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Empfang für Bürgermeister a. D.
Oberderdinger Ehrenbürger Erwin Breitinger wurde 80 Jahre alt

Erwin Breitinger während seiner Ansprache.
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  • Erwin Breitinger während seiner Ansprache.
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Oberderdingen (hk) Mit bescheidenen Worten des Dankes nahm Bürgermeister a. D. Erwin Breitinger am Mittwoch im Forum Oberderdingen zahlreiche Glückwünsche zu seinem 80. Geburtstag entgegen. Die Gemeinde hatte zu einem Empfang für ihren Ehrenbürger eingeladen. Viele Gratulanten aus Oberderdingen und den umliegenden Gemeinden aus dem Landkreis Karlsruhe sowie aus dem Enzkreis, langjährige Weggefährten, Vertreter des öffentlichen Lebens, Freunde und Familie des Jubilars waren der Einladung gefolgt.

„Unbestreitbare und sichtbare Erfolge“

„Mit Zufriedenheit und Stolz kannst du auf 80 Lebensjahre mit vielen Erfolgen zurückblicken. Und weiterhin vorausschauen und neugierig bleiben, was denn noch kommt“, sagte der Oberderdinger Bürgermeister Thomas Nowitzki über seinen Amtsvorgänger und stellte in seiner Rede die ganz besondere Verbundenheit Breitingers mit der Gemeinde heraus. Breitinger hatte im Alter von 29 Jahren im Jahr 1971 den Chefsessel im Rathaus übernommen und agierte bis 2003 als Bürgermeister von Oberderdingen. „In diesen 32 Jahren konntest du unbestreitbare und sichtbare Erfolge als Bürgermeister für die Gemeinde erzielen“, so Nowitzki. Ebenso war Breitinger kommunalpolitisch 20 Jahre im Kreistag des Landkreises Karlsruhe aktiv. „Deine offene Tür sowie deine deutlichen und geradlinigen Worte zeichneten dich dabei immer aus.“

„Unsere Wehleidigkeit abgewöhnen“

Deutliche und geradlinige Worte – eben solche wählte Breitinger in seiner eigenen Ansprache zu seinem 80. Geburtstag aus. Wie auch Bürgermeister Nowitzki zuvor erwähnt hatte, war Breitinger „mitten im Krieg“ am 6. April 1942 auf die Welt gekommen. Breitinger mahnte, dass „wir im reichen Westen, in einem der reichsten Länder der Welt, sehr dankbar sein müssen, dass wir keinen Krieg und keine Bombenangriffe und Todesnot in den zurückliegenden 70 Jahren erleben mussten.“ Im Verhältnis zu 1949 und 1950 würden die Deutschen heute „mitten im Paradies“ leben, sagte er zum aktuellen Krieg in der Ukraine. Es täte „uns gut, wenn wir uns ein bisschen unsere Wehleidigkeit abgewöhnten“, sagte Breitinger dann noch im Hinblick auf die Corona-Pandemie. Während dieser Zeit hätten sich die Menschen über erlittene Zumutungen geärgert. „Denken wir doch ein kleines bisschen nach. Sind diese Einschränkungen wirklich Zumutungen? Und sind dadurch Bürgerrechte unverhältnismäßig verletzt worden?“, fragte Breitinger. Alles habe zwei Seiten, auch die Gegenwart, die „nur denkbar ist, wenn man weiß, dass es eine Vergangenheit gab und auch eine Zukunft geben wird“, so der Ehrenbürger Oberderdingens.

Entstehung der neuen Gemeinde Oberderdingen erlebt

Auch Landrat Christoph Schnaudigel blickte in seiner Rede auf das „Lebenswerk“ Breitingers zurück. „Sie hatten die Gunst, als Sie 1971 als junger Mann als Bürgermeister in Oberderdingen angefangen haben, wahrlich bewegt Zeiten erlebt zu haben. Damals war richtig etwas los. Die Kommunalreform hielt damals ja generell die politische Landschaft in Baden-Württemberg in Atem. Aber in Oberderdingen, Flehingen und Großvillars setze man noch eins drauf, weil es hier ja nicht nur um Gemeinde- und Landkreisgrenzen ging, sondern um Ländergrenzen! Mit dem Württembergischen Oberderdingen und dem Badischen Flehingen stießen sozusagen zwei fremde Kontinente zusammen“, erinnerte sich Schnaudigel. Nur zwei Jahre nach seinem Antritt als Bürgermeister erlebte Breitinger zum 1. Januar 1973 die Entstehung der neuen Gemeinde Oberderdingen mit Flehingen und Großvillars.

„Schlitzohrig, manchmal rau, aber immer mit Humor“

„Gut, dass mit Ihnen ein gelernter Verwaltungsbeamter auf dem Bürgermeistersessel saß, der mit Praxiserfahrung aus den Rathäusern in Erbach, Süßen und Ulm, dem Landratsamt Ulm sowie Abstechern zur Sparkasse und zur Allgemeinen Ortskrankenkasse aufwarten konnte. Und so konnte Ihnen auch niemand etwas vormachen. Das haben die Menschen gespürt, und das haben sie auch geschätzt. Nicht anders ist es zu erklären, dass Sie die Einwohner immer wieder zu ihrem ersten Bürger gewählt haben – 32 Jahre lang“, bescheinigte der Landrat dem Jubilar. In dieser Zeit habe sich viel getan – wie zum Beispiel auch im Amthof, wo aus einem klösterlichen Wirtschaftshof ein einmaliges Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum entstanden sei. Der oft strapazierte Begriffe vom „politischen Urgestein“, vom „Bürgermeister vom alten Schlag“ – „direkt, zupackend, ein bisschen schlitzohrig, manchmal rau, aber immer mit Humor“ – treffe bei Breitinger vollumfänglich zu, so Schnaudigel.

Holzstich aus der Zeit um 1890 als Geschenk erhalten

Daneben war der Jubilar auch in ehrenamtlichen Funktionen engagiert und ist Mitglied in Vereinen und Organisationen in der Gemeinde. Besonders engagiert ist Breitinger als Mitbegründer im Heimatkreis Oberderdingen, der vor rund 40 Jahren entstanden ist und der seitdem von Breitinger als erstem Vorsitzenden geführt wird. Als Geschenk der Gemeinde erhielt Breitinger zum Geburtstag einen Holzstich aus der Zeit um 1890 mit einem Porträt von Franz von Sickingen. Den Empfang musikalisch gestaltet haben die Blechmusiker um die Gemeinderäte Siegbert Kögel und Jochen Diestl mit Unterstützung durch Pascal Simon und Alicia Fretz. Die „Ära des Ortschronisten, als Geschichtskundler und Ahnenforscher ist“, wie es Bürgermeister Nowitzki treffend formulierte, „hoffentlich noch lange nicht vorüber!“

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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