Geht uns bald der Sand aus?
Professor Dr. Christoph Hilgers referiert beim CDU-Stammtisch über Rohstoffverfügbarkeit

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Im gut besetzten Vortragsraum konnte die Stadtverbandsvorsitzende Waltraud Günther-Best interessierte Mitglieder und Gäste im Clubhaus des FC Neibsheim begrüßen.
Professor Hilgers, Institutsleiter Strukturgeologie und Tektonik am KIT, lieferte im Laufe seines Vortrags globale und regionale Aspekte. Mit „gehen uns bald die Rohstoffe aus?“ benennt er zu Beginn die heimischen Rohstoffe Sand, Kalkstein und Gips als neuralgische Punkte. Aber auch interessantes Hintergrundwissen zu anderen Rohstoffkrisen wie Erdöl und seltene Erden hatte Hilgers parat, der mit seinen Mitarbeitern weltweit unterwegs ist auf der Suche nach Rohstoffquellen. Sand, nicht nur notwendig zum Bauen, auch bei der Herstellung von Glas, Mikrochips, Zahnpasta und in der Pharmazie gehe es nicht ohne. Dabei sei Sand eben nicht gleich Sand! Wüstensand, weltweit reichlich vorhanden, sei wegen seiner Struktur nicht zu gebrauchen; Meeressand auch nur bedingt wegen der anhaftenden Salze. Dennoch weiß man weltweit von Sanddiebstahl in großem Stil an den Meeresküsten. Flusssand sei gut geeignet fürs Bauen. Für Hightec-Produkte brauche man auch Hightec-Rohstoffe, also für die Glasfaserherstellung den hochwertigen Quarzsand. Deutschland sei durchaus nicht rohstoffarm, allerdings sei der Verfügbarkeit durch Gesetze, Bebauung, Landwirtschaft und Naturschutz Grenzen gesetzt. Gewinnung und Abbau von Sand und Kies sei deshalb in Baden-Württemberg nur in geringen Umfang möglich und ein Mangel im Raum Karlsruhe-Mannheim absehbar, obwohl der Rohstoff ausrechend verfügbar sei. Gleiches gelte für die Karbonate, die für die Zementherstellung - bei uns vor der Haustür, -in Wössingen gewonnen werden.
Ein interessanter Gedankengang zum aktuell heftig diskutierten Kohleausstieg: Mit der Schwerindustrie im Ruhrgebiet (Eisenbearbeitung mittels energiedichter Kohle) habe seit dem Mittelalter ein Aufschwung begonnen, der bis heute für Arbeit und Wohlstand sorge. Nun werde Kohle und die Schwerindustrie verschwinden, wodurch in der Folge bestimmte Recyclingprozesse nicht mehr möglich sein werden und Rohstoffe fehlen. Beispielsweise wird bei Einstellung der Kohleverstromung der anfallende Gips aus der Rauchgasentschwefelung für die Bauindustrie und den Zementwerkender Hüttensand der Stahlwerke fehlen. Es müssten dann neue Gips-Steinbrüche erschlossen und Ersatzstoffe gefunden werden. Mit der Behebung eines Umweltproblems (CO2-Ausstoß) habe sich somit ein anderes, neu zu lösendes Problem ergeben.
Auch zur Recyclingthematik gab es für die Zuhörer neue Denkanstöße: die modernen Werkstoffe sind hochkomplex, aus vielen Elementen des Periodensystems zusammengesetzt. Damit wird das Zerlegen in die Einzelbestandteile schwierig. Man müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass durch Recycling nur ein Teil der Rohstoffe zurückgewonnen werden könne. Deshalb werde die Zufuhr neuer Rohstoffe im Produktionskreislauf immer erforderlich sein.
In seinem Vortrag schlug Professor Hilgers einen Bogen vom Jahre 0 der Menschheit bis heute, zeigte internationale, geopolitische Zusammenhänge auf, auch die weltweiten Aktivitäten Chinas und möglich Folgen für Rohstoffverfügbarkeit und Rohstoffkosten. Er stellte u.a. fest, dass erst mit den technologischen Erfindungen wie der Dampfmaschine (1721) die Bevölkerungszahl enorm anstieg und seit seiner Geburt sich die Weltbevölkerung bereits verdoppelt habe. Damit erklärte sich auch der höhere Rohstoffbedarf der Welt. Bemerkenswert sei jedoch, dass der Pro-Kopf-Bedarf an Biomasse und fossiler Energie eher sinke, was auf die bessere technologische Auswertung der Ressourcen zurückzuführen sei. Festzustellen sei auch, dass der Wohlstand schneller steige als die Weltbevölkerung, was schon mal ein gutes Zeichen für die Zukunft sei. Dennoch sei die große Herausforderung für die Zukunft, dass Industrie, Forschung und Politik klug zusammenarbeiteten. Wir müssen uns gut informieren und unsere kreative Freiheit nutzen, war ein Fazit, das Christoph Hilgers am Ende seines Vortrags formulierte.
Die Vorsitzende Waltraud Günther-Best beschloss den Abend mit einem herzlichen Dank an den CDU-Gemeinderatskandidaten Prof. Dr. Christoph Hilgers nach einer angeregten Diskussion zum Vortrag.

Autor:

Ute Thumm aus Bretten

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