„Ein rechtes Durcheinander“: Zentrales Anmeldeverfahren für Betreuungsplätze sorgt für Kritik

Wo der Erdhaufen liegt, soll die Kita des Familienzentrums FAM entstehen. Erst muss das Mellert-Fibron-Gelände aber noch umgewidmet werden.

Zentrales Anmeldeverfahren für Betreuungsplätze sorgt für Kritik in Bretten

BRETTEN (ger) Seit 2016 werden die Plätze in den 22 Kindertageseinrichtungen der Stadt Bretten über ein zentrales Anmeldeverfahren der Stadt vergeben. Die Stadt verspricht sich davon eine bessere Steuerung im Hinblick auf die Vergabe. In der Vergangenheit war es so, dass einige Eltern ihr Kind in mehreren Einrichtungen angemeldet und damit Plätze blockiert haben, die unterm Jahr frei blieben. Auch möchte die Stadt den Einrichtungen damit bürokratische Arbeit abnehmen. Alles gut also? Auf Nachfrage bei den Kindergärten und Kitas – deren Ansprechpartner alle ungenannt bleiben wollen – wird deutlich, dass sich viele Kindergartenleitungen und auch Eltern mit dem neuen Verfahren schwertun.

Eltern schauen sich Kindergarten im Vorfeld nicht mehr an

Die Kommunikation mit der Stadt laufe nicht optimal, manchmal sei es „ein rechtes Durcheinander“, ist zu hören. Milder drückt es eine Leiterin aus: „Wir sind mit dem Verfahren aus den Kinderschuhen heraus, aber es ist noch verbesserungsfähig.“ Viele Leitungen stören sich daran, dass sie keinen Überblick mehr haben, wer kommt. „Es schauen sich ja nicht alle Eltern den Kindergarten vorher an. Viele informieren sich nur übers Internet und die stehen dann plötzlich da.“ Ein richtiges Problem scheint das bei Einrichtungen zu sein, die ein besonderes Konzept haben und auf Elternmitarbeit angewiesen sind. „Wir können zwar Kinder ablehnen, aber damit tun wir uns doch schwer“, wird das Dilemma begründet.

Kein Platz für Kinder, die zuziehen

Der Hauptvorwurf lautet, dass die Einrichtungen in der Kernstadt und in den kernstadtnahen Teilorten übervoll sind. Gerade im Hinblick auf die wachsenden Einwohnerzahlen ist das misslich. „Kinder, die zuziehen, kann ich unter dem Jahr nicht aufnehmen“, klagt eine Leitung. „Kindergartenplätze sind teuer. Wir können es uns nicht leisten, Plätze leer zu lassen“, erwidert Bernhard Feineisen, Leiter des Amtes für Bildung und Kultur, auf diesen Vorwurf. Insgesamt zeigt er sich überrascht über die Unzufriedenheit. „Wir haben uns erst vor einigen Wochen mit allen Leitungen getroffen. Da hat fast niemand etwas bemängelt.“

Einfach verteilt?

Das Verfahren läuft folgendermaßen ab: Im Oktober werden die Eltern aller Kinder angeschrieben, die noch nicht in Einrichtungen sind und die zum Kindergartenjahr des Folgejahres mindestens ein Jahr alt sind. Auf dem Anmeldeformular für einen Betreuungsplatz geben die Eltern auch an, ob sie etwa alleinerziehend oder noch in Ausbildung sind. Außerdem müssen sie drei Einrichtungen zur Wahl angeben. Letzteres sorgt besonders in den Teilorten, in denen es nur einen Kindergarten gibt, für Irritation. In den Stadtteilen, die weiter entfernt von der Kernstadt liegen, können die Leitungen die Eltern aber noch beruhigen. Alle bekommen einen Platz. Anders sieht es in der Kernstadt und kernstadtnahen Teilorten aus, wenn Eltern versuchen, durch die Angabe nur eines Wunsches unbedingt dort aufgenommen zu werden. „Wenn es dort keinen Platz gibt, wird man einfach in eine andere Einrichtung verteilt. Ohne weiteres Nachfragen seitens der Stadt.“ Feineisen weist diesen Vorwurf weit von sich und seinen Mitarbeitern. „Sie glauben nicht, wie viel wir mit Hinterhertelefonieren beschäftigt sind.“

Zusage für manche zu spät

Die Stadt verteilt also die Plätze und schreibt die Eltern Anfang des Jahres an, eine endgültige Zusage macht sie aber damit nicht. „Die Eltern müssen dann zur Einrichtung gehen und sich dort anmelden“, erläutert Feineisen das Verfahren. Eine andere Terminierung dabei wünschen sich manche Eltern. Wer nach der Elternzeit wieder anfangen möchte zu arbeiten, muss frühzeitig Bescheid wissen, ob es klappt mit dem Betreuungsplatz. Da reicht ein gutes halbes Jahr vorher nicht aus. Auch finden viele es unglücklich, dass nur zu Beginn des Kindergartenjahrs im Spätsommer Kinder aufgenommen werden können. Schließlich werden Kinder das ganze Jahr über drei Jahre alt.

Nicht alle Belange im Blick

Ein weiterer Vorwurf lautet, die Stadt habe nicht alle Belange der Kindertageseinrichtungen im Blick. Kinder sollten in die Gruppenkonstellation passen, lautet eine Forderung. „In anderen Kommunen belegen Kinder, die einen höheren Förderbedarf haben, zum Beispiel zwei Plätze. Das wäre in Bretten auch sinnvoll“, ist ein Verbesserungsvorschlag.Obwohl auf dem Anmeldeformular abgefragt wird, ob Geschwisterkinder in der Einrichtung sind, wird das ab und zu nicht berücksichtigt. „Inzwischen klappt es, weil ich zusammen mit den Eltern den Zettel ausfülle und den Mitarbeitern bei der Stadt melde, welche Geschwister kommen“, betont eine Einrichtungsleitung. „Wenn das Geschwisterkind schon in der Schule ist, zählt es sozusagen nicht mehr. Die Eltern müssen sich dann manchmal auf eine andere Einrichtung einstellen. Das ist nicht ideal“, wird ein weiterer Vorwurf laut. „Dass nicht alle am gewünschten Platz sind, ist uns klar“, räumt Feineisen ein. „Das ist aber auch schwer machbar. Jedes Jahr setzen wir uns mit den Trägern zusammen und machen die Bedarfsplanung.“

Mehr Plätze! Mehr Kräfte!

Und der Bedarf ist groß. Alle Einrichtungsleitungen wünschen sich unisono mehr Plätze und mehr Kräfte. Feineisen verweist in diesem Zusammenhang auf die Erweiterung des städtischen Kindergartens Drachenburg um eine Gruppe, den Neubau der Kita des Familienzentrums FAM auf dem Mellert-Fibron-Areal und die geplante neue Einrichtung im Steinzeugpark in Diedelsheim. Für Kinder, die jetzt einen Platz brauchen, könnte das aber zu spät sein. Das Mellert-Fibron-Areal zumindest wartet immer noch auf die Umwidmung durch den Gemeinderat, damit dort der Kita-Bau überhaupt erst in Angriff genommen werden kann. Und für die Kita im Steinzeugpark gibt es noch nicht einmal einen Träger.
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