinter der ein einfaches Konzept steckt: Ein Zusammenschluss von mehreren, privaten Haushalten trägt die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs und erhält im Gegenzug dessen Ernteertrag. Ziel ist es, eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Gegründet wurde die SoLaWi-Ortsgruppe Bretten im vergangenen Jahr von Zonsius als Hofeigentümerin und Andrea Schneider als Ideengeberin. „Damals wurde in Bauschlott gerade eine Ortsgruppe gegründet“, erinnert sich Schneider. Zwischen Bretten-Rinklingen und Bauschlott liegen zwar nur zehn Kilometer, aber warum nicht noch ein Stück lokaler, dachte sie sich. In Zonsius fand sie dann schnell die passende Mitstreiterin. „Das Grundprinzip ist, dass man eine Truppe an Selbstversorgern findet und sich einem Betrieb anschließt“, fasst Schneider zusammen. Durch den engen Kontakt mit der Hofbetreiberin entsteht ein „gläserner“ Einblick in ihre Arbeit und in die Produktionsabläufe von der Aussaat bis zur Ernte. Die Mitarbeit der SoLaWi-Mitglieder ist optional, aber nicht Pflicht.

Betrieb ist finanziell abgesichert

Die Mitglieder zahlen wöchentlich einen bestimmten Beitrag und erhalten einen Ernteanteil. Damit ist der Betrieb finanziell abgesichert. Abgeholt werden kann das Gemüse immer samstags. Ein bewusster Umgang mit dem Anteil gehört zum Grundverständnis der SoLaWi. Wenn man weiß, man kann seinen Anteil nicht verarbeiten, lässt man etwas zurück. Braucht man noch einen Kilo Gemüse mehr, steht der Hofladen zur Verfügung. Zonsius freut es besonders, dass die Menschen insgesamt sehr rücksichtsvoll untereinander und mit den Produkten umgehen und zu einem kultivierten Umgangston beitragen. Alleine deshalb würde sie alle Entscheidungen, die sie im letzten Jahr getroffen habe, wieder treffen.

Keine Tomaten im Winter

„Die größte Herausforderung für alle ist sicherlich die Saisonalität“, erklärt Schneider schmunzelnd. Keine Tomaten im Winter also. Stattdessen wird „das geerntet, was bei uns hier wächst, wie die Pastinake“, erklärt SoLaWi-Mitglied Marcus Weiss. Dadurch könne man auch wieder Vertrauen in regionales Gemüse fassen, ergänzt Zonsius: „Wichtig für unseren Körper sind jetzt die Wintersalate: Radicchio, Acker- und Asia-Salate und die Winterpostelein. Darin enthalten sind Bitterstoffe, die wir gerade im Winter brauchen und unseren Stoffwechsel in Schwung bringen.“ Es habe schon seine Richtigkeit, dass man bestimmtes Gemüse nur zu einer bestimmten Zeit esse. Aus diesem Grund lege Zonsius bereits bei der Auswahl der Samen Wert auf regionale Sorten, die hier heimisch sind.
Zu den Herausforderungen gehören aber auch Verantwortung für den Hof zu übernehmen und sich auf finanzielle und erntebedingte Risiken einzulassen. Wer sich aber dazu entscheidet, Teil einer SoLaWi zu werden, ernährt sich gesund, engagiert sich fair und nachhaltig und kommt mit erntefrischen, lokalen Waren in Berührung. Die SoLaWi freut sich jetzt schon auf den Sommer, denn dann gibt es wieder Tomaten – fruchtig und frisch vom warmen Stock.

Weitere Informationen auf www.solidarische-landwirtschaft.org oder per Mail an Solawi-Bretten@gmx.de.

Mehr Beiträge und Bilder auf unserer Themenseite In Bretten zuhause

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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