Flutwellen treffen Bretten - Feuerwehrmann lebensgefährlich verletzt

Die Flutwelle traf den Brettener Stadtteil Ruit.
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Durch die starken Niederschläge ist es am gestrigen Abend in Bretten und in Teilen des Enzkreises zu überfluteten Straßen und Kellern gekommen. In Bretten wurde ein Feuerwehrmann lebensgefährlich verletzt, in Ruit wurde Katastrophenalarm ausgelöst.

Wegen der aktuellen Lage kann es in Sulzfeld, Sternenfels und anderen Ortschaften auch erst heute zu einer Verteilung der Brettener Woche-Kraichgauer Bote kommen.

Bretten/Enzkreis (swiz) Es ist ein traumatisches Deja-vu, das die Menschen in Bretten und den umliegenden Ortschaften und Gemeinden seit gestern erleben. Erst 2015 hatte die Region heftig unter dem durch Unwetter und Starkregen ausgelösten Hochwasser gelitten. Gestern Abend wiederholte sich dann teilweise das Szenario. "Es begann damit, dass wir gestern gegen 18.30 Uhr wegen eines Hangrutsches am Ruiter Stadtbahnhof alarmiert wurden", erklärt der Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis Karlsruhe, Werner Rüssel, den Anfang des Einsatzes. Die abgerutschte Erde blockiert die Bahnstrecke dort noch bis zum jetzigen Zeitpunkt (Stand 10.15 Uhr). Die Bahnen werden über Durlach und Pfinztal umgeleitet.

Flutwelle durch Ruit

Das weitaus schlimmere Problem folgte dann jedoch eine knappe Stunde später, als sich aufgrund der heftigen Regenfälle eine Flutwelle über die Bauschlotter Straße in Richtung Ruit bewegte und den Brettener Stadtteil schließlich einen dreiviertel Meter unter Wasser setzte. Ortsvorsteher Aaron Treut reagierte schnell und verständigte den Brettener Oberbürgermeister Martin Wolff. Danach löste er Katastrophenalarm für Ruit aus. "Ich bin gerade nach Hause gekommen und habe dann aus meinem Haus gesehen, wie sich eine große Schlammlawine die Bauschlotter Straße hinab auf Ruit zubewegt", erinnert sich Treut an die gestrigen Ereignisse. "Wir haben dann mit Autos die Bauschlotter Straße abgesperrt, da es lebensgefährlich war, dort noch durchzufahren. Inzwischen hatte es zudem auch die Schachtdeckel aus den Straßen gehoben." Auf die erste Flutwelle folgte laut Treut eine zweite, die dem Ort dann ebenfalls schwer zusetzte. Ebenfalls überflutet wurde der Damm der Salzach. Zuvor war bereits die Bachverdohlung durch das viele Wasser nicht mehr aufnahmefähig gewesen. Momentan sind laut Treut alle Einwohner Ruits auf der Straße, um die Schäden zu beseitigen und bei den Aufräumarbeiten zu helfen. "Der Zusammenhalt ist wirklich großartig."

Feuerwehrmann durch Stromschlag lebensgefährlich verletzt

Die Flutwelle bewegte sich nach Ruit dann laut Rüssel weiter über die B 294 und die K 3569 auf Bretten zu. Dort kam es gegen 20.45 Uhr zu einem folgenschweren Unfall eines 35-jährigen Feuerwehrmannes. Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der Mann zur fotografischen Dokumentation eines Erdrutsches auf die andere Gleisseite gelangen wollen. Nachdem er in Abstimmung mit dem Notfallmanagement der Bahn zunächst die Plattform eines Tankwaggons bestiegen hatte, erklomm er die an dem Waggon angebrachte Leiter und kam offenbar der 15.000 Volt führenden Oberleitung zu nahe. Bei strömendem Regen bildete sich plötzlich ein Lichtbogen, so dass der Mann mit schwersten Verbrennungen in den Schotterbereich zwischen die Gleise stürzte. Nach seiner Versorgung durch Ersthelfer wurde der lebensgefährlich verletzte, aber ansprechbare Feuerwehrmann in die Brettener Rechbergklinik gebracht und von dort aus mit dem Rettungshubschrauber nach Ludwigshafen in die BG-Klinik verlegt.

Saalbach über die Ufer getreten

Derweil bahnten sich die Fluten weiter ihren Weg. Um Hochwasser-Schäden in der Brettener Innenstadt zu verhindern, wurden an die Brettener Bürger an mehreren Stellen auch Sandsäcke verteilt, um Keller und Grundstücke zu schützen. Umsonst war dies im Neff-Park. Dieser stand gegen 20.45 Uhr völlig unter Wasser, da zu diesem Zeitpunkt auch der Saalbach über die Ufer getreten war. Ab 22 Uhr beruhigte sich die Lage dann langsam, die Aufräumarbeiten in und um Bretten dauern noch an. Doch auch wenn Schlamm und Matsch sowie Wasser langsam aus den Straßen weichen, sitzt der Schock bei den Menschen immer noch tief. "Die Bürger sind psychisch da schon sehr angeschlagen. Die Blicke gehen bei der kleinsten Regenwolke sorgenvoll nach oben", fasst Rüssel die Stimmungslage in der Bevölkerung zusammen.

Unwetter und Überschwemmungen auch in anderen Regionen

Doch nicht nur in Bretten und Ruit kam es in der vergangenen Nacht zu schweren Überflutungen. So gab es in Ölbronn-Dürrn einen Blitzeinschlag in einer Scheune. Der daraus entstandene Brand konnte von der Feuerwehr jedoch schnell gelöscht werden. Es entstand nur geringer Sachschaden. In Maulbronn und Ötisheim kam es nach der Überflutung der L 1132 zur Sperrung der Straße auf unbestimmte Zeit. Insgesamt geht die Polizei davon aus, dass sich der Schaden durch die Fluten auf 500.000 Euro beläuft.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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