Ansturm auf FFP2-Masken in Apotheken / Einzelhändler müssen auf Weihnachtsgeschäft verzichten
Händler mit Verständnis für Lockdown

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Bretten (bea) Erst Teillockdown, dann Ausgangsbeschränkungen und kurz danach der komplette Lockdown mit weitgehenden Schließungen von Geschäften. Was das für Händler und Dienstleister in Bretten und der Region bedeutet, hat die Brettener Woche/kraichgau.news hinterfragt.
"Man steht unter Schock und weiß nicht, was man sagen soll", sagt Heike Böhm, Sprecherin der Interessengemeinschaft Brettener Innenstadt (IGBI) und Geschäftsführerin des Modegeschäfts Formvollendet. Man sei es nicht gewohnt, kurz vor Weihnachten schließen zu müssen. Am Montag hätten noch einige Stammkunden die Chance genutzt, um bei ihr einzukaufen, doch der Dienstag sei schon wieder etwas ruhiger verlaufen. "Ich rechne mal damit, dass wir Ende Januar wieder öffnen dürfen." Dann sei es sowieso grundsätzlich etwas ruhiger. Es bringe jedoch nichts, so Böhm, wenn die Geschäfte schnell wieder öffnen dürften und dann im März erneut schließen müssten, denn dann gehe die neue Saison los. "Das wäre dramatisch", sagt sie. Aber man müsse mit allem rechnen. "Das Virus wird uns noch im nächsten Jahr auf Trab halten." Daher müsse sie sehen, was sie über ihren Service retten könne.

Kleine Weihnachtsgeschenke vor dem Lockdown

In den letzten Stunden vor dem zweiten Lockdown hat auch Silvia Bott von Mode Michel noch die Kunden bedient, die vereinzelt hereingekommen sind. In der Modebranche sei jetzt nicht viel los, sagt sie. Das sei aber bereits eine ganze Zeit lang so. "Sehr ergreifend" fand sie jedoch, dass Stammkunden vor dem Lockdown noch Plätzchen, kleine Geschenke und Sekt vorbeigebracht hätten. Dennoch sei es besser, jetzt sämtliche Geschäfte "knallhart" zu schließen, "dann sind wir hoffentlich schneller wieder da." Zwar sei sie eine große Optimistin, doch gehe auch sie nicht von einer Öffnung vor Ende Januar aus. "Schön wäre es, wenn wir ab 1. Februar wieder öffnen könnten."

Im Baumarkt ist "die Hölle los"

Im Gegensatz zum Mode-Einzelhandel ist beim Wertheimer-Baumarkt in Bretten in den Tagen vor dem Lockdown "die Hölle los", wie Marktleiterin Melanie Jankowski berichtet. Sie hoffe, dass die Baumärkte vor anderen Branchen wieder öffnen könnten, da diese auch Brennstoffe und Streusalz verkaufen würden. "Das werden die Supermärkte nicht abdecken können." Doch über die Internetseite könnten sich Kunden die benötigten Waren liefern lassen. Auch die Haushaltswarengeschäfte von Yvonne Nüssle in Bretten und Göbrichen müssen mitten im Hochgeschäft schließen. "Schlechter kann der Zeitpunkt gar nicht sein", sagt sie. Zwar hoffe auch sie, dass die Fallzahlen schnell sinken, doch wäre für sie ein Lockdown Anfang November besser gewesen. Dennoch sei auch bei ihr mehr los, da viele Kunden "noch schnell" etwas einkaufen wollten. "Ich hoffe ganz schwer, dass wir am 11. Januar wieder aufmachen können", und "über etwas anderes will ich gar nicht nachdenken", sagt sie.

Lockdown "zum Wohle der Menschen"

Vor Kurzem erst sei der Verkauf im neuen Blickfang in Oberderdingen gut angelaufen, sagt Geschäftsführer Achim Hofsäß. Doch sein Café habe er noch nicht betreiben dürfen. Auch sei es für die neuen Mitarbeiter schade, die er in Oberderdingen eingestellt habe. Diese würden nun mit Kurzarbeitergeld zurechtkommen müssen. Doch der Lockdown werde zum "Wohle der Menschen" umgesetzt. Außerdem könne man ohnehin nichts ändern. Da auch er nicht mit einer Öffnung im Januar rechnet, hofft er, dass er seine Ladentür für Kunden wieder im Februar aufschließen kann.

Sonderschichten beim Frisör

Geschäftsführerin und Frisörin Jennifer Billeb vom Salon Haarvariation in Bretten erwartet für ihren Frisörsalon hohe Umsatzeinbußen. "Seit ich 15 Jahre alt bin, habe ich zwischen Weihnachten und Neujahr nicht mehr freigehabt, denn es ist eine der umsatzstärksten Zeiten im Jahr." Um ihre Kundentermine so gut wie möglich abzuarbeiten, habe sie mit ihren Kolleginnen seit Samstag Sonderschichten eingelegt. Doch von einer Öffnung am 11. Januar geht sie nicht aus: "Ich hoffe es wird Ende Januar und nicht noch länger dauern." Das bedeute für sie und ihre Mitarbeiterinnen eine schwere Zeit. Ihren Vermieter werde sie ansprechen und um eine Mietminderung bitten. Während des Lockdowns im Frühjahr habe eine ihrer Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit Hartz IV beantragen müssen. Dabei habe die Alleinerziehende bei einem Brettener Supermarkt auch Regale eingeräumt.

"Run" auf FFP2-Masken

Im Drive-In Schalter der VitalWelt Apotheke in Bretten gab es ebenfalls einen großen Ansturm. Der Grund: Die Ausgabe der kostenlosen FFP2-Masken für Risikogruppen. "Viele haben Angst, dass sie keine Maske mehr bekommen", sagt Franziska Bieringer von der VitalWelt Apotheke. Zwar sei am Vormittag die Schlange nicht länger als zehn Personen gewesen, doch kämen die Kunden stetig, um sich die drei Masken abzuholen. Im Gegenzug muss ein Formblatt ausgefüllt werden, auf dem versichert wird, dass "das Geschenk" nur einmal in Anspruch genommen wird. Die Beschaffung der FFP2-Masken hätte einen erheblichen Aufwand für die Apotheken verursacht, so Bieringer. "Wir haben gut vorgesorgt, müssen jedoch in die Nachbestellung gehen. Das bedeutet mal einen Tagesverzug oder kurzfristige Lieferlücken, wir werden jedoch die Bevölkerung stabil weiter versorgen können."

"Wir werden überrollt"

"Wir werden überrollt", hieß es auch aus der Hubertus Apotheke in Kürnbach. Die Leute stünden Schlange, sagt Apothekerin Anne-Kathrin Staudt. Dabei nahm sie Vorbestellungen an, um einen permanenten Ansturm zu vermeiden. Doch im Nachbarort waren Masken ausgegangen. "Gut, dass ich vorgesorgt habe", sagt Staudt.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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