Die Dunkelziffer ist hoch - Neue Studie zu Ladendiebstählen

Die Diebstahlsicherungen zu entfernen macht aus einem Ladendiebstahl einen schweren Ladendiebstahl.
  • Die Diebstahlsicherungen zu entfernen macht aus einem Ladendiebstahl einen schweren Ladendiebstahl.
  • Foto: Pixabay, mgmguvenlik
  • hochgeladen von Wiebke Hagemann

Eine neue Studie bescheinigt dem Handel in Deutschland Millardenverluste durch Ladendiebstähle. Im Verantwortungsbereich des Polizeireviers Bretten sind die Fallzahlen im Deliktbereich Diebstal jedoch in fast allen Kommunen rückläufig. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch.

Bretten (wh) Vier Milliarden Euro gehen laut einer Studie des EHI, einem Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel, dem deutschen Einzelhandel in Deutschland durch Inventurdifferenzen jedes Jahr verloren. Mehr als 2,2 Milliarden Euro davon sollen auf das Konto von Ladendieben gehen. Der Rest wird Diebstählen durch Mitarbeiter, Lieferanten und Servicekräfte sowie Organisationsmängeln zugeschrieben.

Im Verantwortungsbereich des Polizeireviers Bretten seien die Zahlen für den Deliktbereich Diebstahl insgesamt in fast allen Gemeinden rückläufig, informiert Revierleiter Bernhard Brenner. Im Vergleich zu 2015 sanken die Fälle um mehr als zehn Prozent in 2016. Im Bereich der Ladendiebstähle zeigte sich in Bretten ein Rückgang von 140 auf 119 Fälle, während im Landkreis die Fallzahl leicht von 6915 auf 6952 stieg. Aber: Die Dunkelziffer ist hoch, auch weil viele Ladendiebstähle zunächst gar nicht bemerkt werden, zum Beispiel weil die Täter ausnutzen, dass sich die Verkäuferinnen und Verkäufer in einem Kundengespräch befinden oder weil das Personal bewusst von einem Täter abgelenkt wird.

Neue Methoden der Täter

Dies sei oft bei organisiertem Ladendiebstahl von Banden der Fall. Ein Viertel des Gesamtwertes der Verluste entfalle nach EHI-Schätzungen auf Bandendiebstähle und organisierte Kriminalität. Von ähnlichen Erfahrungen kann auch Emma Ott, Filialleiterin einer Parfüm- und Kosmetikkette in Bretten, berichten. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Einzelhandel und hat beobachtet, dass sich die Methoden der Ladendiebe im Laufe der Zeit verändert haben: „Die agieren richtig organisiert und durchdacht“. Während es früher mehr Einzeltäter gegeben habe, kämen nun oft Gruppen in die Geschäfte mit dem Ziel, das Verkaufspersonal abzulenken oder gar mit betrügerischen Methoden an Geld zu kommen. Sie bezahlen mit gefälschten EC-Karten hochpreisige Ware und wollen diese dann später umtauschen – gegen Bargeld. 2016 habe es auffällig viele dieser Betrugsversuche gegeben. Aber mit Schulungen durch die Polizei und verschiedenen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Rückbuchung auf die EC-Karte statt der Auszahlung von Bargeld, habe man die Täter abschrecken können. Kosmetik gehört zu den begehrtesten Diebesgütern, da die Artikel meist klein und doch hochpreisig sind. Auch Zigaretten stünden bei den Dieben hoch im Kurs, berichtet Brenner. Die Studie nennt zudem noch Elektronik und Markenbekleidung als oft von Ladendieben erbeutete Ware.

Andreas Drabek, Sprecher der Interessengemeinschaft Brettener Innenstadt, sieht das Thema Ladendiebstähle für Bretten als kein problematisches Thema an. Einen Grund dafür macht er in der hohen Personaldecke in den Geschäften der Brettener Innenstadt aus. „Das war schon immer der beste Diebstahlschutz“, meint Drabek, denn dadurch steige die Hemmschwelle für Ladendiebe.

Videoüberwachung in Läden empfohlen

Die EHI-Studie kommt noch zu einer weiteren Erkenntnis: Während die Zahl der einfachen Ladendiebstähle seit 1997 kontinuierlich gesunken sei, habe sich die der schweren Ladendiebstähle in den letzten neun Jahren fast verdreifacht. Das heißt, die Diebe verschaffen sich Zugang zu eingeschlossener Ware, zum Beispiel in Vitrinen, oder umgehen Sicherheitsvorvekehrungen. Auch Emma Ott hat den Eindruck, dass die Täter aggressiver vorgehen als früher. „Die Diebe, die heute unterwegs sind, sind viel gewaltbereiter“, sagt sie. Wird ein Täter an der Flucht gehindert, kann es vorkommen, dass er handgreiflich wird und zum Beispiel eine Verkäuferin wegstößt. Dann handelt es sich gar um einen räuberischen Diebstahl. Davon habe es im Verantwortungsbereich des Polizeireviers in den letzten Jahren nur Einzelfälle gegeben, führt Bernhard Brenner aus. Er rät trotzdem zu Videoüberwachung in den Läden. Diese könne der Aufklärung von Ladendiebstählen dienen sowie Aufschluss über die Methoden der Täter geben.

Autor:

Wiebke Hagemann aus Bretten

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