In Bretten Zuhause: Wer hilft, bevor der Rettungsdienst da ist?

Ute und Frank Bornhäußer sind ehrenamtliche Helfer der örtlichen Rotkreuz-Bereitschaft.
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  • Ute und Frank Bornhäußer sind ehrenamtliche Helfer der örtlichen Rotkreuz-Bereitschaft.
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Familie Bornhäußer aus Rinklingen engagiert sich in der Notfallhilfe.

Bretten (hk) Es sind drei wichtige Minuten, vielleicht sogar die wichtigsten Minuten im Leben eines Menschen, der einen schwerwiegenden Unfall erleidet oder sich in einer Notlage befindet: Je nach Notfall (Herzinfarkt, Lungenembolie, Herz-Kreislauf-Stillstand) können bereits wenige Minuten lebensrettend sein. Nach nur etwa drei Minuten ohne Sauerstoff trägt das Gehirn bleibende Schäden davon, ab vier Minuten sinken die Überlebenschancen je Minute um zehn Prozent. Bis der Rettungsdienst nach 10 bis 15 Minuten eintrifft, geht wertvolle Zeit verloren. Wer hilft, bevor der Rettungsdienst da ist?

Ehrenamtliche Helfer der örtlichen Rotkreuz-Bereitschaft

„Wir waren in einem Restaurant. Gerade als das Essen auf den Tisch kam, ging der Piepser los“, erinnern sich Ute und Frank Bornhäußer. Wenige Minuten später sind die beiden Rinklinger am Ort des Geschehens und leisten lebensrettende und gesundheitserhaltende Maßnahmen noch vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes. Ute und Frank Bornhäußer sind ehrenamtliche Helfer der örtlichen Rotkreuz-Bereitschaft.

80 bis 120 Einsätzen im Jahr

Die 46-jährige Pfarramtssekretärin und der 49-Jährige, der hauptamtlich als Notfallsanitäter arbeitet, haben schon als Jugendliche ihr Interesse an der Notfallhilfe entdeckt. Überhaupt zieht sich die Notfallhilfe wie ein roter Faden durch das Leben der Familie. Die große Tochter sei gerade dabei, eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin zu machen, während die mittlere Tochter in den Schul-Sanitätsdienst reinschnuppere und der Sohn bei der Jugendfeuerwehr aktiv ist, erzählen die stolzen Eltern. Zu viert erhält die Familie die Rinklinger Notfallhilfe am Leben. Zu 80 bis 120 Einsätzen im Jahr werden sie alarmiert.

Unterstützung durch „Nicole häkelt“

Die Idee von einer Notfallhilfe in Rinklingen begann 2003 zu sprießen, woraufhin man das Gespräch mit dem örtlichen Deutschen Roten Kreuz gesucht habe: „Wir haben uns mit dem DRK-Ortsverein Rinklingen zusammengesetzt und wurden mit offenen Armen empfangen“, berichtet Frank Bornhäußer. Als Zeichen der Unterstützung erhielt das Ehepaar ein Defibrillator und weiteres Material für die Ausstattung. Unterstützt werden sie auch von Außenstehenden, zum Beispiel vom Neulinger Projekt „Nicole häkelt“ (siehe Bild). Die kleinen Häkel-Figürchen dienen dazu, an Notfällen beteiligten Kindern die Angst durch Beschäftigung zu nehmen. Finanziert wird die ehrenamtliche Arbeit der Notfallhelfer zum Teil von der Stadt, über Mitglieder des DRK und über Spenden.

„Bitten Hilfesuchende darum, trotzdem die 112 anzurufen“

Sobald ein Notruf bei der Leitstelle abgesetzt wird, wird erst dort entschieden, wann die Notfallhelfer alarmiert werden – und wie es der Name schon sagt, nur bei Notfällen. Die Familie sei in Rinklingen aber inzwischen so bekannt, dass auch ab und zu unter der privaten Nummer Hilfe angefordert wird. „Wir bitten Hilfesuchende darum, trotzdem parallel die 112 anzurufen“, betont der Familienvater, „falls wir nicht zuhause sind.“

„Wir können nicht heilen“

Die Leitstelle zu informieren ist aber auch in anderer Hinsicht lebenswichtig: „Wir können nicht heilen. Als Notfallhelfer leiten wir die ersten Maßnahmen ein und überbrücken die Zeit, bis der Rettungsdienst da ist“, unterstreicht Frank Bornhäußer. Aber trotzdem fühlt sich das Ehepaar gestärkt durch das Vertrauen, das ihnen von den Dorfbewohnern entgegengebracht wird. „Einmal waren wir wieder bei einer älteren Dame“, erinnert sich Ute Bornhäußer. Kurz bevor die Dame entschlafen ist, stellte sie die Frage „Herr Bornhäußer, sind Sie es?“. „In dem Moment wusste sie, sie ist in guten Händen, bevor sie loslassen konnte“, ist sich Ute Bornhäußer sicher.

Unterstützung durch andere Notfalllhelfer

Die ehrenamtliche Ausübung der Notfallhilfe erfordert Empathie, aber auch bestimmte formale Voraussetzungen: Mitgliedschaft beim DRK und die Identifikation mit dessen Grundsätzen; eine Grundausbildung – dazu gehören beispielsweise ein Sanitäts- und Reanimationskurs – und weitere Fortbildungen. „Man muss halbwegs auf dem neuesten, medizinischen Stand sein“, erklärt Frank Bornhäußer. Man könne sich aber in jedem Fall auf die Unterstützung anderer Notfallhelfer sicher sein: „Notfallhelfer fahren nie alleine zu Einsätzen.“

Der Einsatz lohnt sich

Wichtig ist es auch, Ruhe bewahren zu können. „Selbst mit Blaulicht schaffen wir es nicht immer so schnell wie gewünscht anzukommen“, sagt Ute Bornhäußer. Doch es lohnt sich: An eine erfolgreiche Wiederbelebung in Rinklingen erinnert sich das Ehepaar gerne. „Da ist alles optimal gelaufen“, sagen sie mit einem Lachen. Auch kleinere Erfolgserlebnisse gehören zum Alltag der Notfallhelfer, wie zum Beispiel ein Einsatz bei einer älteren Dame, bei der Blut gestillt werden musste. Später bedankte sie sich bei der Familie mit frischen Eiern.

Mehr Beiträge und Bilder auf unserer Themenseite In Bretten Zuhause.

Ute und Frank Bornhäußer sind ehrenamtliche Helfer der örtlichen Rotkreuz-Bereitschaft.
Unterstützt werden sie auch von Außenstehenden, zum Beispiel vom Neulinger Projekt „Nicole häkelt“.
Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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