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„Mein innerstes Anliegen war es, das Patrozinium am Leben zu erhalten“

Bernd Dickemann mit vier seiner Enkel bei der Pferdesegnung 2016.
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  • Bernd Dickemann mit vier seiner Enkel bei der Pferdesegnung 2016.
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Bernd Dickemann initiierte vor 35 Jahren die Pferdesegnung in Bauerbach

Bauerbach (ger) Seit 35 Jahren ist er der Dreh- und Angelpunkt der Pferdesegnung in Bauerbach. Bernd Dickemann, bis 2011 technischer Betriebsleiter beim Abwasserzweckverband „Oberer Kraichbach“, inzwischen Vollblut-Opa von sieben Enkeln, von denen sechs in der unmittelbaren Nähe wohnen. Mit dem Patroziniumsfest, also dem Hochfest zu Ehren des Kirchenpatrons, auf dem es von Rössern und Reitern nur so wimmelt, erfüllte er sich einen Kindheitstraum: "Als ich ein kleiner Bub war", erzählt der gebürtige Bauerbacher, "fuhren meine Eltern mit mir nach Landshausen zur Pferdesegnung." Und natürlich fuhren die Dickemanns damals, Anfang der 50er Jahre, nicht mit dem Auto dorthin, das sie auch gar nicht besaßen, sondern mit ihrem wunderschön herausgeputzten Kaltblütergespann. Der kleine Bernd bekam im Hof der Landshäuser Wirtschaft, wo das Gespann mit den beiden großen Rössern geparkt wurde, eine heiße Cervelat und einen gelben Sprudel, außerdem die Peitsche, denn er musste auf das Gefährt aufpassen. "Und dann kamen alle Leute her und fragten mich: 'Ja, wo kommt ihr denn her?' und haben die Pferde und die Kutsche bewundert. Das hat mir schon gefallen", gibt Dickemann verschmitzt zu. Dass er, der jüngste von neun Kindern, nur mit einer Schwester zusammen hatte mitfahren dürfen, war natürlich auch etwas Besonderes. Das eindrücklichste Erlebnis aber war der Pfarrer hoch zu Ross. "Diesen Anblick werde ich nie vergessen", schwärmt der 70jährige.

Patrozinium war Feiertag im Dorf

„Mein innerstes Anliegen war es, das Patrozinium in Bauerbach am Leben zu erhalten“, betont Dickemann. "Als ich ein Bub war, war das Patrozinium unserer Kirche Sankt Peter am 29. Juni ein Feiertag im Dorf", erinnert sich Dickemann. Alle hatten frei, eine Prozession zog durch das Dorf wie andernorts an Fronleichnam, die Häuser waren geschmückt und die Straßen mit Gras bestreut. In den 50er und 60er Jahren wandelten sich die Zeiten: Es gab immer weniger Bauern, die meisten hatten höchstens noch eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft und arbeiteten in der Stadt. Also wurde das Patrozinium auf den Sonntag nach dem Namenstag von Sankt Peter gelegt, wodurch es mit dem Peter-und-Paul-Fest kollidierte, das damals auch immer mehr an Bedeutung zunahm. Allmählich drohte diese Bauerbacher Tradition einzuschlafen.

Mit Kutsche zur Fahrzeugsegnung

1977 übernahm Pater Robert Späth die Gemeinde und bemühte sich, das Hochfest als Pfarrfamilienfest wiederzubeleben. Die Feier wurde auf den Sonntag vor dem 29. Juni gelegt. Statt einer Prozession trafen sich die Bauerbacher nach dem Gottesdienst zum Essen, es gab ein kleines Programm für die Kinder, danach Kaffee und Kuchen. In einem Jahr rief Pater Späth dazu auf, dass alle mit ihren Fahrzeugen kommen sollten, damit er ihnen so kurz vor den Sommerferien den Reisesegen geben könne. Dickemann fuhr aber nicht mit dem Auto, sondern kurzerhand mit seinem Haflinger-Gespann vor. Er und seine Frau Rita auf dem Kutschbock, im Fonds die drei Kinder und die Oma. Das Hallo war groß und natürlich bekam auch dieser fahrende Untersatz samt vierbeinigem Motor den Segen.

Mit Karacho an Hochzeitsgesellschaft vorbei

„Meine Familie hatte schon immer Pferde. Mein Opa war Leib-Dragoner beim Großherzog von Baden“, begründet Dickemann seine Liebe zu den großen Vierbeinern. Das Kutschfahren richtig gelernt, habe er aber erst 1982. Er sollte damals die Hochzeitskutsche für die Tochter des Ortsvorstehers fahren. Auf dem Weg zum Brautpaar kam ein bellender Hund aus einem Hof, und Dickemann gingen die Pferde durch. Mit Karacho galoppierte er an der wartenden Hochzeitsgesellschaft vorbei. Eigentlich ging er davon aus, dass jetzt niemand mehr mitfahren wolle. Der Zwillingsbruder des Bräutigams war aber Pferdewirt im Gestüt in Marbach und sagte ihm: „Und jetzt wird erst recht gefahren. Und danach lernst du das richtig!“

Pfarrer auf Kaltblüter

So vermittelte der Marbacher Pferdefachwirt also einen Gespannfahrkurs, für den Dickemann, damit er im Kraichgau stattfinden könne, alle zusammentrommelte, die Pferde und Interesse daran hatten. Wochenlang büffelten die 20 Teilnehmer Theorie und übten fleißig die Praxis des Gespannfahrens. Dabei entstanden schöne Freundschaften und nach Ende des Kurses gründete man die Gespann- und Fahrvereinigung Kraichgau, die ihr Übungsgelände und Vereinsheim in Kraichtal-Oberacker hat. Die Kursteilnehmer, jetzt Vereinskameraden lud Dickemann alle mit ihren Pferden und Kutschen zum Patroziniumsfest ein. Und so fand die erste Pferdesegnung 1982 in Bauerbach statt.
Übrigens: 2012 erfüllte sich dann noch ein Wunsch von Bernd Dickemann: Pfarrer Wolfgang Streicher reitet seither auf einem prächtigen Kaltblüter der Prozession voran, während alle seine Vorgänger es vorzogen, in der Kutsche Platz zu nehmen. „Das hab ich ihm damals gleich beim ersten Gespräch gesagt, dass er aufs Pferd muss“, schmunzelt Dickemann. „Und er war gleich bereit.“

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In Bretten zuhause 2017

Autor:

Katrin Gerweck aus Bretten

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