Der Seedamm – Einst ein Sumpf am Rande der Stadt

Das Untere Tor um das Jahr 1643: Ausschnitt aus dem berühmten Kupferstich von Matthäus Merian. Rechts im Bild der Simmelturm.
  • Das Untere Tor um das Jahr 1643: Ausschnitt aus dem berühmten Kupferstich von Matthäus Merian. Rechts im Bild der Simmelturm.
  • Foto: Stadtarchiv Bretten
  • hochgeladen von Chris Heinemann

Folge 5 unserer Reihe zum Jubiläumsjahr über Schauplätze der Stadtgeschichte

Anlässlich des Stadtjubiläums „1250 Jahre Bretten“ veröffentlicht die Brettener Woche in diesem Jahr jeden Monat einen Beitrag von Dr. Peter Bahn. In der Serie beleuchtet der Leiter des Stadtmuseums im Schweizer Hof ausgewählte Schauplätze, die mit bedeutenden Kapiteln der Brettener Stadtgeschichte verbunden sind. Lesen Sie heute den fünften – speziell zum Jubiläumswochenende verfassten - Beitrag von Dr. Bahn über den Seedamm.

Wenn vom 12. bis 15. Mai das große Jubiläumswochenende anlässlich der 1250-jährigen urkundlichen Ersterwähnung von Bretten im Bereich des Seedamms stattfindet, spielen sich die Feierlichkeiten an einem Ort ab, der nur auf den zweiten Blick als Schauplatz der Stadtgeschichte erkennbar ist. Die Senke zwischen der eigentlichen Stadt und dem südlich ansteigenden Rechberg war über Jahrhunderte hinweg ein nur wenig nutzbares Sumpfgelände, durch das, kurz nach dem Zusammenfluss von Weißach und Salzach, der Saalbach floss. Diese topographische Situation erwies sich in der Brettener Stadtgeschichte allerdings auch als glückliche Fügung: Bei der Belagerung durch Herzog Ulrich von Württemberg im Jahre 1504 verhinderte es nicht zuletzt dieser südlich der Stadtmauer gelegene Sumpf, dass die Württemberger Bretten von gleich mehreren Seiten her angreifen konnten.

Ein mittelalterlicher Kriminalfall endet im Sumpf

Eine kleine Episode aus der Zeit der Belagerung führt allerdings geradewegs zum Seedammgelände beziehungsweise zu dessen östlichem Rand. Schon in den ersten Tagen der Belagerung kam es zu Reibereien zwischen den verschiedenen bewaffneten Formationen, die zur Stadtverteidigung in Bretten zusammengezogen waren. Dabei wurde ein Angehöriger des Ortenauer Fähnleins am Marktbrunnen von einem gewissen Carius Einhart, der zum Weingartner Aufgebot gehörte, erstochen. Das Tatwerkzeug soll ein Sauspieß gewesen sein. Die anderen Mitglieder der Ortenauer Gruppe wollten Einhart natürlich fassen und bestrafen, doch dieser floh durch das Haus von Hans Reuter, des Großvaters Melanchthons, zur heutigen Pforzheimer Straße hinunter und schließlich durch das Untertor aus der Stadt. Südlich vom Untertor aber begann das Sumpfgelände, das nur von einem Knüppeldamm - rechts davon lag der heutige Bereich „Am Seedamm“ - überbrückt wurde und gute Versteckmöglichkeiten bot. Niemand in Bretten hatte Carius Einhart danach noch einmal gesehen, der Mörder blieb verschwunden.

Eisenbahnanschluss führte zur Trockenlegung

Das Sumpfgelände im Süden Brettens blieb bis zum 19. Jahrhundert weitgehend erhalten. Erst mit dem Bau der Eisenbahnlinie Stuttgart – Heidelberg im Jahr 1853, durch den Bretten seinen ersten Eisenbahnanschluss erhielt, begannen in diesem Bereich massive Veränderungen. Der Sumpf musste Abschnitt für Abschnitt trockengelegt, der Saalbach einer ersten Kanalisierung unterzogen werden. Im Brettener Süden entstand allmählich neues, für verschiedene Bebauungen nutzbares Land. Dies machte sich bei den bald folgenden Industrieansiedlungen bemerkbar. Im Bereich der Tallage zwischen der eigentlichen Stadt und dem Rechberg siedelten sich nach und nach Betriebe an, so die Firmen MALAG, Mellert, Kühler-Schmidt und am westlichen Rand die Firma Neff. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Nutzungsstruktur in diesem Bereich allerdings erneut stark verändert, vor allem hin zu Handel und Verkehr.

Auf dem Schulgelände war ein Zwangsarbeiterlager

Der stadtseitig gelegene Teil des ehemaligen Sumpfgeländes wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Standort des Brettener Viehmarktes, an den heute noch ein Straßenname erinnert. Östlich davon entstand im Zweiten Weltkrieg ein Zwangsarbeiterlager, das nach Kriegsende zum Flüchtlingslager umgewandelt wurde. Heute wird das Areal von den Beruflichen Schulen Bretten genutzt. Das Untertor schließlich, durch das der Mörder Carius Einhart 1504 aus der Stadt entkommen konnte, war schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgetragen worden, um die Pforzheimer Straße verbreitern zu können.

Festakt an stadtgeschichtlich interessantem Ort

So hat auch der Seedamm, abseits der Altstadt und der bekannten Brettener Sehenswürdigkeiten gelegen, seine eigene Geschichte. Und insofern finden Festakt und Festwochenende durchaus an einem historisch interessanten und in der Stadtgeschichte nicht ganz unbedeutenden Ort statt. Dr. Peter Bahn

Weitere Schauplätze der Stadtgeschichte finden Sie auf der Themenseite zur Stadtgeschichte

Alles zum großen Jubiläum 1250 Jahre Bretten finden Sie auch auf der Themenseite
1250 Jahre Bretten.

Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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