Unterricht mit dem neuen Lüftungskonzept an den Schulen der Region
Dicke Luft oder frische Brise?

An den Schulen in Baden-Württemberg gilt aktuell eine neue Hygieneverordnung samt Lüftungskonzept.
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Region/Bretten (bea) An den Schulen in Baden-Württemberg gilt aktuell eine neue Hygieneverordnung samt Lüftungskonzept. Dieses sieht nach einer Unterrichtszeit von 20 Minuten eine Lüftungszeit von drei bis fünf Minuten vor. Doch wie funktioniert die Umsetzung im Alltag von Schulleitern, Lehrern und Schülern?

Eher Sitzordnung ändern als Decken und Mäntel

Im Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach-Stein wird das Lüften immer wieder thematisiert, sagt Schulleiter Hartmut Westje-Bachmann. Bei den fast 800 Schülern gebe es jedoch nur Einzelfälle, der überwiegende Teil der Schüler und Eltern gehe mit den Regelungen "verständnisvoll und vernünftig" um. Bereits vor der neuen Regelung habe eine Kollegin ein CO2-Messgerät mit in den Unterricht genommen, um die Werte zu messen, sagt der Schulleiter. Daher habe man bisher ohnehin öfter als alle 45 Minuten gelüftet. Er selbst empfinde es als übertrieben, wenn Schüler mit Decken und Mänteln im Unterricht säßen. Er bevorzuge es, die Sitzordnung zu ändern, wenn es Schülern, die am Fenster sitzen, kalt werde. "Der ganz große Teil zieht im Moment die Jacken an, sobald das Fenster geöffnet wird und wieder aus, wenn es zugemacht wird", sagt Westje-Bachmann. Im Winter soll die Heizung stärker laufen, auch wenn ihm dies aus Umweltaspekten nicht zusage, so der Schulleiter. Dadurch könne gewährleistet werden, dass sich die Luft im Klassenraum schnell wieder aufheize. Ebenfalls sei eine Lüftung viel effektiver, je größer der innere und äußere Temperaturunterschied sei. So müsse bei Minusgraden beispielsweise nur drei Minuten gelüftet werden, während bei Plusgraden fünf Minuten gelüftet werden müsse. "Viele haben bereits erwartet, dass es so kommt, deswegen ist es bei uns sehr ruhig", sagt Westje-Bachmann.

"Kollateralschäden" wie Erkältungen

In der Markgrafen Gemeinschaftsschule in Münzesheim beklagt der stellvertretende Schulleiter Bernd Schürle, dass viele Schüler ihre Jacken im Unterricht non-stop anbehielten. "Die Tatsache, dass sie so immer die gleiche Temperatur um sich herum haben, bringt andere Kollateralschäden wie Erkältungen mit sich", sagt Schürle. Da beim Verlassen der Räume grundsätzlich die Fenster geöffnet würden, könne dies, falls der Raum in der darauffolgenden Unterrichtsstunde nicht besetzt sei, zu einer Dauerlüftung von 45 Minuten führen und somit zu einem kalten Klassenzimmer. Doch nicht nur die Temperatur, sondern auch die Dauerbelastung durch die aufgezogene Maske sei bei einigen Lehrern problematisch. "Ab und zu müsse viele ältere Kollegen die Maske abziehen, da sie Atemprobleme bekommen", sagt Schürle. Es sei eine Herausforderung im Unterricht mit einer Maske zu sprechen, denn das schlage auf die Stimme der Lehrer. Für ihn sei es nur eine Frage der Zeit, bis das Gesundheitsamt einzelne Klassen an den Schulen schließen müsse. Wenn fünf oder sechs Lehrer auf einmal in Quarantäne geschickt werden müssten, könnte dies zu Kapazitätsgrenzen bei der Versorgung der restlichen Klassen führen, befürchtet Schürle.

Eine "gigantische Herausforderung"

„Wir empfehlen unseren Schülern sehr warme Sachen mitzubringen“, sagt auch Barbara Sellin, Schulleiterin der Beruflichen Schulen Bretten. Weiterhin empfehle sie ihren Lehrern, die Türen beim Lüften zu öffnen und Schüler, die sich nicht an die Regeln hielten, erneut darauf hinzuweisen, wie man sich schütze. Das könne mit pädagogischen Maßnahmen wie dem Schreiben von Referaten oder dem intensiveren Beschäftigen mit den Corona-Hygieneregeln geregelt werden. Das Fehlverhalten komme ihrer Ansicht nach davon, dass die Achtsamkeit im Freizeitverhalten stark abgenommen habe.
„Ich denke, dass wir uns auf punktuelle Lockdowns einstellen müssen“, sagt Sellin. Die sich ständig verändernden Prozesse stellten auch ihre Schule mit über 80 Klassen vor „gigantische Herausforderungen“. Dazu komme, dass Diskussionen wegen der neuen Maskenpflicht mit den Schülern geführt werden müssten. „Wir müssen uns auf eine sehr schwierige Wintersituation einstellen, denn die Schüler wollen so lange wie möglich am Präsenzunterricht teilnehmen“, sagt die Schulleiterin. Dazu käme die Sorge der Ausbildungsbetriebe, dass sich Schüler in der Schule mit Corona infizierten und das Virus in den Betrieb tragen könnten. Das bedeute für die Lehrer, die Schüler immer wieder auf die Regeln hinzuweisen und diese einzutrainieren, sagt Sellin.

67 Nationen in einem Haus

An der Schillerschule in Bretten sorgen die Lehrer laut Schulleiter Wolfgang Mees unter anderem für Bus- und Pausenaufsicht und kämen durch die Mehrbelastung durch Corona an ihre Leistungsgrenzen. „Die Lehrer sind non-stop unterwegs, doch wir müssen da durch“, sagt Mees. Auch hier sitzen einige Schüler mit Jacke, Schal, Handschuhe und Decken im Unterricht. „Das würden wir normalerweise nicht erlauben, doch momentan ist alles anders“, so der Schulleiter. Er wünscht sich mehr Einheitlichkeit. So müssten Viertklässler keine Maske tragen, während Fünftklässler unter die Maskenpflicht fielen. „Wenn ein Viertklässler in einen privaten Einkaufsmarkt geht, muss er auch eine Maske anziehen“, sagt der Schulleiter. Für ihn ist ein weiteres Problem die Reisetätigkeit. „Ich habe 67 Nationen in meinem Haus, manchmal erfahren wir erst, dass Familien im Ausland waren, wenn die Kinder schon längst wieder in der Schule sind“, sagt er. Dabei würde man mit gegenseitiger Rücksichtnahme gut durch die Krise kommen. „Wenn jeder die Regeln beachten würde, hätten wir glaube ich kein Problem“, sagt Mees.

Mehr finden Sie auf unserer Themenseite Coronavirus.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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