Grenzwert überschritten: SWR misst Stickstoffdioxidwerte in Bretten

Dichter Verkehr: An der Kreuzung Pforzheimer Straße/Wilhelmstraße wurde der europäische NO2-Grenzwert überschritten.
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Bei einer Messung des SWR wurde an einer Kreuzung in Bretten eine Überschreitung des europäischen Grenzwertes für Stickstoffdioxid (NO2) festgestellt. NO2 gilt als Einflussfaktor für Feinstaub.

Bretten (wh) In einer großen Stickstoffdioxid-Messaktion hat der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) auch in Bretten die Belastung ermittelt. Diese und andere Werte aus dem gesamten Südwesten wurden nun in einer großen interaktiven Karte veröffentlicht. Ziel ist es, die Belastung durch gesundheitsgefährdendes Stickstoffdioxid (NO2), durch das der Dieselmotor in Kritik geraten ist, aufzuzeigen. NO2 ist nicht mit Feinstaub zu verwechseln, belastet jedoch ebenfalls die Atemwege und kann die Feinstaubbelastung negativ beeinflussen, wie das Umweltbundesamt mitteilt.

Grenzwert überschritten

Die Messungen des SWR wurden von Ende August bis Ende September an drei Stellen mithilfe von Stickstoffdioxidmessröhrchen vorgenommen. Da das Messgerät am Alexanderplatz versehentlich von Dritten abgetrennt wurde, liegen nur zwei Ergebnisse vor, bei der einmal der europäische Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel überschritten wurde. Im Kreuzungsbereich Pforzheimer Straße/Wilhelmstraße wurde ein Wert von 45,2 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Im Kreuzungsbereich Weißhofer Straße/Pestalozziweg, also zwischen der Hebelschule und dem Melanchthongymnasium, blieb der Wert mit 36,3 Mikrogramm pro Kubikmeter etwas unter dem Grenzwert.

„Wir hatten im September vermehrt Rückstaus“, erklärt Bürgermeister Michael Nöltner die Werte an der Pforzheimer Straße. Mit der Optimierung der Ampelschaltung habe man die Situation wieder leicht entspannen können, ausreichend sei dies jedoch nicht: „Wir brauchen ein Gesamtverkehrskonzept, das den Kreuzungsbereich Pforzheimer Straße/Wilhelmstraße entlastet“. Langfristig sei dies aus Sicht Nöltners nur mit einer Umfahrung möglich, die den Durchgangsverkehr aus der Stadt heraushält. In Sachen Ziel- und Quellverkehr, müsse sich aber „jede an die eigene Nase fassen“, so Nöltner. „Jeder von uns – und ich meine wirklich jeder – muss sich fragen, ob es nicht Wege gibt, für die man auch ein anderes Verkehrsmittel als das eigene Auto nutzen könnte“.
Ein weiterer Baustein sei die Förderung der Elektromobilität. Dabei gehe die Stadt bereits mit gutem Beispiel voran, zum Beispiel durch die schrittweise Umstellung der hauseigenen Flotte und dem Ausbau von Ladestationen in Kooperation mit anderen Kommunen.

Schwankungen sind normal

Thomas Koch, Institutsleiter am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), macht darauf aufmerksam, dass Monatsmessungen nur Indikatoren für die tatsächliche Stickstoffdioxidbelastung sind. „Die Monatsmittelwerte am Neckartor in Stuttgart zum Beispiel schwanken um mehr als 30 Mikrogramm pro Kubikmeter“, erklärt der Professor, der am Institut für Kolbenmaschinen an Verbrennungsmotoren forscht. Eine mögliche Erklärung können Baustellen oder hohe Sonneneinstrahlung sein, die Einfluss auf die Ozonchemie nimmt und damit die Werte höher ausfallen lassen kann. „Dies zeigt nur, dass die Luft in Bretten in Summe vernünftig ist und an befahrenen Stellen auch im Bereich der Grenze bei sinkendem Gradient“, erklärt Koch. Zudem stehe die Luft, die unmittelbar an einer stark befahrenden Straße gemessen wird, nicht auch exemplarisch für die Luftqualität in der gesamten Stadt . Er geht davon aus, dass sich die Luftqualität durch Softwareupdates und neue Fahrzeuge stetig verbessern wird. „Auch in Bretten ist nur direkt an der Straße die Konzentration im Bereich des Grenzwertes“, resümiert Koch.

Stadt will Messstation in Bretten

Michael Nöltner will es genauer wissen: „Das war nur eine punktuelle Messung. Wir müssen das ganze Jahr über messen“. Die Werte nimmt er trotzdem zum Anlass, zu handeln. Derzeit setze er sich dafür ein, dass die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg auch eine Messstation in Bretten einrichtet. „Nur dann haben wir gesicherte Werte“. Die endgültige Entscheidung darüber, so Nöltner weiter, liege jedoch beim Landesverkehrsministerium.

Autor:

Wiebke Hagemann aus Bretten

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