"Alle mit dem Herzen dabei"
TSV Knittlingen Handball - eine Erfolgsgeschichte

Da war der Jubel groß: Im April wurden die Handballer des TSV Knittlingen Landesmeister.
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  • Foto: Jan Prihoda
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Knittlingen (ger) Die Handballer des TSV Knittlingen sind in die Verbandsliga Nordbaden aufgestiegen. Damit haben sie pünktlich zum 40sten Jahr des Bestehens der Abteilung und zum 175-jährigen Jubiläum des Vereins ein großes, motivierendes Ausrufezeichen gesetzt. In einem absoluten Herzschlagfinale setzten sie sich gegen die Mitfavoriten aus Durlach durch. „Die beste Saison, die es beim TSV je gab“ nennt Heiko Mössner im Gespräch mit der Brettener Woche/kraichgau.news das Kind beim Namen. Er ist als sportlicher Manager für die Handball-Abteilung des Vereins tätig und kann sich auch zu den Vätern des Erfolgs zählen. Denn vor sechs Jahren, 2016, sah es für die Handballer gar nicht gut aus. Der Kader war dünn, die Trainingszeiten durch die knappe Hallenverfügbarkeit in der Fauststadt beschränkt. Eine Gruppe von ehemaligen Aktiven aus unter anderen Klaus Meiser, Peter König, Heiko Mössner, seinem Bruder Frank Mössner, Marcel Stumpp, Clemens Blaha sowie dem langjährigen Vorsitzenden Jürgen Mössner, Vater von Heiko und Frank, wollte der Abteilung wieder Leben einhauchen. „Das war unsere Stunde Null“, sagt Heiko Mössner.

Erster Schritt: Raus aus Jugendspielgemeinschaft

Zuerst beschloss man, die Jugendspielgemeinschaft Kraichgau zu verlassen und wieder eigenständig zu werden. „Sehr wichtig war auch, dass wir in dieser Phase mit der Firma Sauter aus Bretten einen neuen Hauptsponsor gewinnen durften“, sagt Mössner. Es gelang, eine erste und zweite Mannschaft zusammenzustellen. Die ersten Erfolge stellten sich bald ein: 2018/19 stieg die erste Mannschaft unter den neuen Trainern Sebastian Geider und Bernd Zimmermann von der Bezirksliga 1 in die Landesliga auf. Der in Knittlingen inzwischen sprichwörtlichen Hallen-Misere begegnete der Verein damit, dass er eine eigene Halle baute. Und das innerhalb kurzer Zeit – nur ein knappes Jahr nach der Baugenehmigung war sie Ende 2019 fertig, wobei – ebenfalls eine Seltenheit – die veranschlagten Kosten eingehalten wurden. Den Löwenanteil davon finanzierte der Verein selbst durch Rücklagen.

Jugendarbeit intensiviert

Mit der Halle konnten auch die Trainingszeiten ausgebaut werden. Zugleich intensivierte der Verein die Jugendarbeit. 2019 engagierte man mit Frank Denne einen erfahrenen Trainer, der von den Rhein-Neckar-Löwen kam und als Auswahltrainer auf Landesebene und in der Trainer-Ausbildung tätig war. In der jüngsten Saison 2021/22 hatte man zehn Mannschaften am Start, die großartige Erfolge vorweisen konnten: Die A-Jugend holte den Meistertitel in der Landesliga, die B- und C-Jugend wurden jeweils dritte, die D-Jugend wurde Vizemeister auf Bezirksliga, die E-Jugend gar Meister. „Eine tolle Arbeit der Jugendtrainer und der Jugendleitung unter Marcel Stumpp und Marina Jähnig“, so Mössner. Auch eine Damenmannschaft gibt es seit der gerade beendeten Saison, die auf Anhieb Vizemeister in der Bezirksliga 2 wurde. Die zweite Mannschaft mit Trainer Aaron Deeß konnte ihre Klasse halten und spielt weiter in der Bezirksliga 2.

"Harmonischer Verein mit tollem Gemeinschaftsgefühl"

„Es wurde viel Vorarbeit geleistet, sodass wir die zweite Mannschaft mit Eigengewächsen verjüngen und dann an die erste Mannschaft heranführen können“, beschreibt Mössner die Marschrichtung. Die Jugendmannschaften wolle man höher platzieren, die erste Mannschaft in der Verbandsliga etablieren. Mit den hervorragenden Trainern und der guten Infrastruktur sei vieles möglich. „Wir sind ein harmonischer Verein mit einem tollen Gemeinschaftsgefühl“, veranschaulicht Mössner die Grundstimmung. Er betont auch, wie wichtig eine gute Organisation auf allen Ebenen sei.

Nervenaufreibende Abschlussspiele

Die beiden Abschlussspiele hätte man sich nicht spannender vorstellen können: Wegen Corona hatte sich der Terminplan so verschoben, dass die entscheidenden Partien gegen Durlach innerhalb von nur drei Tagen stattfanden. Es war klar, dass man mindestens einen Sieg und ein Unentschieden brauchte für den Aufstieg. „Wir wollten hoch, das war unser Ziel“, sagt Mössner. So nervenaufreibend hätte es dann aber für seinen Geschmack nicht sein müssen. Bei der ersten Partie zuhause fand die Mannschaft erst nach einer Weile ins Spiel und musste einen ordentlichen Rückstand aufholen. Die letzten Minuten stand es unentschieden und in der tatsächlich letzten Sekunde holten die Knittlinger mit einem Freiwurf den Sieg. Einen ähnlichen Verlauf mit anfänglichem Rückstand und spannenden Aufholminuten bot sich dem Publikum, das gut zur Hälfte aus Knittlinger Fans bestand, dann in Durlach. Am Schlussstand von 20:22 hatte Spielertrainer Sebastian Geider die beiden letzten Treffer gesetzt und damit seine aktive Zeit gekrönt – ab der nächsten Saison wird er nur noch als Trainer tätig sein.

Neue Gegner auf höherem Niveau und in schnellerem Tempo

In der Verbandsliga Nordbaden stehen den Knittlingern nun Mannschaften aus den Kreisen Karlsruhe, Bruchsal, Pforzheim, Heidelberg, Mannheim und Tauberbischofsheim gegenüber. Das bedeutet viele neue Gegner auf höherem Niveau und in schnellerem Tempo. Anfang Juli startet die Saisonvorbereitung. Zum bewährten Team aus Trainer Sebastian Geider und Torwart-Trainer Andi Beck wird Kai Rudolf als Co-Trainer und ein Fitnesstrainer hinzustoßen, der bisherige Co Michael Zeller wird berufsbedingt nur noch der zweiten Mannschaft zur Verfügung stehen. Thomas Egger bleibt Team-Manager und Heiko Mössner und Peter König haben weiter die sportliche Leitung inne. Eine höhere Liga bedeutet aber auch gestiegene Kosten, nicht zuletzt durch deutlich weitere Reisen. So bemühe man sich laut Mössner das Sponsoring weiterzuentwickeln, zumal pandemiebedingt viele übliche Einnahmen wie Eintrittsgelder und Erlöse aus Festen ausgefallen sind. Auch wenn man ehrenamtlich gut aufgestellt sei, freue man sich über weitere Verstärkung bei der Vereinsarbeit, sagt Mössner. Der Lohn stecke dabei in der Gemeinschaft und den emotionalen Höhepunkten. „Wir sind alle mit dem Herzen dabei. Der Erfolg tut gut, es herrscht eine hervorragende Stimmung.“

Die große Bildergalerie von Jan Prihoda vom Finalspiel finden Sie hier.

Autor:

Katrin Gerweck aus Bretten

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