Bürger aus Büchig stellen Schilder zur Einhaltung der Geschwindigkeit auf
"Straße wird zur Rennstrecke"

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Bretten-Büchig (bea) Rund 100.000 Fahrzeuge in vier Wochen, das ist die Bilanz einer Straßenverkehrszählung auf der Hügellandstraße (K3506) im Brettener Stadtteil Büchig vom vergangenen Mai. Zu dieser Zeit war der Bahnübergang in Gondelsheim bereits gesperrt. Auf der besagten Hauptstraße ist die Geschwindigkeit zum größten Teil auf Tempo 30 beschränkt. Doch nahe der Ortsausfahrt in Richtung Neibsheim darf man 50 Stundenkilometer fahren. An diese Geschwindigkeitsbegrenzung halten sich jedoch nicht alle Autofahrer. Darüber hatte sich bereits vor drei Jahren eine Bürgerinitiative beim Ortschaftsrat beklagt. Eine Aktion der Initiative hatte 20 Unterschriften der besorgten Anlieger hervorgebracht.

„Am Wochenende ist es ganz brutal"

“Das Schlimme ist die Beschleunigung der Fahrzeuge, denn diese verursacht den größten Lärm“, sagt Günter Kreutel, dessen Garten direkt an die Hügellandstraße grenzt. Nicht nur während der Hauptverkehrszeiten am Tag, sondern auch mitten in der Nacht klagt er über laute Fahrzeuge. „Besonders schlimm ist es, wenn Lkw hier nachts vorbeipfeifen“, sagt er. Dazu zählt er Post-Laster und Auslieferfahrzeuge, die aus dem Nachbarort kommen. Selbst am Tag werde der Lärm einiger Lkw zu einer sehr unangenehmen Lärmbelästigung. Ein weiteres lautstarkes Ärgernis seien Motorradfahrer. „Am Wochenende ist es ganz brutal. Dann kann man hier nicht in Ruhe auf der Terrasse sitzen und essen. Da wird das Stück Straße zur Rennstrecke", sagt Kreutel.

Geschwindigkeitserhebung der Stadt Bretten

Eigentlich sei es jedoch kein Wunder, dass die Autos und Motorräder gerade am Ortsausgang zu schnell fahren würden, sagt Mader. Denn hinter der Bushaltestelle in Richtung Neibsheim hörten Bebauung und Beleuchtung auf der rechten Seite auf. Zudem werde dort nicht an die maximale Geschwindigkeit erinnert. So werde impliziert, dass die Ortschaft bereits zu Ende sei. "Doch dem ist nicht so", sagt auch sein Nachbar Jürgen Mader. Nicht nur auf die Lärmbelästigung bezieht sich der Anwohner. Auch sei es schwierig bei zu schnell fahrenden Fahrzeugen aus der nahegelegenen Kreuzung (Westend- und Hügellandstraße) herauszufahren. Daher findet an dieser Stelle momentan eine länger angelegte Geschwindigkeitserhebung der Stadt Bretten statt.

Gefährliche Situationen mit Spaziergängern

Dazu komme, dass die Kreuzung in einer Rechtskurve liege und somit die Vorfahrtsstraße schlecht einzusehen sei, so Mader. Daher haben die beiden Anwohner in Eigeninitiative Sträucher gekürzt, die ins Sichtfeld der Autofahrer ragten. „Das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe“, sagt Mader. Doch sie engagieren sich immer wieder aufs Neue, da nach ihrer Aussage, der auf der gegenüberliegenden Seite aufgestellte Spiegel lange Zeit blind gewesen sei. So sei es bereits häufig zu gefährlichen Situationen gekommen. „Mit dem Fahrrad herauszufahren ist hier auch ein heißes Eisen“, sagt Kreutel. Kaum habe man sich umgesehen, seien die Autos auch schon herangefahren. Auch an dem außerhalb des Ortes gelegenen Feldweg, der auf die Hügellandstraße trifft, gebe es immer wieder gefährliche Situationen mit Spaziergängern, die mit ihren Hunden unterwegs sind.

Fußgängerin bei Unfall gestorben

Eine Anwohnerin sei vor einigen Jahren an dieser für Fußgänger schlecht einsehbaren Stelle sogar angefahren worden und später an ihren Verletzungen gestorben. An dieser Stelle gilt derzeit eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Stundenkilometern. Diese Gefahr zu entschärfen ist ein weiterer Wunsch von Kreutel und Mader. Im Rahmen der Flurneuordnung soll der momentan noch sehr schmale Feldweg für Traktoren ausgebaut werden. "Dann wird die Stelle zu einer noch gefährlicheren Einmündung", sagt Mader. „Hoffentlich kann das Tempo dort dann auf 50 Stundenkilometer beschränkt werden“, wünscht er sich.

Schilder mit Herz

Daher haben sich die beiden Anwohner ein Herz gefasst und sich dazu entschlossen, Auto-, Bus-, Lkw-und Motorradfahrer zu bitten, die geltenden 50 Stundenkilometer einzuhalten. In der vergangenen Woche haben sie sechs „herzliche“ Schilder mit dem Hinweis auf die Höchstgeschwindigkeit aufgestellt. Auf zwei weiteren Schildern bedanken sie sich für die Rücksichtnahme der Fahrzeugführer. "Netter kann man nicht mehr darum bitten, dass die Fahrer vom Gas gehen", sagt Kreutel. Die 300 Euro für die Schilder wurden ebenfalls in Eigeninitiative finanziert. Auch Ortsvorsteher Uve Vollers ist von den freundlichen Schildern begeistert. Der Brettener Ordnungsamtsleiter Simon Bolg verweist währenddessen auf die kommende Verkehrsbesprechung mit Verkehrs- und Rechtsaufsichtsbehörden im Oktober. Hier soll geklärt werden, ob wegen des derzeitigen Standorts des Ortsschilds Handlungsbedarf bestehe, dies prüfe das Ordnungsamt momentan.

Günter Kreutel und Jürgen Mader (von links) stellen die „herzlichen“ Schilder entlang der Hügellandstraße auf. bea
Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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