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Kritik an Walzbachtaler Gemeinderatsbeschluss über Aufnahmekriterien für Hort und an Plänen für Küchenschließung
Eltern fühlen sich ausgegrenzt

Mit Argusaugen haben viele Eltern am Montagabend die Sitzung des Walzbachtaler Gemeinderats verfolgt.
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  • Mit Argusaugen haben viele Eltern am Montagabend die Sitzung des Walzbachtaler Gemeinderats verfolgt.
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Walzbachtal (ch) Mit Unverständnis und Kritik haben Eltern aus Jöhlingen und Wössingen auf zwei Sparvorhaben von Gemeindeverwaltung und Gemeinderat reagiert. Die Eltern, die bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montagabend, 27. Januar, in größerer Zahl die Zuhörerplätze füllten, nutzten die übliche Bürgerfragestunde zu Sitzungsbeginn, um die ab dem nächsten Kindergartenjahr geplante Schließung der Küche im Kinderhaus Arche sowie die Einführung neuer, restriktiver Aufnahmekriterien für Horte, Kernzeit- und flexible Nachmittagsbetreuung infrage zu stellen. Die Aufnahmekriterien wurden noch am selben Abend vom Gemeinderat beschlossen.

Caterer statt Kinderhausküche

Hintergrund ist, dass die Gemeinde, wie Bürgermeister Timur Özcan bereits in seiner Haushaltsrede angekündigt hatte, finanziell in einer „sehr schwierigen Situation“ ist. Es müssen Ausgaben verringert und zugleich neue Einnahmequellen erschlossen werden. Eine Einsparmaßnahme ist laut Bürgermeister die Schließung der Kinderhausküche. Allein „der dringend notwendige Umbau der Küche in Höhe von fast 100.000 Euro“ seien kaum zu stemmen, verteidigte die SPD-Fraktionsvorsitzende Silke Meyer die Pläne in ihrer Stellungnahme zum Haushalt. Hinzu kämen die bei selbstgekochtem Essen für die Gemeinde höheren Ausgaben. Künftig soll das Mittagessen für die Kinder kostengünstiger und wie bei den anderen Kindergärten üblich von einem Caterer angeliefert werden. Eine Elternsprecherin äußerte sich enttäuscht, dass man von dem Vorhaben nur auf Umwegen erfahren habe. Man fühle sich „ausgegrenzt“.

Vorwürfe und Gesprächsangebot

Auf Nachfrage von Brettener Woche/kraichgau.news wiederholte die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende des Kinderhauses, Tanja Wipfler-Stutzriemer, ihren in der Fragestunde zitierten Hinweis auf Paragraf 5 des Kindertagesbetreuungsgesetzes, wonach der Kindergartenträger und die Einrichtungsleitung gehalten seien, den Elternbeirat an Entscheidungen in allen wesentlichen Angelegenheiten zu beteiligen. In diesem Punkt habe der Bürgermeister sein Wahlversprechen von Transparenz nicht eingehalten, meinte die Elternbeirätin Lea Rakete. Es habe zudem „einen schlechten Beigeschmack“, dass der Kinderhausleitung in dieser Sache ein Maulkorb verpasst worden sei. Bürgermeister Özcan hatte in der Sitzung auf den 4. Februar verwiesen. An diesem Tag wolle die Verwaltung bei einer öffentlichen Runde mit den Eltern ins Gespräch kommen.

Argument gesunde Ernährung

Nach Aussage der Eltern ist die eigene Küche bisher ein Alleinstellungsmerkmal des Kinderhauses. Ihnen sei die gesunde Ernährung ihrer Kinder mit frisch zubereiteten Zutaten, die überdies vor Ort eingekauft würden, sehr wichtig. Das Kinderhaus habe sich sogar extra einem Zertifizierungsverfahren für gesunde Kinderernährung unterworfen, dessen Abschluss man demnächst erwarte. Für Tanja Wipfler-Stutzriemer ist es fraglich, ob ein Caterer diese Zertifizierungskriterien erfüllen kann.

Fehlende Datenbasis?

Ebenso wie die Kinderhaus-Eltern bedauerten auch Elternvertreter von Wössinger Grundschulkindern, dass sie nicht vorab in die Entscheidungsfindung zum Thema Hort-, Kernzeit- und flexible Nachmittagsbetreuung einbezogen worden seien. Ihr Vorwurf: Der Gemeinderat habe am Montagabend seinen Beschluss zur Einführung von Aufnahmekriterien ohne Datenbasis gefasst. Zuvor waren Vorschläge aus der Grünen-Fraktion, die Entscheidung entweder zu vertagen oder die elterliche Nachweispflicht von den später zu beschließenden Aufnahmekriterien abzukoppeln, von der Gemeinderatsmehrheit abgelehnt worden.

Bedarfsabfrage durch Elternbeirat

Die Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule Wössingen, Nadine Erlenmaier, fragt sich nun, was ein vom Bürgermeister den Grundschuleltern für Mitte Februar angebotener separater Gesprächstermin noch bringe, wenn die Entscheidung bereits gefallen sei. Dennoch wolle der Elternbeirat nun das machen, was ihrer Ansicht nach Aufgabe der Gemeinde gewesen wäre: eine Bedarfsabfrage unter den Eltern starten. Den ganzen Dienstag über habe bei ihr das Telefon nicht stillgestanden, sagt Nadine Erlenmaier. Viele Eltern fürchteten, ihren Betreuungsplatz zu verlieren.

Freiwillige Leistung

Demgegenüber betonte die Leiterin des Amts für Bürger- und Sozialdienste, Esther Breuninger in der Sitzung, dass die Betreuungen ein „freiwilliges Angebot“ der Gemeinde für berufstätige Grundschuleltern seien. Die sehr gute pädagogische Betreuung wird laut Verwaltung jedoch auch von Eltern in Anspruch genommen, die „selbst nicht oder nur in einem sehr geringen Umfang berufstätig sind.“ Um für mehr Gerechtigkeit zu sorgen und in der Hoffnung auf noch nicht bezifferbare künftige Einsparungen soll nun erstmals mittels eines Kriterienkatalogs die Rangfolge der Aufnahme verbindlich geregelt werden. Diese Kriterien finden die Eltern jedoch laut Nadine Erlenmaier „nicht richtig“. Sie fordert unter anderem eine Übergangsfrist mit Bestandsschutz für Kinder, die bereits den Hort besuchen.

Lesen Sie dazu auch unseren Anschlussbericht

Mit Argusaugen haben viele Eltern am Montagabend die Sitzung des Walzbachtaler Gemeinderats verfolgt.
Mit Unverständnis und Kritik haben Eltern aus Jöhlingen und Wössingen auf zwei Sparvorhaben von Gemeindeverwaltung und Gemeinderat reagiert.
Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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