DAF fordert Stadt Bretten zu mehr Initiative in der Kinder- und Jugendarbeit auf
Konkrete Projekte für Kinder in Bretten gefordert

Der Internationale Freundeskreis Bretten (DAF) ruft die Stadt dazu auf, konkrete Projekte für Kinder und Jugendliche zu unterstützen.
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  • hochgeladen von Katrin Gerweck

Bretten (ger) Kinder und Jugendliche haben keine Lobby. Dieser Eindruck hat sich in den vergangenen 15 Monaten, in denen die Pandemie unser aller Leben bestimmt, noch verstärkt. Den Beteuerungen aus der Politik zum Trotz, dass Schulen und Kitas offenbleiben müssen, waren es auch im zweiten Lockdown wieder die Kinder und Jugendlichen, die die größten Eingriffe in ihrem Alltag erfahren mussten. Bei steigenden Inzidenzen schlossen nicht nur Bildungseinrichtungen, auch Vereins- und Gruppenarbeiten wurden weitestgehend eingestellt.

Bewegungsmangel, zu viel Medienkonsum und psychische Beeinträchtigungen

In Bretten hat der DAF, Internationaler Freundeskreis Bretten, nun den Blick auf diesen Personenkreis gelenkt. Unter der Überschrift „Was brauchen Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien nach Corona?“ hat der Kreis eine Umfrage unter zahlreichen Akteuren der Kinder- und Jugendarbeit in der Melanchthonstadt durchgeführt. Kindergarten-Leitungen, Elternmentorinnen, Schulsozialarbeiter, Integrationsbeauftragte, Familienbetreuerinnen, der Jugendhausleiter und der ehrenamtliche Jugendschutzbeauftragte haben einen ernüchternden Befund erstellt, der wohlgemerkt nicht nur auf Kinder und Jugendliche in zugewanderten Familien zutrifft.
Nach über einem Jahr Ausnahmezustand sind bei vielen Kindern und Jugendlichen Bewegungsmangel, überhöhter Medienkonsum und fehlende soziale Kontakte und Freundschaften zu beobachten. Auch von schwindendem Selbstwertgefühl, Angstzuständen, psychosozialen Entwicklungsstörungen und Abschottungstendenzen, selbst innerhalb der Familien, berichteten die Fachleute, ganz zu schweigen von erheblichen Lernrückständen, die bei manchen Heranwachsenden auch in einer Unerreichbarkeit für die Schulen gipfeln.

"Geldmittel kommen jetzt"

Der DAF fordert die Stadt Bretten in seinem Schreiben auf, als Schaltstelle zwischen haupt- und ehrenamtlichen Akteuren, Schulen, Kitas, Vereinen und Beratungsinstitutionen zu fungieren – auch im Hinblick auf Fördergelder von Bund und Land, die für Kinder und Jugendliche zum Ausgleich der durch Corona erlittenen Nachteile zur Verfügung gestellt werden. Der DAF-Vorsitzende Gerhard Junge-Lampart berichtet auf Nachfrage der Brettener Woche/kraichgau.news, dass bereits ein ausführliches Gespräch mit Bürgermeister Michael Nöltner sowie den beiden Integrationsbeauftragten der Stadt Bernhard Strauß und Katja Klotz stattgefunden habe. „Wir sind durchaus auf offene Ohren gestoßen. Aber was konkret gemacht wird, wurde nicht festgelegt“, umreißt Junge-Lampart den aktuellen Stand. „Aber die Geldmittel von Bund und Land kommen jetzt, dafür müssen Projekte und Konzepte bald da sein. Für die Stadt Bretten wäre das auch ein Gewinn, sie könnte sich damit schmücken.“

Unterstützungsangebote sollten bei Verwaltung zusammenlaufen

Die Stadt werde von Betroffenen nicht als Ansprechpartner wahrgenommen. Stattdessen bekomme der DAF Anrufe von Lehrkräften und Eltern, die auf der Suche nach Nachhilfe oder anderer Unterstützung für die Kinder sind. „Wir sind ja nur eine Handvoll Menschen. Gerne übernehmen wir Lesepatenschaften, aber es wäre dringend nötig, dass die Unterstützungsangebote irgendwo zusammenlaufen“, appelliert Junge-Lampart an die Stadtverwaltung. Ein Vorwurf, der von Akteuren aus der Sozialarbeit hinter vorgehaltener Hand gegenüber der Stadt gemacht wird: Immer wieder gibt es bei runden Tischen oder Projektgesprächen Versprechungen der Stadt, mehr für Familien, Kinder und Jugendliche zu tun, die dann aber im Sande verlaufen.

Seit 2004 kein Sozialamt mehr in Bretten

„Wir sehen sehr wohl, dass jetzt der Blick auf die Kinder notwendig ist“, widerspricht Bürgermeister Michael Nöltner. Vieles in dieser Hinsicht sei in den letzten Monaten wegen der Pandemie nur rudimentär gewesen, die aufsuchende Sozialarbeit sei zum Beispiel schlichtweg nicht möglich gewesen. Das Förderprogramm des Bundesbildungs- und des Bundesfamilienministeriums „Aufholen nach Corona“ mit einem Umfang von 2 Milliarden Euro soll genau an den Defiziten ansetzen. Bisher lägen dazu allerdings noch keine Ausführungsbestimmungen für die Kommunen vor. Seit unter dem damaligen Oberbürgermeister Paul Metzger 2004 das Sozialamt in Bretten aufgelöst und die Zuständigkeit zurück an den Landkreis delegiert wurde, sei man einerseits personell leider nicht optimal aufgestellt, andererseits gebe es auch eine Schnittstellen-Problematik, wofür der Landkreis und wofür die Stadtverwaltung zuständig seien. „Wir versuchen Stück für Stück mit dem Amt Kultur und Bildung sowie dem Ordnungsamt, in dem die Integrationsmanager angesiedelt sind, das aufzufangen.“ Eine Überlegung wäre auch, während des Förderprogramms die Manpower noch mit einer FSJ-Kraft aufzustocken.

Schulsozialarbeit aufstocken

Im Bereich Schulsozialarbeit stehe man in Bretten gut da und wolle sich noch besser positionieren. „Unabhängig von dem Förderprogramm empfehlen wir dem Gemeinderat eine zusätzliche 75 Prozent-Stelle Schulsozialarbeit für die Grundschulen. Der Ausschuss Erziehung und Bildung hat hierzu am 11. Mai einen Empfehlungsbeschluss gefasst. Damit wären alle Schularten in Bretten mit Schulsozialarbeit abgedeckt“, so Nöltner.

Angebote im Jugendhaus laufen wieder an

Auch das Jugendhaus der AWO, das die Stadt alljährlich mit 230.000 Euro finanziert, startet nun wieder mit seinen Angeboten. Jugendhausleiter Hartmut Baumgärtner begrüßt, dass allmählich wieder Leben einkehrt. Reduziert habe man wieder geöffnet mit zwei festen Gruppen, die sich nicht mischten und für die die AHA-Regeln gälten. Da das Jugendhaus in den letzten Monaten keine Angebote habe machen können, habe man noch genügend Geld vom Etat zur Verfügung und sei gar nicht auf Fördergelder angewiesen. Die Zusammenarbeit mit der Stadt bewerte das AWO-Team durchweg positiv. „Oberbürgermeister Martin Wolff hat sich bei uns erkundigt, wie es läuft, und auch Herr Strauß ist immer ansprechbar für uns.“ Gerne kooperiere man auch mit dem DAF. „Es geht jetzt einfach um alle Jugendliche, die einfach froh sind, wenn wieder Alltag herrscht.“

Schwimmkurse geplant

Konkret habe es, so Nöltner, schon Gespräche mit dem TV Bretten und den Stadtwerken gegeben, um verstärkt Schwimmkurse anzubieten, die coronabedingt nicht stattfinden konnten. Neben der Badewelt, die seit letzter Woche ja auch für die Öffentlichkeit wieder zugänglich ist, habe man daher ausschließlich für Schwimmkurse das Diedelsheimer Bad geöffnet. Außerdem arbeite die Stadt mit Hochdruck am Sommerferienprogramm, das auch Angebote in vom DAF angesprochenen Bereichen bieten soll. Man wolle für weitere Angebote auch auf andere Vereine und Naturschutzverbände zugehen. Auch der Brettener Kinderpass halte attraktive Angebote bereit. Nach Corona visiere man die Fortführung des Runden Tischs für Integration an und eine Standortanalyse. Lobend erwähnt Nöltner auch das Emoji-Projekt des Diakonischen Werks, das mit verschiedenen Angeboten Migrationsfamilien stärken möchte. Birgit Eisenhuth-Meister, die Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, freut sich über das Lob. Sie merkt aber auch an, dass die Diakonie für zwei Gruppenprojekte in den Pfingstferien, die coronabedingt in Räumen der VHS und des Jugendhauses stattgefunden haben, Miete an die Stadt Bretten habe zahlen müssen.

Autor:

Katrin Gerweck aus Bretten

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