Vorfall im Gewerbegebiet Erlen in Ölbronn-Dürrn beschäftigt Umweltamt und Lokalpolitik
Verwirrung um Schmutzwasser

Die Lagerhaltung der Firma Suez in Ölbronn-Dürrn hatte schon in der Vergangenheit für Diskussionen gesorgt. archiv
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  • hochgeladen von Christian Schweizer

Ölbronn-Dürrn (swiz) Der Bau der neuen Abfallsortieranlage der Firma Suez im Gewerbegebiet Erlen hatte in der Gemeinde Ölbronn-Dürrn für viel Unmut, Diskussionen und Kritik gesorgt (wir berichteten). Gegner des Projekts hatten unter anderem die Unwägbarkeiten der Auswirkungen der Müllverarbeitung auf das Grundwasser und das Entwässerungssystem angeführt. Nach vielen Gutachten und Expertenmeinungen hatte die Suez jedoch die für den Bau notwendige Entwässerungs-Genehmigung von der Gemeinde erhalten. Es folgte ein brüchiger Frieden zwischen Projektgegnern und -befürwortern. Dieser wurde nun aber durch ein Ereignis, das zwar schon einige Wochen zurückliegt, aber erst jetzt publik wurde, gestört.

"Dunkel gefärbtes, übelriechendes Abwasser"

Was war passiert? Ende November 2019 wurde in einem Becken vor dem sogenannten Bodenretentionsfilter (ein Schilfgebiet unterhalb des Suez-Betriebsgeländes; Anm. d. Redaktion) durch den Abwasserverband Weissach/Oberes Saalbachtal (AVW) "dunkel gefärbtes, übelriechendes Abwasser" entdeckt. Dies habe der Ölbronner Bürgermeister Norbert Holme laut einem offenen Brief der Gemeinderatsfraktion "Aktive Bürger Ölbronn-Dürrn" den Räten in einer E-Mail vom 29. November mitgeteilt. Ebenso habe Holme in der Mail angekündigt, die Ergebnisse aus den Proben, die der AVW von dem Abwasser genommen hatte, würden nachgereicht. Seitdem, so die "Aktiven Bürger", habe man aber nichts mehr von der Gemeinde gehört. Ebenso sei es vollkommen unverständlich, warum die Öffentlichkeit über den Vorfall nicht informiert worden sei. Zudem weist die Fraktion darauf hin, dass man schon "vor der Genehmigung der Erweiterung der Abfallentsorgungsanlage durch das Landratsamt vor über zwei Jahren mit Nachdruck darauf hingewiesen habe, dass das noch von der Firma Schwabenhaus stammende alte Abwassersystem die betrieblichen Abwässer der Firma Suez weder technisch noch rechtlich ordnungsgemäß abführen kann." Und weiter: "Wenn riesige Müllberge im Freien lagern, muss doch jedem klar sein, dass bei jedem Regen Schadstoffe ausgeschwemmt werden." Die einzige Lösung für die "chaotische Abwassersituation" im Gewerbegebiet Erlen sei daher die Errichtung einer eigenen Kläranlage durch die Suez.

Landratsamt sieht Suez in der Verantwortung

Dass das Entsorgungsunternehmen an dem Vorfall Schuld hat, scheint für das Landratsamt Enzkreis unbestritten. "Ursächlich für den Vorfall war aus unserer Sicht die unüblich lange Lagerung von Altpapier-Output auf dem Außenbetriebsgelände der Firma. Hier kam es vor allem durch lose Papierteile auf den Fahrflächen und durch Regeneinwirkungen zu Zersetzungsprozessen", erklärt Umweltdezernent Wolfgang Herz gegenüber der Brettener Woche. Um das Problem zu beseitigen, sei vom Umweltamt am 27. und 28. November das Abpumpen und die Reinigung der Vorkammer des Retentionsbodenfilters sowie die Spülung des relevanten Kanals angeordnet worden. "Zusätzlich werden bis auf Weiteres die Fahrflächen auf dem Betriebsgelände der Firma Suez, insbesondere auch im Bereich des Papierlagers, täglich ein bis mehrmals gereinigt", so Herz.

Verhalten ist nicht "genehmigungskonform"

Bürgermeister Holme sieht ebenfalls die Firma Suez in der Pflicht. Wenn die Firma sich "ordentlich" verhalte, dann passiere auch nichts, erklärte er im Gespräch mit der Brettener Woche. "Wenn aber Recycling-Papier auf Freiflächen gelagert wird, dann ist dies nicht genehmigungskonform." In dieses Horn stößt indes auch Dezernent Herz: "Bei genehmigungskonformer Betriebsführung wäre aus fachlicher Sicht ein solches Ereignis vermeidbar gewesen." Die Ergebnisse der Proben seien indes am 8. Januar bei ihm eingetroffen, ergänzt Holme. Genaue Ergebnisse will der Bürgermeister zwar nicht preisgeben, betont aber: "Das ist alles nicht so schlimm." Es gebe keine Gewässerverunreinigung und auch der Retentionsfilter sei keineswegs verseucht und müsse auch nicht vollständig erneuert werden. Dies hatten die "Aktiven Bürger" in ihrem offenen Brief vermutet.

"Umweltschutz wird bei Suez großgeschrieben"

Und was sagt die harsch kritisierte Suez zu den Vorwürfen? Auf Anfrage der Brettener Woche erklärte deren Sprecherin Louisa Mahr: "Umweltschutz wird bei Suez großgeschrieben, weshalb wir uns selbstverständlich in allen Belangen an die Bestimmungen der Behörden halten. Wir haben die Kehrungen unserer Verkehrsflächen nach der Probenentnahme in Abstimmung mit dem Landratsamt präventiv weiter intensiviert." Und weiter: "Den Spekulationen, dass eventuell Schadstoffe ausgespült worden und in das Becken vor dem Retentionsfilter gelangt seien, möchten wir keinen Raum verleihen, da sie zu keinem Zeitpunkt von offizieller Seite an uns herangetragen wurden." An der Rechtmäßigkeit des "im Zuge des Genehmigungsverfahrens für die neue Sortieranlage geplanten und genehmigten Entwässerungskonzeptes" halte Suez indes weiter fest. Es stelle eine deutliche Verbesserung des Entwässerungssystems am gesamten Standort dar.

"Eine kontinuierliche Überwachung ist nicht möglich"

Ob es im Übrigen schon vor der Entdeckung des Abwassers Ende November weitere Vorfälle dieser Art im Gewerbegebiet Erlen gegeben hat, vermag Dezernent Herz auf Nachfrage nicht zu sagen. "Eine kontinuierliche Überwachung ist nicht möglich", ergänzt auch Holme. Wenn so etwas aber in größerem Ausmaß schon früher passiert wäre, dann sei dies doch sicher aufgefallen, ist sich der Bürgermeister sicher. Der Abwasserverband Weissach/Oberes Saalbachtal konnte auf Nachfragen der Brettener Woche eine Stellungnahme bis zum Redaktionsschluss nicht zusenden.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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