Illegale Alttextilsammlung: Seriöse Container erkennt man an der Adresse

Ein Altkleidercontainer ohne Adresse liegt am Rande des Parkplatzes am Kraichgau Center.
 
Inhalt des auf der Seite liegenden Altkleidercontainers

Die meisten Leute wollen mit ihren Altkleiderspenden Gutes tun. Doch nicht alle Altkleidercontainer wurden legal von seriösen Unternehmen oder Organisationen aufgestellt. DRK- Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann erklärt, worauf man achten muss.

Kraichgau (wh) Illegal aufgestellte Altkleidersammelcontainer, die meist so schnell auftauchen, wie sie verschwinden, sind ein bundesweites Problem. Sie sind nicht nur unliebsame Konkurrenz für seriöse Unternehmen und gemeinnützige Organisatoren, sondern schaden auch dem Steuerzahler,denn die Wahrscheinlichkeit, dass die illegalen Kleidersammlungen auch am Fiskus vorbei getätigt werden, ist groß. Auch in Bretten und Umgebung kann man das Phänomen der plötzlich auftauchenden und wieder verschwindenden Container zeitweilig beobachten.

Eine Adresse oder Telefonnummer sucht man auf ihnen vergebens. „Das ist typisch für illegale Altkleidercontainer“, berichtet Jörg Biermann, Kreisgeschäftsführer des DRK Karlsruhe. Die Ortsgruppen des Deutschen Roten Kreuzes stellen selbst Altkleidercontainer auf und haben Erfahrung mit der unrechtmäßen Konkurrenz.

Wenig rechtliche Handhabe

Auch wenn nach Angaben der Unteren Abfallbehörde des Landratsamtes Karlsruhe die Blütezeit der illegalen Altkleidercontainer schon wieder vorbei isti, kann es durch Preisschwankungen am Markt durchaus zu einer neuen Welle kommen. Nämlich dann, wenn es sich finanziell wieder lohnt.

Die Sammler haben dabei leichtes Spiel, denn viel Handhabe gegen sie gibt es nicht. Zwar stellt die fehlende Angabe einer Kontaktadresse eine Ordnungswidrigkeit dar. Doch ist auch den Behörden meistens kein Verantwortlicher bekannt, dem ein Bußgeldbescheid zugestellt werden könnte.

Rechtswidrig ist eine Sammeltätigkeit ohne die entsprechende Anzeige bei den zuständigen Behörden. In Baden-Württemberg sind dies die Unteren Abfallbehörden der Stadt- und Landkreise. Diese prüfen, ob Genehmigungen für Sammlung und Transport vorliegen oder öffentliche Interessen durch die Sammlung beeinträchtigt werden. Nur in seltenen Fällen wird dann die Sammlung untersagt.

Ob ein ohne Kontaktdaten aufgestellter Container illegal Kleider sammelt, ist jedoch für den Otto-Normal-Verbraucher nicht ersichtlich. Manchmal gehören die Container auch zu Subunternehmen, die im Auftrag einer Firma arbeiten, die die Sammlung vorschriftsmäßig angezeigt hat. Welche Subunternehmen das sind, muss der Behörde jedoch nicht mitgeteilt werden.

Neben der Sammelanzeige muss auch eine Aufstellgenehmigung für die Container von Seiten des entsprechenden Grundstückseigentümers sein. Im öffentlichen Bereich ist dies die Gemeinde, aber es gibt auch private Flächen, wo gern Container aufgestellt werden, zum Beispiel Supermarktparkplätze. Hier ist nicht immer sicher, ob sich der Grundstückseigentümer vor Ausstellung der Genehmigung erkundigt hat, dass die Sammlung angezeigt wurde. Für die Entfernung von ohne Genehmigung aufgestellten Containern ist immer der Grundstückseigentümer verantwortlich.

Alttextilien spenden und helfen

Das effektivste Mittel, um das illegale Treiben zu unterbinden, ist es, die Altkleider nur bei seriösen Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen abzugeben. Damit kann man sogar noch Gutes tun. Wer in Container des DRK, der Diakonie oder Kolping wirft, unterstützt damit die soziale Arbeit dieser Hilfsorganisationen. „Wir verkaufen die Alttextilien und finanzieren mit dem Erlös die Ausrüstungsgegenstände der DRK-Ortsgruppen“, erklärt Biermann weiter.

Und noch einen Vorteil hat das Wegwerfen in legale Container: Dadurch, dass sie mit Adresse und Telefonnummer gekennzeichnet sind, gibt es einen Ansprechpartner, der versehentlich weggeworfene Kleidung, Autoschlüssel oder Geldbörsen wieder zurückgeben kann. „Das passiert öfter, als man denkt. Bei illegalen Containern sind diese Sachen dann verloren“, gibt Biermann zu bedenken.

Was passiert mit den gespendeten Textilien?

Während das DRK früher die Altkleider noch sortiert hat, gehen heute alle gesammelten Textilien in die Verwertung. Aus ihnen werden Isoliermatten oder Malervliese. Darum sollten in die Altkleidercontainer Textilien geworfen werden, die zur Entsorgung bestimmt und nicht mehr verwendet werden können.

Noch gut erhaltene Kleidung, Bettwäsche oder ähnliches kann bei den DRK-Geschäftsstellen oder zum Beispiel im W54 Kaufhaus in Bretten abgegeben werden. Von hier werden sie zum Beispiel über Kleiderkammern an Bedürftige verteilt. In regelmäßigen Abständen führen die Vereine auch Sammelaktionen durch, wobei man die Textilien nur noch an den Straßenrand stellen muss.

Dass man die Spenden im Altkleidercontainer nicht mehr sortiert, hat einen guten Grund: Immer öfter werden Abfall, benutzte Windeln oder verdreckte Textilien in die Sammelbehälter geworfen. So war schnell der gesamte Inhalt verdorben. Als eine ehrenamtliche Helferin beim Sortieren einmal in eine gebrauchte Spritze griff und sich dadurch eine Krankheit zuzog, war klar: „Das können wir Ehrenamtlichen nicht mehr zumuten“, erklärt Biermann.

Abgabestellen für Altkleider

Leider gibt es bisher wenige Möglichkeiten, seriöse Sammelcontainer in der Nähe zu finden. Sie kennen Standorte von Altkleiderabgabestellen und seriösen Containern im Kraichgau? Teilen Sie Ihr Wissen über den Kommentar-Bereich. Gemeinsam kann eine hilfreiche Standort-Liste erstellt werden.
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