Enkelin von deportiertem Juden besucht Kraichtal

Suzie Mould (Dritte von links) gemeinsam mit ihrem Ehemann und Begleitung sowie „Gastgeber“ Alfred Richter, Bürgermeister-Stellvertreter (Zweiter von links), vor dem Torwächterhaus in Münzesheim.
  • Suzie Mould (Dritte von links) gemeinsam mit ihrem Ehemann und Begleitung sowie „Gastgeber“ Alfred Richter, Bürgermeister-Stellvertreter (Zweiter von links), vor dem Torwächterhaus in Münzesheim.
  • Foto: Stadt Kraichtal, Stadtmarketing
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Die Enkelin des Münzesheimer Juden Hermann Durlacher war zu Gast im Heimatort ihres Großvaters. Sie besuchte dort auch die Wanderausstellung „Dem Vergessen entrissen“ im Torwächterhaus, die anlässlich der Veranstaltungsreihe „Jüdische Wochen in Kraichtal“ zu sehen ist.

Kraichtal (sn) An die Geschichte und Kultur der Juden in der Region erinnert aktuell die Veranstaltungsreihe „Jüdische Wochen in Kraichtal“, die der Heimat- und Museumsverein Kraichtal gemeinsam mit dem Verein Jüdisches Leben Kraichgau initiier hat. Teil dieser Veranstaltungsreihe ist auch eine Ausstellung im Torwächterhaus Münzesheim mit dem Titel „Dem Vergessen entrissen“. Eine Texttafel dieser Ausstellung trägt dabei die Überschrift: Hermann Durlacher – das Schicksal eines Münzesheimer Juden“. Die Enkelin von Hermann Durlacher hat jetzt die Gemeinde und den Kraichtaler Stadtteil Münzesheim besucht.

Besonderer Besuch aus Birmingham

Aus Birmingham war Suzie Mould dabei ins beschauliche Münzesheim gereist. Nach der offiziellen Begrüßung durch Bürgermeister-Stellvertreter Alfred Richter nahmen Roswitha Müller, Heimat- und Museumsverein Kraichtal, Pfarrer Horst Nasarek und Bernard Zimmermann , der auch den Vortrag „Jüdisches Leben in zwei Generationen am 7. Juni in Münzesheim hält, ihren Gast mit auf eine Reise durch das Fachwerkdorf. Besichtigt wurden auch die beiden Häuser, die früher den Familien Durlacher gehört haben. Abschließend besuchte man noch die Ausstellung im Torwächterhaus, bevor Mould mit „vielen beeindruckenden Begegnungen und Erlebnissen im Gepäck“ die Heimreise antrat.

Die Lebensgeschichte eines Münzesheimer Juden

Ihr Großvater Hermann Durlacher studierte nach Abschluss der Schule am Lehrerseminar Heidelberg und war seit 1912 als Lehrer tätig. Im ersten Weltkrieg wurde er als Frontsoldat eingesetzt und 1918 als Unterleutnant der Reserve entlassen. Er leitete die Heidelberger Sektion des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, dessen Ziel es vor allem war, die Verbundenheit der Juden mit ihrer deutschen Heimat zu demonstrieren. Nach dem Krieg war Durlacher Lehrer an der damaligen Hindenburgschule in der Heidelberger Plöck. 1923 heiratete er Marta Fischer. Dem Ehepaar wurden die beiden Söhne Walter Julius und Ludwig geboren. Die Familie lebte in der Heidelberger Altstadt. Nach der Machtergreifung durch die NSDAP 1933 wird Durlacher vom Schuldienst beurlaubt, unterrichtete jedoch weiterhin die jüdischen Schüler an der Pestalozzischule Heidelberg. Während der Pogromnacht auf den 10. November 1938 wird das Klassenzimmer von der SA zerstört, Schüler und Lehrer dürfen nicht in die Schule zurückkehren. Durlacher wird festgenommen und am Abend ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Als er am 10. Januar 1939 zurückkehrt, nimmt er den Unterricht in einem Privathaus wieder auf. Während die beiden Söhne mit einem Kindertransport 1939 nach England gelangen, werden Marta und Hermann Durlacher im Oktober 1940 verschleppt, voneinander getrennt und später in Auschwitz ermordet.

Weitere berührende Lebens-Geschichten gibt es in der Ausstellung im Münzesheimer Torwächterhaus, geöffnet bis 17. Juli, jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr, zu sehen. Für Gruppen und Schulklassen sind Führungen nach Vereinbarung möglich.

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Kraichgau News aus Bretten

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