Starkregenalarm direkt aufs Handy: Stadt Bretten will Firma mit Studie zu Frühalarmsystem beauftragen

Sicherheit für die Bürger: OB Martin Wolff hofft, dass das auf Grundlage der jetzt vorliegenden Starkregen-Risikokarten zu erstellende Frühalarmsystem bis Jahresende in Betrieb gehen kann. Foto: ch
 
Gefahrenbereich Gölshausen: Das rot umrandete Gebiet oben rechts markiert die bei einem vergangenen Starkregen geschädigten Anlieger der Oberdorfstraße. Foto: ch
Bretten: Stadt |

Bei ihrem Bemühen, die alljährlich im Frühjahr auftretende Starkregengefahr einzudämmen, ist die Stadt Bretten einen Schritt weitergekommen.

BRETTEN (ch) Nach den Erfahrungen der letzten Jahre sind die Brettener, ebenso wie viele Bewohner im Umland, gewarnt: In drei Monaten, nämlich Ende Mai/Anfang Juni, steigt wieder die Überschwemmungsgefahr durch unberechenbare lokale Starkregen. Da wird es viele Bürger/innen interessieren, dass die Brettener Stadtverwaltung bei ihren Bemühungen, die Gefahr einzugrenzen, inzwischen einen Schritt weitergekommen ist.

Risikokarten für Starkregen

Ausgehend von einer 2016/2017 durchgeführten Starkregenstudie der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), in die auch die Brettener Starkregen von 2015 und 2016 einflossen, hatte die Stadt 2017 das Heidelberger Ingenieurbüro geomer mit einer Gefährdungs- und Riskoanalyse beauftragt. 70 Prozent der dafür anfallenden Kosten in Gesamthöhe von rund 59.000 Euro konnten laut Oberbürgermeister Martin Wolff mit Zuschüssen des Landesumweltministeriums gedeckt werden. Inzwischen hat geomer, wie der OB kürzlich wissen ließ, erste Ergebnisse in Form vorläufiger Starkregenrisikokarten vorgelegt.

Auch gewässerferne Bereiche gefährdet

Zusammengenommen decken die insgesamt 14 Karten das gesamte Stadtgebiet ab. Auf ihnen sind alle Flächen markiert, die bei lokalem Starkregen erhöhte Wasserstände erwarten lassen, und zwar unabhängig davon, ob die jeweilige Fläche an einem Gewässer liegt oder nicht. Denn bei den Starkregen der letzten Jahre hatte sich ein bislang neues Phänomen gezeigt: Auch Flächen, die wegen ihrer Gewässerferne bislang als ungefährdet galten, wurden von Überflutungen und Schlammlawinen getroffen. Ursache waren neben bestimmten topographischen Gegebenheiten unter anderem auch vom Menschen geschaffene Veränderungen im Gelände.

Verwaltung plant nächsten Schritt

Unter Berücksichtigung dieser beiden Faktoren haben die geomer-Ingenieure unter anderem die Fließwege des bei Extremniederschlägen in ungewohnten Mengen anfallenden Regenwassers, seine Auswirkungen auf bebaute Bereiche und kritische Infrastruktur sowie Schadenspotenziale berechnet. Der Oberbürgermeister betont, dass die Karten „noch im Entwurfsstadium“ seien. Soll heißen: An ihnen wird noch gearbeitet. Dennoch plant die Verwaltung schon den nächsten Schritt, die Ausarbeitung eines Frühwarnsystems. Mit einer Vorstudie dafür könnte noch dieses Jahr ein anderes Büro, die im fränkischen Herzogenaurach ansässige Firma Spekter, beauftragt werden.

Sensoren melden Niederschlagsmengen

Spekter hat nach eigenen Angaben ein Frühalarmsystem (fas) entwickelt, mit dem Starkregenereignisse frühzeitig erkannt werden können. Es besteht aus mehreren Sensoren, die in der freien Landschaft, in Kanälen und in Gewässern nicht nur die Niederschlagsmengen messen, sondern auch das Tempo ihrer Zunahme. Die Daten der Niederschlags-, Kanal- und Pegelsensoren werden in Echtzeit vom firmeneigenen zentralen Cloudservice verarbeitet. Je nach Intensität des Niederschlags wird das Ereignis vier Gefahrenstufen zugeordnet: von „Keine Gefahr“ über „Rückstaugefahr“ und „Überflutungsgefahr“ bis zur höchsten Gefahrenstufe „Sturzflutgefahr“.

Bürger werden online gewarnt

Bei der Platzierung der Sensoren baut das „fas“ auf den jetzt erstellten Starkregenrisikokarten auf. Die Bewohner der gefährdeten Bereiche, laut OB meist Siedlungsrandlagen mit Nachbarschaft zu größeren landwirtschaftlichen Flächen wie in Gölshausen und im Steiner Pfad in der Kernstadt, können die Entwicklung der Regenereignisse und Gefahrenstufen in dem für die Kommune eingerichteten Webdienst online verfolgen. Während die Bürger per E-Mail oder SMS informiert werden, alarmiert das „fas“ zugleich per Voice-Mail autorisierte Rettungsdienste und aktiviert gegebenenfalls technische Vorkehrungen.

System in Bayern schon in Betrieb

Das Starkregen-fas von Spekter und weitere Systeme sind nach Firmenangaben schon in einigen bayrischen Kommunen in Betrieb. Die vorgelegten Referenzen haben Brettens OB überzeugt: „Ich will, dass interessierte Bürger das Alarmsystem direkt aufs Handy bekommen.“ Damit hätten sie im Ernstfall eine Chance, ihr Hab und Gut noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, sagt Wolff und ergänzt: „Ich hoffe, dass wir das System bis Ende des Jahres haben.“ Das sei zwar ambitioniert, aber, so der OB: „Mir ist die Sicherheit wichtig.“

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