ASV-Bretten saniert den Weiher im Häloch
Kein Wasser im Weiher

Der Weiher des ASV Bretten wurde auch abgefischt.
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Bretten (kn) Spaziergänger, die am Wochenende über das Vereinsgelände des Angelsportvereins Bretten (ASV)  gegangen sind, haben bemerkt, dass der Weiher derzeit kein Wasser mehr enthält. Eigentlich ein trauriger Anblick, aber das kontrollierte Ablassen des Weihers war unumgänglich, teilte der Verein mit. Einerseits hat der viel bemühte „Zahn der Zeit“ seine „Bissspuren“ an den Dämmen des Weihers hinterlassen. Zum andern war vor allem der östliche Damm stark von Nutrias untergraben, sodass sich Teile der Uferbefestigung abgerutscht sind. Eine Sanierung und Bestandsicherung der Dämme war daher unbedingt geboten.

Weiher kann wohl ab Mitte August wieder gefüllt werden

Nach einem Jahr der Planungen, Schlammuntersuchungen und dem Einholen der erforderlichen Genehmigungen wurde vor zwei Wochen begonnen, den Wasserspiegel behutsam abzusenken, um den wasserabhängigen Tieren die Möglichkeit zu geben, sich umzuorientieren. In einem ersten Abfischen wurde ein Teil des Besatzes in andere Becken umgesetzt. Am letzten Wochenende wurde der letzte Rest des Wassers abgelassen und die letzten Fische und Krebse abgefischt und umgesetzt. An den nächsten Wochenenden sollen die erforderlichen Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Sofern keine unerwarteten Probleme auftreten, kann der Weiher ab Mitte August wieder mit Wasser gefüllt werden, so der ASV in seiner Mitteilung.

Einzige stehende Gewässer im Gebiet der Brettener Kernstadt

Der Weiher des ASV-Bretten ist laut Verein das einzige verbliebene stehende Gewässer im Gebiet der Brettener Kernstadt. Bis etwa zum ersten Weltkrieg waren es einmal sieben kleinere Weiher und kleinere Stauseen. Daher sei es auch für die Ökologie und die Lebensqualität in Bretten so wichtig, dieses Gewässer langfristig zu erhalten. "Das Ablassen ist eine zwar eine vorübergehende Einschränkung, die jedoch dadurch gemildert wird, dass die übrigen Wasserflächen auf unserem Gelände ja erhalten bleiben. Der Weiher besteht nun seit fast 50 Jahren und diese Baumaßnahme soll dafür sorgen, dass der Weiher weitere 50 Jahre ohne größere Störungen übersteht", betont der Verein.

Schleien sind verschwunden

Der ASV Bretten hat den Weiher ohne Zuschüsse in Eigenleistung 1969 angelegt. In den 1980iger Jahren wurde die Halbinsel in Eigenleistung neu befestigt. Nun war wieder eine Renovierung geboten, die wiederum in Eigenleistung und bisher ohne öffentlich Förderung geleistet wird, so der ASV. Der Verein habe versucht, die ökologischen Auswirkungen des Ablassens so weit wie möglich zu minimieren, die Fische wurden behutsam umgesetzt. Und weiter: "Wir haben das Abfischen zu einem genauen Monitoring genutzt. Dabei konnten wir sieben Fischarten identifizieren. Das Spektrum an Friedfischen und Raubfischen (Forellen, Barsche, Karpfen, Giebel, Karauschen, Rotaugen und Rotfedern) entsprach im Wesentlichen unseren Erwartungen. Bedauerlicherweise ist unser Schleienbestand verschwunden, es wurde beim Abfischen keine einzige Schleie gefunden." Eine schlüssige Erklärung hierfür habe man noch nicht.

Die im Oktober 2018 über den Landesfischereiverband durchgeführte Gewässerschau und Beprobung des Wassers und der Sedimente habe eine gute Wasserqualität ergeben und die Untersuchung der Sedimente glücklicherweise keine Schwermetalle oder andere schädliche chemischen Rückstände ergeben. "Ein anderer bemerkenswerter Umstand ist, dass bei den abgefischten Fischen die Größen zwischen zehn und 30 Zentimeter Länge fehlten. Bevor der Weiher abgesenkt wurde, seien Fische dieses Größensegments gefangen worden. "Während der Absenkphase wurde der Weiher durch den ASV nicht befischt. Es gab sehr viele kleinere Fische darunter auch kleine Karpfen und es gab die größeren Fische. In den zwei Wochen, die wir den Wasserspiegel reguliert abgesenkt haben, kamen täglich vier bis fünf Reiher und drei Mal die Woche drei bis vier Kormorane." Diese Tiere wollten auch leben und das sollen sie auch, betont der ASV Bretten. "Was für uns sehr erstaunlich war, dass anscheinend zwei Wochen Flachwasser und der Fraßdruck von vier Reihern und drei bis vier Kormoranen genügten, um ein ganzes Größensegment aus einem relativ kleinen Gewässer wie unserem Weiher zu entnehmen. Das zeigt ganz deutlich wie labil das ökologische Gleichgewicht unserer heimischen Gewässer ist."

"Kormorane und Reiher sind nicht die alleinige Ursache für den schlechten Zustand der Gewässer"

Für den ASV bedeute dies, "dass wir beim Wiederbesatz aktiv gegensteuern müssen und dieses Größensegment verstärkt besetzen müssen." Kormorane und Reiher seien aber nicht die alleinige Ursache für den schlechten Zustand der Gewässer. "Da spielen sehr viele Faktoren zusammen und leider spielen diese Faktoren gegen unsere Gewässer. Wir müssen begreifen, dass unsere heimischen Gewässer ebenso komplexe wie empfindliche Ökosysteme sind." Aber sofern die Anzahl der Fraßfeinde im Verhältnis zur Wasserfläche zu groß werde, könne der Fraßdruck dieser Arten den Fischbestand und damit das Ökosystem der Gewässer zum Umkippen bringen. "Es ist dabei eine irrige Annahme, dass sich ein Fließgleichgewicht zwischen den sogenannten Fischräubern und ihrer Beute einstellen wird, solange die Fischereivereine durch Ihre Pachtverträge und der Verantwortung Ihren Mitgliedern gegenüber gezwungen sind, den Fischbestand in den Pachtgewässern durch massive Besatzmaßnahen regelmäßig wieder aufzustocken."

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