Der Simmelturm – ein schiefer Rundturm am Rande der Stadt

Der Simmelturm im Jahr 1898: Die Aufnahme ist eine der ältesten vom Simmelturm im Stadtarchiv. Das Scheunengebäude (links) wurde erst in den 1950er Jahren abgerissen.
  • Der Simmelturm im Jahr 1898: Die Aufnahme ist eine der ältesten vom Simmelturm im Stadtarchiv. Das Scheunengebäude (links) wurde erst in den 1950er Jahren abgerissen.
  • Foto: Stadtarchiv Bretten
  • hochgeladen von Chris Heinemann

Folge 10 unserer Reihe zum Jubiläumsjahr über Schauplätze der Stadtgeschichte

Anlässlich des Stadtjubiläums „1250 Jahre Bretten“ veröffentlicht die Brettener Woche jeden Monat einen Beitrag von Dr. Peter Bahn. In der Serie beleuchtet der Leiter des Stadtmuseums im Schweizer Hof ausgewählte Schauplätze, die mit bedeutenden Kapiteln der Brettener Stadtgeschichte verbunden sind. Lesen Sie heute den zehnten Beitrag von Dr. Bahn über den Simmelturm.

Seit dem hohen Mittelalter war Bretten von einer Ringmauer umgeben, die durch mehrere Türme verstärkt war: die Tortürme des Gottesackertores, des Weißhofer Tores und des Salzhofer Tores, den mächtigen Pfeiferturm und den Simmelturm. Der Name des Simmelturms leitete sich vom mittelhochdeutschen Wort „sinwel“ her, was kreisförmig, rund bedeutet. Der Turm entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er wurde mit Kalkbruchsteinen aufgemauert und innen mit Sandsteinquadern verblendet. Mehrere Schießscharten ermöglichten dabei vom Turm aus eine Abwehr von heranrückenden Angreifern. Zeitweilig diente der Simmelturm auch als Gefängnis.

"Neidköpfe" wehrten Schaden ab

In kunst- und kulturhistorischer Hinsicht besonders bemerkenswert sind die in Stein gemeißelten Fresken und Wappendarstellungen auf einem umlaufenden Fries des oberen Turmbereichs. Bei den Fresken, die meist die Form von verzerrten menschlichen Gesichtern - der Volksmund spricht von „Fratzen“ - haben, handelt es sich um Darstellungen von sogenannten „Neidköpfen“, die der symbolischen Abwehr von drohendem Schaden für die Stadt dienen sollten. Somit spiegeln sie ein Stück weit noch die magisch-sakralen Vorstellungen des traditionellen mittelalterlichen Volksglaubens wider.

Vorgelagertes Sumpfgelände bewahrte vor Beschädigung

Der Simmelturm war der südöstliche Eckpfeiler der Stadtbefestigung. Hier bog die Brettener Stadtmauer fast im rechten Winkel nach Norden hin ab. Während der Belagerung Brettens durch Herzog Ulrich von Württemberg im Jahre 1504 spielte der Turm jedoch, im Gegensatz etwa zum Pfeiferturm, nur eine untergeordnete Rolle, da sich die Württemberger und ihre Angriffstätigkeit auf den weiter nördlich gelegenen Stadtmauerabschnitt beim Weißhofer Tor konzentrierten. Südlich des Simmelturms dagegen erstreckte sich ein fast völlig unwegsames Sumpfgelände, das für die Aufstellung einer Angriffsformation oder für die Anlage von Geschützstellungen völlig ungeeignet war: Aus dieser Richtung drohte keine Gefahr. In den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts, in denen Bretten immer wieder einmal heimgesucht wurde, blieb der Simmelturm weitgehend unbeschädigt. Dies gilt insbesondere auch für den Stadtbrand von Bretten während des Pfälzer Erbfolgekrieges im Jahr 1689.

Schiefer als der Turm von Pisa?

Die Lage des Turms am Rande des früheren Sumpfgeländes im Süden von Bretten hatte allerdings bis heute andauernde Auswirkungen auf die Statik des Bauwerkes. Der Turm musste unter diesen Voraussetzungen auf hölzerne Pfähle gegründet werden und bekam im Laufe der Jahrhunderte eine immer stärkere Neigung. Man sagt, dass die Winkelneigung des Brettener Simmelturms noch etwas stärker ist, als die des weltberühmten „schiefen Turms“ in der italienischen Stadt Pisa. Da der Simmelturm jedoch deutlich kleiner ist, fällt seine Schiefstellung optisch nicht so sehr auf.
Dr. Peter Bahn

Weitere Schauplätze der Stadtgeschichte finden Sie auf der Themenseite zur Stadtgeschichte

Alles zum großen Jubiläum 1250 Jahre Bretten finden Sie auch auf der Themenseite
1250 Jahre Bretten.

Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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