Hannich: Tradition durch Innovation

Familienbande bei Hannich (von links): Gabriele Kahle, Dr. Ulrich Kahle, Eva-Maria Hannich, Ralf Hannich, Horst Hannich sowie Ute Hannich und Elena Hannich.

Das Brettener Logistikunternehmen Hannich feiert sein 125-jähriges Bestehen.

Bretten (swiz) „Hannich schaltet bei Problemen erst das Hirn ein, dann wird gehandelt.“ Dieses Lob von Andreas Kölling Geschäftsführer von Confern, einem Verbund von mehr als 60 gemeinschaftlich operierenden Umzugsfirmen, reihte sich am vergangenen Mittwoch in eine lange Reihe von Glückwünschen ein, die Geschäftsführer Ralf Hannich, bei der Feier anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Brettener Logistikunternehmens entgegennehmen durfte. Gefeiert wurde das Jubiläum gemeinsam mit rund 40 geladenen Gästen im Ratssaal des Alten Rathauses. Es sei „etwas Besonderes, ein über vier Generationen inhabergeführtes Unternehmen in Bretten zu haben“, betonte auch Bürgermeister Michael Nöltner. Hannich sei eines der ältesten Firmen der Melanchthonstadt und habe „einen großen Beitrag zu deren wirtschaftlicher Entwicklung geleistet“, so Nöltner. Und Unternehmen wie Hannich seien es, so der Vizepräsident der IHK Karlsruhe, Herbert Striebich, die „die Chancen aufzeigen, die sich Unternehmen in der Region bieten“. „Das sind die Motoren“, betonte Striebich. Gerade diese Firmen müssten auf jeden Fall in den Städten gehalten und auch durch eine vernünftige Infrastruktur unterstützt werden, bemerkte der IHK-Vize abschließend mit einem Blick zu Bürgermeister Nöltner.

"Motor" Hannich hat klein angefangen

Dabei hat der heutige „Motor“ Hannich vor 125 Jahren sehr klein angefangen, wie Geschäftsführer Ralf Hannich in seiner Rede erklärte. Denn begonnen hat alles in einem kleinen Lagerschuppen, den der damalige Firmengründer Wilhelm August Hannich im Mai 1893 beim ehemaligen Güterbahnhof der Melanchthonstadt errichtet hatte. Zuvor hatte er bei der Stadtverwaltung die Gründung seiner Firma als „Amtliche Güterbestätterei und Verladeunternehmen“ angemeldet. Hannich war es damit erlaubt, Bahngüter zu verladen und in der Region zu distribuieren. Das Geschäft florierte und so kaufte Hannich das Gelände in der Wilhelmstraße. Dort wurden unter anderem Pferdeställe errichtet, denn mit der Motorisierung war es zu dieser Zeit nicht weit her.

"Unternehmen hat immer auch von starken Frauen profitiert"

Nach dem Tod von Wilhelm August Hannich im Jahr 1910 zeigte sich dann ein weiteres Merkmal der Firma Hannich, wie Ralf Hannich betonte. „Das Unternehmen hat immer auch von der Führung starker Frauen profitiert.“ So war es Hedwig Hannich, die Großtante des heutigen Geschäftsführers, die das Unternehmen durch die harten Kriegsjahre führte. 1921 wurde dann schließlich Sohn Wilhelm Hannich neuer Geschäftsführer. Er baute in den 1920er und 30er Jahren neben der Speditionsabteilung ein umfangreiches Möbeltransportgeschäft im Nah- und Fernverkehr auf. 1926 fiel mit der Gründung der eigenen Umzugsabteilung dafür der Startschuss. So genannte Bahnmöbelwagen mit dem Schriftzug „Hannich“ waren damals in großen Teilen Deutschlands unterwegs. Außerhalb der Schiene wurden die Wagen zunächst noch von Pferden gezogen.

1929 kam der erste Lastwagen

Die Motorisierung begann 1929 mit dem Kauf eines ersten Lastwagens für die Bahnspedition. 1934 gab es den ersten Lkw für die Umzugssparte. Ralf Hannichs Vater, Horst Hannich, entwickelte das Unternehmen dann als Geschäftsführer weiter. So gründete er 1953 die Neumöbelabteilung bei Hannich und ließ in der Folge drei Umschlagshallen am Güterbahnhof errichten. Doch die Zeiten wandelten sich und auch die Brettener Traditionsfirma ging diesen Wandel mit. Das Betriebsgelände in der Wilhelmstraße wurde 1983 durch ein neues Containerlager und eine Lkw-
Werkstatt erweitert und es folgte in den 90er Jahren eine stärkere Konzentration auf die Neumöbel- und Versandhauslogistik sowie den Umzugssektor. 1998 wurde schließlich die Bahnspedition aufgegeben.

2005 Umzug ins Industriegebiet Gölshausen

Eine Stärkung sowie Internationalisierung des Umzugsgeschäfts erreichte Hannich dann auch mit dem Beitritt zum Confern-Verbund. Mit den Aufträgen stieg auch der Platzbedarf und so zog es die Firma 2005 ins Industriegebiet Gölshausen. „Vorher war Hannich in drei Standorte aufgeteilt, in Gölshausen haben wir alles unter einem Dach“, begründete Ralf Hannich den Schritt. Dort belegt das Unternehmen mit seinen über 70 Mitarbeitern nun eine Gesamtfläche von 4.800 Quadratmetern. Dort sind neben Büros auch ein modernes Hochregallager sowie der Fuhrpark bestehend aus fast 40 Fahrzeugen untergebracht. Ab 1991 war Ralf Hannich dann zuerst als Prokurist und ab 2000 als Geschäftsführer eingesetzt. In der Zeit zwischen 1997 und 2015 schloss sich im Übrigen auch wieder der Kreis zu den starken Frauen des Unternehmens. So leitete Hannich in dieser Zeit das Unternehmen gemeinsam mit seiner Schwester Ute. „Und ich freue mich noch heute, dass ich auf ihren Aufbau und ihre Ordnung der Verwaltung stets bauen kann.“ Das entlaste ihn sehr, betonte der Bruder.

Digitalisierung als neue Herausforderung

Entlastung ist auch nötig, sieht sich das Unternehmen in der heutigen Zeit doch ganz neuen Herausforderungen gegenüber. „Da ist zum einen die Digitalisierung und ihre Folgen“, betont Hannich. Und auch der wachsende Online-Handel stelle die Logistikbranche vor neue Herausforderungen, denen man sich mit genügend Kapazitäten stellen müsse. Auch die Suche nach Fachkräften sei immer wieder ein großes Thema, erklärt der Geschäftsführer. „Denn nur mit guten Mitarbeitern ist dieser Erfolg zu schaffen.“ Hilfe bekommt Ralf Hannich im Übrigen auch noch von Senior Horst Hannich, der es sich nicht nehmen lässt, seiner Firma noch regelmäßig einen Besuch abzustatten, wie die Jubiläums-Gäste in einem Film, eigens produziert von Hannichs Tochter Elena, sehen durften.
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