Inventur brachte Wertvolles ans Tageslicht
"Museum steht mit Rat zur Seite"

Museumsleiterin Linda Obhof zeigt der Brettener Woche das neue Muesumsdepot im Dachgeschoss vom Alten Rathaus in Bretten. Über 10.000 Stücke hat sie dort mit ihrem Team bereits eingelagert. Viele davon stammen aus privaten Nachlässen und Funden aus Bretten, die im Museum abgegeben wurden.
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  • Museumsleiterin Linda Obhof zeigt der Brettener Woche das neue Muesumsdepot im Dachgeschoss vom Alten Rathaus in Bretten. Über 10.000 Stücke hat sie dort mit ihrem Team bereits eingelagert. Viele davon stammen aus privaten Nachlässen und Funden aus Bretten, die im Museum abgegeben wurden.
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Bretten (bea) Alles war vorbereitet, doch dann kam Corona nach Bretten. Das Museum im Schweizer Hof musste schließen und die vorbereitete Ausstellung abgesagt werden. Was kann eine neue Museumsleiterin in dieser Situation besseres unternehmen, als mit einem dreiköpfigen Team eine Inventur vom vorhandenen Archiv zu machen? Dabei wurde jedes Objekt einzeln verpackt, erfasst, nummeriert, gereinigt, fotografiert, aufgelistet und im neuen großen Museumsdepot im Alten Rathaus verstaut.

Viele Stücke aus Brettens Geschichte lagern in den Museumsdepots

"Das war für mich eine gute Gelegenheit alle Stücke im Archiv kennenzulernen", sagt Museumsleiterin Linda Obhof. Zugleich war die Inventur ein wichtiger Grundstein für die weitere Arbeit bei ihren künftigen Ausstellungen. „Es sind viele tolle Sachen zum Vorschein gekommen“, sagt die Archäologin. Zum Inventar gehören Kleidungsstücke, Trachten, Möbel, Krüge und Geschirr, aber auch mehrere so genannte Feierabendziegel. Das sind Ziegel, die mit besonderen Motiven – auch mit abergläubischen Symbolen – verziert und oftmals auf den Dächern alter Scheunen zu finden sind. Weiterhin halten die Depots des Brettener Museums landwirtschaftliche Geräte, Kunst und Alltagsgegenstände vor. Ein geschichtlicher Fund, der in einem davon liegt, kam bei Grabungen im Burgwäldle zu Tage: ein Webgewicht, das typisch für die Vorgeschichte und das Frühmittelalter ist, wie Obhof weiß. Das zeige die jahrhundertealte Textilgeschichte in Bretten, sagt sie.

Jeder Fund kann Teil im Puzzle von Brettener Geschichte sein

Dann präsentiert Obhof eines ihrer Lieblingsstücke: ein Korsett, das wohl aus einem Zwischenboden eines alten Gebäudes von der Bessergasse stammt. Dieses teilweise gut erhaltene Stück bestehe hauptsächlich aus grobem Leinen mit eingenähten Schilf- und Fischbeinstäben und stamme aus dem frühen 18. Jahrhundert, sagt die Archäologin. Nach Vermessungen des Museumsteams war das Korsett für eine Frau mit der Größe 38 geschneidert. „Das Fischbein ist ein Hinweis auf die Handelsbeziehungen von Bretten“, sagt Obhof. Vom selben Fundort stammt ein Teil eines Hemdes mit Stehkragen und ein altes Wams. Dieses geschichtlich wertvolle Stück sei beim Abriss eines Hauses gefunden worden, so Obhof. „Die Leute sollten die Funde abgeben und sie nicht einfach wegwerfen. Dann können Experten entscheiden, ob der Fund wichtig ist“, so die Museumsleiterin. Jedes Stück könne einen wichtigen Beitrag für Stadt leisten, indem es Informationen über die vergangene Zeit in Bretten gibt und somit einen weiteren Teil im Puzzle der Geschichte in Bretten beinhalten kann.

Viele interessante Funde wurden im Museum abgegeben

So wurden am Leyertor Fragmente aus dem Mittelalter ausgegraben. Im Gebiet St. Johann wurden Metalle und Keramiken von einer ehemaligen mittelalterlichen Siedlung, einer Wüstung, gefunden. Im Häßloch, so Obhof, hat zur römischen Siedlungszeit ein Vicus, eine Siedlung mit kleinstädtischem Charakter, mitsamt einem kleinen römischen Heiligtum gestanden. Dort wurde der Hohlziegel gefunden, mit dem römische Häuser einst beheizt wurden. Auch ein Brennstempel aus dem späten 18. Jahrhundert wurde auf dem Schlossbuckel in Büchig gefunden. Alle diese Fundstücke befinden sich im Depot des Brettener Museums im Alten Rathaus. „Wir haben auch menschliche Knochen, die von einem alten Friedhof stammen“, sagt Obhof.

"Immer wünschenswert, dass Funde gemeldet werden"

Die Museumsleiterin hat sich beim Denkmalamt in Karlsruhe für den Bereich Bretten als ehrenamtliche Helferin gemeldet. „Ich finde es wichtig, dass es eine Ansprechpartnerin vor Ort gibt“, sagt sie. Allerdings sei sie in ihrer eineinhalb-jährigen Zeit dort noch nicht zum Einsatz gekommen. Auf Nachfrage gibt sie an, dass sie sich über die Meldung vom Fund des alten Knochens in der Brettener Weißhoferstraße (wir berichteten hier und hier) sehr freue. „Es ist immer wünschenswert, dass Funde gemeldet werden“, sagt sie. Gleichzeitig empfiehlt sie Findern, die nicht wüssten, wie sie die Denkmalpflege kontaktieren sollen oder sich dies nicht trauten, das gefundene Stücke zum nächstgelegenen Museum zu bringen. Dort könne ein Rat eingeholt werden, sagt Obhof. Auch weist sie darauf hin, dass jeder eine Meldepflicht bei Fundstücken, selbst aus dem eigenen Garten hat.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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