Coronavirus in Baden-Württemberg
1,7 Millionen neu Impfberechtigte in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg können künftig sehr viel mehr Menschen als bislang auf eine Corona-Impfung hoffen.
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Stuttgart (dpa/lsw) In Baden-Württemberg können künftig sehr viel mehr Menschen als bislang auf eine Corona-Impfung hoffen. Durch die angekündigte Änderung der Impfverordnung des Bundes sind im Südwesten ab sofort rund 1,7 Millionen Menschen zusätzlich impfberechtigt, wie ein Sprecher des Sozialministeriums am Dienstag, 9. März, mitteilte. Grund ist die geänderte Empfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff, nach der nun auch Menschen über 65 Jahre damit geimpft werden dürfen. Zu den neu Impfberechtigen gehören alle Personen ab 70 Jahren, aber auch viele Menschen mit Vorerkrankungen wie Krebs oder einer Organtransplantation sowie Hebammen, Erzieherinnen und Erzieher und Lehrkräfte ab 65 Jahren. Bei der Terminvergabe ist nach Angaben des Sprechers aber weiterhin Geduld gefragt, da der Impfstoff im März knapp sei. Es bestehe zudem keine Wahlmöglichkeit beim Impfstoff.

Zehntausende Impftermine für die Polizei

Bereits zuvor waren mit Blick auf Schulöffnungen und auf Druck von Gewerkschaften Lehrkräfte und Polizisten in der Impfreihenfolge vorgezogen worden. Die Impfverordnung des Bundes lässt solche Ausnahmen "in Einzelfällen" zu, etwa um zu verhindern, dass nicht genutzte Impfdosen weggeschmissen werden müssen. So wurden etwa bei der Polizei bis einschließlich Dienstag bereits rund 3.900 Beschäftigte geimpft, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Für privat organisierte Impfungen wurden rund 700 Berechtigungsscheine ausgestellt. Für die 34.000 Angehörigen der Polizei seien bereits 18.000 Impftermine vereinbart worden. Angaben zu Impfungen von Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern konnten das Sozial- und das Kultusministerium auf Anfrage nicht machen.

"Das war bitter"

Als Folge der angekündigten Impfungen für Lehrerinnen und Erzieher war es an zahlreichen Impfzentren jedoch zu Abweisungen gekommen, da sich Menschen fälschlicherweise für impfberechtigt hielten und die endgültige Prüfung dazu erst vor Ort geschieht. Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) zeigte sich am Dienstag zerknirscht darüber. Da die Impfverordnung noch nicht geändert sei, habe es hier noch Probleme gegeben. "Das war bitter", räumte der Grünen-Politiker ein. Das sei eine echte Lücke gewesen. "Das darf uns eigentlich nicht passieren." An diesem Donnerstag, 11. März, stehe die Änderung im Bundesgesetzblatt. Ein Ministeriumssprecher teilte zudem mit, jeder einzelne Fall einer Abweisung sei bedauerlich. Viele Menschen hätten online vermutlich falsche Angaben gemacht, "aber sicherlich nicht wissentlich". Die Buchung online und in den Callcentern solle nun geändert werden. Es solle zudem Hinweise geben, dass sich jeder selbst online oder bei seinem Hausarzt über seine Impfberechtigung informieren solle.

Kritik an Abweichung von Impfreihenfolge

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hat dieses Abweichen von der Impfreihenfolge kritisiert. "De facto wird in den Ländern schon lange gegen die Priorisierung verstoßen", sagte der Ulmer Virologe im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Es seien schon jetzt viele geimpft worden, die nach wissenschaftlichen Kriterien der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären. Wenn nun bereits Erzieher, Lehrkräfte oder Polizisten geimpft würden, rücke man vom Ziel ab, die Schwächsten und Gefährdetsten für schwere Covid-19-Verläufe zuerst zu schützen. Ein Lockern der Priorisierung dürfe aber nicht dazu führen, dass diese benachteiligt werden. Zugleich betonte Mertens, dass die Impfreihenfolge bislang ihre gewünschte Wirkung zeige. "Die Priorisierung mit Blick auf den Individualschutz funktioniert", sagte Mertens. Die Daten etwa aus Mecklenburg-Vorpommern zeigten, dass es bereits deutlich weniger schwere Erkrankungen und Todesfälle in der Gruppe der über 80-Jährigen gebe. Zudem stellte er klar: "Die Priorisierung war und ist nicht das eigentliche Problem, sondern der Mangel an Impfstoff."

Priorisierung soll bald keine Rolle mehr spielen

Minister Lucha entgegnete auf die Kritik, man wolle so weit vorankommen beim Impfen, dass eine Priorisierung bald keine Rolle mehr spiele. Ein Sprecher Luchas betonte, das Vorziehen der Lehrer und Polizisten sei in Abstimmung mit dem Bund und den Ländern geschehen. Hintergrund seien bei den Lehrkräften die erfolgten und noch zu erwartenden Öffnungen im Bildungsbereich. Oberstes Ziel sei es, die besonders gefährdeten Personengruppen zu schützen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte am Dienstag, bei den Impfzentren solle man ruhig bei der Priorisierung bleiben. Wenn jedoch Haus- und Fachärzte in ihren Praxen impften, könne das nur noch eine Empfehlung sein.

Erste Impfungen bei den Hausärzten

Wie das dann aussehen kann, haben die Hausärzte im Südwesten nun getestet. Am Dienstag erhielten die ersten Menschen eine Corona-Impfung in einer Praxis oder bei einem Hausbesuch. Bei dem zunächst auf sechs Wochen angelegten Pilotprojekt sollen Fragen zur Logistik und dem Ablauf der Impfungen in rund 40 teilnehmenden Praxen geklärt werden, wie ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW) Baden-Württemberg am Dienstag in Stuttgart sagte. Geimpft werden zunächst nur Menschen über 80 Jahre. Der Testlauf soll den Übergang der Impfungen in die Regelversorgung bei den Hausärzten ermöglichen. In fast allen Stadt- und Landkreisen nehmen Praxen daran teil.

Impfzentren sollen vorerst bestehen bleiben

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag darauf geeinigt, dass die niedergelassenen Ärzte in Deutschland ab Anfang April flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen sollen. Der Sprecher der KVBW sagte dazu, sobald genug Impfstoff zur Verfügung stehe und die Logistik geklärt sei, werde man natürlich auch umfassend bei den Hausärzten mit dem Impfen beginnen - unabhängig vom ausgegebenen Zeitplan des Pilotprojekts. Für die Impfungen bei den Hausärzten ab April soll der Impfstoff auf dem normalen Weg über Großhandel und Apotheken in die Praxen kommen. Die Impfzentren sollen vorerst bestehen bleiben. In Baden-Württemberg stellt bislang das Land die Impfstoffe in den Impfzentren zur Verfügung. Von dort muss er in die Praxen verteilt werden.

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Kraichgau News aus Bretten

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