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Nach 70 Jahren: Tod des Soldaten Driller aufgeklärt

Bis heute erinnert ein Grab auf dem Nußbaumer Friedhof an den Einmarsch der Franzosen am 5. April 1945, bei dem drei deutsche Soldaten erschossen wurden.
  • Bis heute erinnert ein Grab auf dem Nußbaumer Friedhof an den Einmarsch der Franzosen am 5. April 1945, bei dem drei deutsche Soldaten erschossen wurden.
  • Foto: Dietrich
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Der Leutnant und Ordonnanzoffizier Bernhard Driller wurde beim Einmarsch der Franzosen in Nußbaum am 5. April 1945 erschossen. Erst über 70 Jahre später wurde nun der genaue Tathergang bekannt

Neulingen-Nussbaum (pd) Viele Grauen des 2. Weltkrieges konnten bis in die heutige Zeit nicht aufgeklärt werden. So ist der Tod ihrer Verwandten für viele Angehörige auch heute noch ein Mysterium. Eine Geschichte wurde nun allerdings aufgeklärt: So wurden beim Einmarsch der französischen Besatzungsmacht in Nußbaum, am 5. April 1945, drei deutsche Soldaten erschossen. Unter ihnen war auch der Soldat Bernhard Driller.

Brief bringt Licht ins Dunkel

Der am 3. Juli 1924 in Paderborn geborene Abiturient war Leutnant und Ordonnanzoffizier in einem Artillerie-Regiment. Beim Beginn des Schlettichwaldes, südlich von Nußbaum, wurde er an jenem 5. April tot aufgefunden. Licht in das Dunkel des Geschehens konnte nun, mehr als 70 Jahre später, dessen Schwester Hildegard Saneke in einem Brief an Irmgard Vogel bringen. Vogel hatte jahrzehntelang mit ihrem vor fünf Jahren verstorbenen Mann Werner das Grab am Eingang des Nußbaumer Friedhofes gepflegt und gegossen.

Saenke teilte in dem Brief dabei folgendes mit: „Dem Oberst der Kompanie, Hans Schmidtmann, fehlte eine Verbindung zur Nachbardivision. So gab er die Order, sie zu suchen. In einem Volkswagen machten sich der Oberst, sein Fahrer und mein Bruder auf die Suche. Kurz vor Nußbaum versperrten ihnen plötzlich Panzer den Weg. Der Oberst sprang aus dem Auto und befahl: ‚Straße frei!‘, denn er glaubte, es seien deutsche Panzer. Daraufhin eröffnete der Feind das Feuer. Oberst Schmidtmann wurde verletzt und verlor ein Bein. Der Fahrer konnte entkommen. Als der Oberst aus seiner anfänglichen Ohnmacht erwachte, stand neben ihm ein französischer Soldat mit geladenem Gewehr. Der Oberst fragte nach seinem Leutnant. Der französische Soldat zeigte stolz, dass er den 20-Jährigen mit einem Schläfenschuss getötet habe. Soweit die Schilderung des Obersts und Ritterkreuzträgers Schmidtman an meine Eltern.“ Im Nachlass ihrer Mutter hatte Hildegard Saneke darüber hinaus den Kondolenzbrief von Schmidtmann gefunden. Er berichtet darin, wie er das Grab ihres ältesten Sohnes besuchte.

Unbekannter Oberfeldwebel

Neben Driller wurde am Südausgang des Dorfes damals noch ein gefallener Oberfeldwebel gefunden. Dieser hatte jedoch keinerlei Erkennungsmerkmale bei sich, so dass er bis heute nicht identifiziert werden konnte. Einziges Erkennungszeichen war ein Ehering mit der Gravur „Ruth“, der jedoch keine weiteren Erkenntnisse brachte. Schon länger bekannt ist die Identität des dritten Soldaten, bei dem es sich um den am 4. Juli 1915 in Katlenburg, Kreis Northeim, geborenen Leutnant Helmut Tute handelt. Er war damals bei der Familie von Glasermeister Willy Bischoff am südlichen Dorfeingang von Nußbaum einquartiert.

Ohne Särge bestattet

Wie eine inzwischen verstorbene Nußbaumerin berichtete, wurde das Haus spätabends unter Feuer genommen und Leutnant Tute nach der Einnahme des Gebäudes erschossen. Auf Anordnung der Besatzungsmacht, wurden die drei Soldaten am 7. April 1945 auf dem Nußbaumer Friedhof ohne Särge, in ihren Uniformen und in Zeltplanen eingewickelt, in einem gemeinsamen Grab beigesetzt.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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