"Gewinnung von Pflegekräften ist eine der größten Herausforderungen" - Interview mit Armin Schulz, Geschäftsführer des Brettener Pflegedienstes Schulz

Der Geschäftsführer des Brettener Pflegedienstes Schulz, Armin Schulz.

Der Geschäftsführer des Brettener Pflegedienstes Schulz, Armin Schulz, spricht im Interview mit der Brettener Woche über die Herausforderungen der Pflege und über die Überlastung von angestellten Pflegekräften. Thema ist auch die Diskussion um die katholische Altenhilfe in Bretten.

Bretten (sw) Herr Schulz, Was sind die aktuellen Herausforderungen in der Pflege?
Der Demografische Wandel ist in allen Bereichen deutlich spürbar. In den Pflegeheimen liegen immer mehr schwerstpflegebedürftige Menschen, in der ambulanten Versorgung ist es der Wunsch vielertrotz Krankheit und Pflegebedürftigkeit so lange als möglich zu Hause  zu bleiben. Um diese Versorgung sicherzustellen werden in allen Bereichen händeringend Pflegekräfte gesucht. Für uns stellt sich in der Zukunft nicht die Frage, wen wir pflegen, sondern wer die Pflege übernimmt. Die Gewinnung dieser Pflegekräfte ist sicherlich eine der größten Herausforderungen für die Pflege. Auch politische Fehlentscheidungen wie die Einzelzimmerverordnung oder die Reform der Pflegeausbildung und die ständig ansteigende Bürokratie sind sicherlich nicht hilfreich, um den Pflegeberuf wieder attraktiv zu machen. Dies muss aber geschehen, da sonst das gesamte System und die VersorgungKranker und Pflegebedürftiger gefährdet sind.

Wie stellen Sie sich für diese Herausforderungen auf?
Da von Seiten der Politik nur wenighilfreiche Signale kommen und der Pflegeberuf leider in der Öffentlichkeit keinen besonders hohen Stellenwert hat, sind wir als Einrichtungen zu allererst selbst gefordert, die positiven Seiten des Berufes herauszustellen. Und da gibt es einiges: Pflege ist eine sehr verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Tätigkeit in einer zukunfts- und krisensicheren Branche. Die Arbeitsplätze werden weder ins billigere Ausland ausgelagert, noch ist zu befürchten, dass Computer oder Roboter diese Tätigkeiten übernehmen. Um uns auch in Zukunft der ständig steigenden Nachfrage nach unseren Dienstleitungen zu stellen, sind wir regelmäßig auf der Suche nach neuem  qualifiziertem Personal. Darüber hinaus bilden wir seit mehreren Jahren erfolgreich Altenpfleger und Altenpflegerinnen sowie Altenpflegehelfer und Altenpflegehelferinnen aus. Insbesondere mit Quereinsteigern haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht und konnten so neue Mitarbeiter weiterqualifizieren und dauerhaft an unser Unternehmen binden.

Werden Ihrer Meinung nach die Pflegedienstleistungen ausreichend honoriert?
In Anbetracht der Verantwortung und des Arbeitsdruckes, dem eine Pflegefachkraft dauerhaft ausgesetzt ist, ein klares Nein. Insbesondere, wenn man die Facharbeitervergütungen in der Industrie heranzieht. Hier muss es ein Umdenken in der Gesellschaft geben. Pflege erfordert von den Mitarbeitern ein hohes Maß an Kompetenz und Empathie. Die Zeiten, in denen solche Dienstleistungen mit einem „Gotteslohn“ beglichen wurden, sind doch lange vorbei. Wer hochwertige Pflege möchte, muss auch bereit sein, diese entsprechend zu honorieren. Auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel. Es muss doch selbstverständlich sein, dass das Honorar für einen Krankenpfleger oder eine Krankenschwester ausreicht, um eine Familie zu ernähren. Das ist heute leider noch in vielen Bereichen nicht sichergestellt.

Wie bereiten Sie sich auf den Fall vor, dass das Katholische Altenheim mit seiner Tagespflege geschlossen werden sollte?
Sicherlich ist es bedauerlich, wenn eine solch etablierte und alt eingesessene Einrichtung wie St. Laurentius, so wie es jetzt aussieht, den Betrieb einstellt. Hier sind doch sicherlich
schon in der Vergangenheit unternehmerische Fehler begangen worden, die von außen betrachtet eigentlich nicht hätten passieren dürfen. Auch die Diskussionen in der Öffentlichkeit und das Hin und Her im Gemeinderat fand ich teilweise schon ziemlich befremdlich. Für mich stellt sich dabei natürlich auch die Frage, ob Oberbürgermeister, Stadtverwaltung oder Gemeinderäte sich genauso energisch eingesetzt hätten, wenn es sich um eine private Pflegeeinrichtung gehandelt hätte. Wahrscheinlich nicht. Für die Patienten und Mitarbeiter von St. Laurentius besteht jetzt seit längerer Zeit ziemliche Unsicherheit, wie es weitergehen soll. Im Moment scheint es so, als würde weiter abgewickelt. Wir verzeichnen seit Ende des Jahres vermehrt Anfragen aus allen Bereichen. Unsere Tagespflege ist selbst vollständig ausgebucht, im Bereich Essen auf Rädern haben wir noch begrenzte Kapazitäten. Selbstverständlich versuchen wir, jeder Anfrage gerecht zu werden und mit Personalaufbau situationsgerecht zu reagieren. Wir stehen seit nunmehr fast zwanzig Jahren in Bretten für Kontinuität und Verlässlichkeit. Mittelfristig wird sich meiner Meinung nach aber die Situation in Bretten durch die vollständige Inbetriebnahme des evangelischen Pflegeheims und den Neubau des ASB an der Wilhelmstraße aber deutlich entspannen.

Wie beugen sie haus- beziehungsweise firmenintern einer Überlastung der bei Ihnen angestellten Pflegekräfte vor?
Wahrscheinlich gibt es hierfür kein Patentrezept. Die Anforderungen an das Personalmanagement haben sich in den letzten Jahren doch stark verändert. So ist es immens wichtig, die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter individuell soweit als möglich zu berücksichtigen. Es ist sicherlich eine große Herausforderung, unseren Mitarbeitern und unseren Patienten 365 Tage im Jahr weitestgehend gerecht zu werden. Und für unseren Betriebsablauf isteine zuverlässige und fachliche Versorgung unserer Pflegekunden durch effiziente und motivierte Pflegekräfte Grundlage unserer Arbeit. Dabei spielt vor allem die Dienstplanung eine zentrale Rolle. Wir achten dabei sehr auf die notwendigen Freizeiten, auch vermeiden wir in unserem Betrieb generell geteilte Dienste. Des Weiteren werden in vielen Bereichen, sei es in der direkten Pflege oder aber in der Dokumentation, moderne Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Somit ist es den Pflegekräften möglich, mehr Zeit direkt beim Patienten zu verbringen und durch Zuhilfenahme der Hilfsmittel auch körperliche Belastungen, die in der Pflege selbstverständlich nicht zu vermeiden sind, zu reduzieren. Insgesamt ist es eine Vielzahl von Maßnahmen, die wir einsetzen, um Überlastungen und Fehlzeiten unserer Mitarbeiter vorzubeugen.

Die Fragen stellte Redaktionsmitarbeiterin Sina Willimek.
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