Brettener Oberbürgermeister Martin Wolff: „Ich möchte nicht im Disput verharren“

Der Brettener Oberbürgermeister Martin Wolff.

Interview mit Oberbürgermeister Martin Wolff  zu wichtigen Bauprojekten in Bretten, den Nachwehen der knappen Oberbürgermeister-Wahl und zu neuen Firmenansiedlungen.

Herr Oberbürgermeister Wolff, welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem mit zwölf Stimmen äußerst knappen Wahlsieg für Ihre Arbeit in den nächsten acht Jahren, vorausgesetzt, das Wahlergebnis wird vom Regierungspräsidium bestätigt?
Martin Wolff: Ein so knappes Ergebnis muss nachdenklich machen. Und es ist nur gut, wenn man anlässlich eines solchen Wahlergebnisses reflektiert und hinterfragt, was die Bürgerinnen und Bürger umtreibt, unzufrieden macht oder irritiert oder durch was sie beeinflusst wurden. Ich werde auf alle Fälle dieses Ergebnis zum Anlass nehmen, noch besser zuzuhören und Defizite, die die Bürgerinnen und Bürger sehen, noch ernster nehmen. Auch ist das Ergebnis Ansporn, die Sicht auf die Dinge in Bretten, auf die Befindlichkeiten, Wünsche und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger zu schärfen und in den folgenden Jahren meiner Amtszeit manches so zu verändern, um möglichst vielen Ansprüchen für eine gute Stadtentwicklung gerecht zu werden.

Wie wollen Sie in den nächsten Jahren auf die Menschen zugehen, von denen Sie nicht gewählt worden sind?
Zunächst danke ich noch einmal allen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, aber auch geht mein Dank an alle, die mir Hinweise auf Veränderung gegeben haben. Ich möchte nicht im Disput verharren, sondern eintreten in den Dialog mit dem Willen zur Erneuerung. Gemeinsam.

In Ihrer Neujahrsansprache haben Sie drei große Aufgaben benannt, als erste die Bebauung und Umgestaltung des Sporgassenareals mit Tiefgarage, multifunktionalem Platz, Gesundheitszentrum und Wohnen. Das Verfahren läuft. Wann, denken Sie, werden die Bürger auch sehen, dass gebaut wird?
In Kürze wird die notwendige europaweite Ausschreibung auf den Weg gebracht. Nach Auswahlverfahren, Planungen, Bürgerbeteiligung, Genehmigungsverfahren, und so weiter, sehe ich den Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte 2019.

Wie wollen Sie verhindern, dass bis zum Baubeginn eines Gesundheitszentrums in der Sporgasse im Kraichgau-Center ein drittes Gesundheitszentrum (die Brettener Woche berichtete) wächst?
Teile des Kraichgau-Centers sind bereits seit Beginn ein Ärztehaus. Da gibt es nichts zu verhindern. Und dass dort frei gewordene Räume von weiteren Ärzten bezogen werden, die einen akuten Raumbedarf haben, ist allemal besser, als dass die Ärzte ihre alte Praxis schließen oder sogar Bretten verlassen.

Was halten Sie von dem Vorschlag, die Zeit bis zum Baubeginn mit der Sanierung und Umgestaltung der Weißhofer Straße zwischen Sporgasse und Marktplatz zu nutzen?
Für die Sanierung und Umgestaltung der Weißhofer Straße zwischen Sporgasse und Marktplatz rechnen die Fachleute mit einer Bauzeit von mindestens zwei bis zweieinhalb Jahren, da auch die komplette Ver- und Entsorgung im Untergrund erneuert werden muss. Eine so lange Bauzeit wäre gerade jetzt, nachdem sich der Einzelhandel erholt und kaum noch Leerstände zu verzeichnen sind, absolut kontraproduktiv.

Die zweite große Aufgabe ist die Bebauung und Gestaltung des Mellert-Fibron-Areals. Der Neubau des katholischen Altenpflegeheims wird dort, wie Sie angekündigt haben, kommen. Können die Bewohner und Angehörigen nun mit einem nahtlosen Übergang vom alten in das neue Heim rechnen?
Diese Frage kann Ihnen nur der Caritasverband Ettlingen zuverlässig beantworten. Nachdem alle entscheidungsrelevanten Fakten und Informationen auf dem Tisch lagen, hat der Gemeinderat den Vorentwurf des entsprechenden Bebauungsplans Ende November 2017 mit großer Mehrheit gebilligt und damit deutlich die Weichen für die Herstellung des Baurechts unter anderem auch für ein Pflegeheim auf dem Mellert-Fibron-Gelände gestellt. Die rechtliche Baumöglichkeit wird nach dem normalen Bebauungsplanverfahren Ende Mai/Anfang Juni soweit sein. Der Vertrag mit dem Caritasverband Ettlingen für ein Teilgelände zum Neubau eines Pflegeheims ist ausverhandelt und wird dort noch in den zuständigen Gremien behandelt.

Und wie steht es mit der ebenfalls neuen Firmenansiedlung neben der ehemaligen Trafostation?
Definitiv wird sich dort eine neue Firma ansiedeln. Aber bevor der Firmeninhaber nicht die Mitarbeiter über die Umsiedlung nach Bretten und seinen Vermieter informiert hat, wird es dazu keine Auskunft geben.

Die von Ihnen genannte dritte große Aufgabe ist die Verkehrsentlastung für Bretten. Welche Marschroute werden Sie bei diesem Thema einschlagen?
Eine Umgehungsstraße ist im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufgenommen. Das Land ist momentan dabei, die Maßnahmen für BadenWürttemberg zu priorisieren. Unsere Problematik in Bretten haben wir dem Ministerium und dem Regierungspräsidium bereits nachdrücklich geschildert. Als weitere Maßnahme müssen wir in Bretten alle Möglichkeiten ausloten, um unseren nicht geringen Ziel- und Quellverkehr zu verringern. Dazu brauchen wir ein Mobilitäts- beziehungsweise Verkehrskonzept, das auch den Rad- und Fußgängerverkehr mit einbezieht.

In Ihrer Neujahrsansprache haben Sie auch erneut von Ihrer Hoffnung gesprochen, dass für den Glasfaserausbau in der Innenstadt noch eine passable Vertragsquote erreicht wird. Wie lange werden Sie warten, bevor eine Entscheidung gefällt wird, wie es weiter geht?
Nur knapp über 20 Prozent der Haushalte wollten in der Vorvermarktungsphase einen entsprechenden Anschluss, obwohl dieser quasi zum Nulltarif angeboten wurde. Zu wenig für einen wirtschaftlichen Ausbau. Es geht ja nicht um die ganze Kernstadt, Teile sind ja bereits mit einem anderen Anbieter ganz gut versorgt. Falls die BBV bis Peter und Paul keine klare Aussage zum Ausbau der restlichen Kernstadt trifft, werde ich zunächst auf andere Anbieter zugehen.

Steht die Stadt zu ihrer Aussage, dass sie die Kernstadt mit Glasfaser ausbaut, wenn die BBV dies nicht macht?
Falls kein Anbieter vom sogenannten freien Markt die Kernstadt ausbaut, sehe ich die Stadt in der Pflicht, die Kernstadt mit Glasfaser auszubauen. Vorher gibt es auch keine Zuschüsse. Der Anschluss je Haushalt wird dann aber nicht unbedingt günstiger als bei einem Privatanbieter.

Die Fragen stellte Brettener Woche-Redakteur Chris Heinemann

Mehr Beiträge und Bilder auf unserer Themenseite In Bretten zuhause

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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