Bürgermeisterwahl in Knittlingen: Amtsinhaber Heinz-Peter Hopp tritt nicht mehr an
„Wer A sagt, muss nicht B sagen“

Der Knittlinger Bürgermeister Heinz-Peter Hopp im Rathaus vor der Galerie seiner Amtsvorgänger. Er tritt bei der Wahl im Oktober nicht mehr an.
  • Der Knittlinger Bürgermeister Heinz-Peter Hopp im Rathaus vor der Galerie seiner Amtsvorgänger. Er tritt bei der Wahl im Oktober nicht mehr an.
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  • hochgeladen von Katrin Gerweck

Knittlingen (ger) In einer dramaturgisch klug aufgebauten Rede hat Heinz-Peter Hopp, der seit Januar 1998 die Geschicke der Fauststadt leitet, bekanntgegeben, für eine vierte Amtszeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Zum Pressetermin waren auch die Knittlinger Amtsleiter erschienen, die von Hopps Bekanntmachung ebenso überrascht wurden wie die Medienvertreter. War die Öffentlichkeit doch bisher davon ausgegangen, Hopp werde wieder antreten. Seine Entscheidung begründete er mit ganz persönlichen Erfahrungen.

"Knittlingen hat sich zum Guten verändert"

Der 62-Jährige begann seine Rede mit einem Rückblick auf seine zurückliegenden Amtszeiten. Manch ungelöste Probleme habe es Ende der 90er Jahre im Ort gegeben, der damals um 1.500 Einwohner kleiner gewesen war. „Es ist viel passiert seitdem und ich glaube sagen zu können, dass Knittlingen sich zum Guten verändert hat.“ 135 Millionen Euro seien investiert, davon mehr als 50 Millionen Euro an Zuschüssen eingesammelt worden. Und nicht auf dem Rücken der Bürger oder Unternehmen seien diese erkauft worden, seien die Steuersätze in der Fauststadt doch im Vergleich zu anderen Kommunen immer noch niedrig, wie auch die Kindergartengebühren vergleichsweise gering. Auch die Schulden habe man reduziert, die Finanzsituation sei mit einer Rücklage von rund 7,6 Millionen Euro stabil.

Liste mit über 50 Unternehmungen

Als wichtigen Baustein in der Finanzierung wertete Hopp die örtliche Wirtschaft, die mit Gewerbesteuer und auch starken Investitionen die Kommune unterstütze und rund 3.400 Arbeitsplätze bereitstelle. Es sei immer sein Anspruch gewesen, Optionen zu erkennen und neue Ziele zu stecken. Alle Projekte, die realisiert wurden, aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, so das noch bis 18. Januar 2022 amtierende Stadtoberhaupt. Daher händigte er am Ende seiner Rede eine Liste mit über 50 Unternehmungen in Knittlingen, Freudenstein-Hohenklingen und Kleinvillars aus, die allein in den letzten acht Jahren verwirklicht wurden, darunter Sanierungen der Schulen und Kindergärten, des Freibads und in Sanierungsgebieten, Erschließung von Neubau- und Gewerbegebieten, Breitbandausbau und Hochwasserschutz.

Bürgermeisteramt kein Ruhekissen

Für ihn sei das Bürgermeisteramt kein Ruhekissen, betonte Hopp und verwies auf Projekte in der Pipeline: „Freizeitanlagen werden saniert, neue Wohngebiete sind auf dem Weg wie an der Friedensstraße und auf dem Gelände der Firma Neumo sowie in den Stadtteilen.“ Den öffentlichen Nahverkehr stärke man durch die fertiggestellte Sanierung des Busbahnhofs und ganz aktuell habe man „den Fuß in der Tür“ bei der Reaktivierung der Zabergäubahn zwischen Leonbronn, Knittlingen und Bretten.

Hopp bezeichnete sich als "Schaffer und Macher"

Hopp bezeichnete sich als Schaffer und Macher, dem es darauf ankomme, Projekte zu initiieren und konsequent umzusetzen. „Nicht mit der Brechstange, sondern behutsam unter Beteiligung der Bürger, in Absprache mit dem Gemeinderat.“ Kontroverse Diskussionen empfinde er als fruchtbar, „weil man Pläne überdenkt und eventuell um neue Vorschläge und Ideen bereichert.“ Dabei sei es ihm stets um eine Kultur des Miteinanders in den Stadtteilen und unter den Generationen gegangen und darum, die „Stadt auf der Basis ihrer Tradition in die Moderne zu führen.“ Sein Mandat im Kreistag und sein politisches Netzwerk habe er genutzt, „um Zuschüsse zu beantragen und in die Stadt zu holen, Ideen zu verwirklichen und Knittlingen voranzubringen.“

„Wer A sagt, der muss nicht zwingend B sagen“

Der aus der Pfalz stammende Hopp, der auch nach seiner Amtszeit mit seiner Ehefrau Susanne in Knittlingen wohnen bleiben wird, betonte, wie wichtig die Vereine für den Zusammenhalt im Ort seien, mit ihren Angeboten und Veranstaltungen und hob auch das kulturelle Leben – Stichwort Faustmuseum – hervor. Bis hierhin waren alle Anwesenden davon ausgegangen, dass sich der Amtsinhaber hier für eine weitere Amtsperiode in Stellung bringt. Doch nach Brecht: „Wer A sagt, der muss nicht zwingend B sagen“, werde er nicht ein viertes Mal kandidieren. „Ich fürchte mich nicht vor dem inhaltlichen Diskurs, auch wenn ich ehrlich gestehen muss, dass mich einiges in der Kultur der Auseinandersetzung ein wenig wundert.“

Persönliche Erfahrungen führen zu Verzicht auf Kandidatur

Einige sehr persönliche Erfahrungen hätten ihn zu diesem Entschluss veranlasst. Einerseits das fordernde Amt des Stadtoberhaupts, wobei er in der Arbeit aufgegangen, aber den Menschen, die ihm nahestehen, nicht immer gerecht geworden sei. 2018 sei sein Bruder im Alter von 56 Jahren gestorben, für den er im Rückblick nie viel Zeit gehabt hatte. Ende Juli dieses Jahres starb seine Schwiegermutter, die er und seine Frau bei sich im Haus gepflegt hatten. Besonders einschneidend sei auch ein Autounfall im März 2021 gewesen, bei dem ihm ein Pkw bei Tempo 100 die Vorfahrt genommen hatte, sein Auto Totalschaden erlitten und er dank aller aufgegangenen Airbags glimpflich davongekommen sei: „Mein Arzt hat mir danach zu einem zweiten Geburtsdatum gratuliert.“

Prozess des Nachdenkens

Das alles habe in ihm „einen Prozess des Nachdenkens ausgelöst über die Zeit, die bleibt, und auch darüber, was ich in Zukunft machen möchte und was nicht.“ Und weiter: „Das Feld ist bestellt und bereitet in Knittlingen. Ich kann mich deshalb guten Gewissens aus dem Rathaus verabschieden.“ Bis zum Ende seiner Amtszeit werde er 100 Prozent im Rathaus geben. Im Wahlkampf beabsichtige er, neutral zu bleiben. Und mit seinem Nachfolger wolle er es halten, wie es sein Vorgänger Otto Kübler mit ihm gemacht habe: „Bei der Amtsübergabe hat er mir gesagt, ich wisse ja, wo er wohne und könne bei Fragen immer vorbeikommen.“ Welchen Tätigkeiten er nach Amtsende nachgehen werde, lasse er zu gegebener Zeit wissen.

Mehr dazu lesen Sie auf unserer Themenseite Bürgermeisterwahl Knittlingen.

Autor:

Katrin Gerweck aus Bretten

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