Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative „Gegenwind Walzbachtal"
"Drei Millionen Euro an Ausgaben für ein Spielzeug?"

Walter Tromm, kommissarischer Leiter des Instituts für Thermische Energietechnik und Sicherheit am Karlsruher Institut für Technologie, wies darauf hin, dass Süddeutschland kein Gebiet für Windkraftanlagen sei.
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Walzbachtal (war) „Die Tiere brauchen uns nicht, aber wir brauchen sie. Wieviel Platz lassen wir den Tieren?“ Das war eine der provokanten Fragen der rund 150 Bürgerinnen und Bürger, die am vergangenen Samstag, 17. Oktober, an der Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative „Gegenwind Obergrombach-Helmsheim-Kraichgau Ortsgruppe Walzbachtal“ mit anschließendem Spaziergang zu den fünf geplanten Windkraftanlagen am Heuberg zwischen Weingarten und Walzbachtal teil genommen hatten. Die Frage stammte von Heike Hilz. Sie ist ehrenamtliche Naturschutzwartin im Naturschutzdienst. „Es ist ein Irrsinn, dass man hier oben auf dem Gebiet Bäume noch abholzt. Die Lösung liegt doch darin, dass man aufforsten sollte“, sagte sie. Außerdem schlug sie vor, auf allen öffentlichen Gebäuden Solarpanels zu errichten. Auf diese Aufforderung entgegnete Andrea Schwarz, Abgeordnete der Grünen im Landtag, dass die angesprochenen Bäume gefällt worden seien, weil deren herunter gefallene Äste mitunter vorbeilaufende Menschen gefährdet hätten.

"Drei Millionen Euro an Ausgaben für ein Spielzeug?"

„Der Klimawandel lässt uns keine Zeit mehr dafür, bis wir alle die Einsicht gewinnen, dass jeder bei sich selbst anfangen muss, etwas zu verändern. Wir leben in einer Überflussgesellschaft mit einem Zuviel an vielem, auch an zu viel Strom“, sagte Schwarz. Stattdessen schlug sie wiederum vor (wir berichteten), einen Mix aus erneuerbaren Energien zu wählen, um so eine gute Stromversorgung zu gewährleisten. Direkt angegriffen wurde die Abgeordnete der Grünen von Bernd Bechtold, Leiter der Dienstleistungsgruppe B.I.G. in Karlsruhe. Er appellierte an Schwarz, „sich auf die Hinterbeine zu stellen und sich bei Ministerpräsident Winfried Kretschmann dafür einzusetzen, dass die fünf Windkraftanlagen nicht gebaut werden. Das hat hier keinen Zweck, das hinzustellen, weil es hier nicht hingehört. Was sollen drei Millionen Euro an Ausgaben für ein Spielzeug, wenn der Wert der umliegenden Immobilien verloren geht?“, stellte er als Frage in den Raum. Er verwies zudem darauf, dass die Lärmbelastung von 40 Dezibel vergleichbar mit der einer neuen Tiefkühltruhe sei.

Lärmbelastung und Gefährdung der Arten

Die Lärmbelastung und der Infraschall, also die kreisförmige Ausbreitung des Schallpegels, ist eines der Hauptargumente der Bürger, weswegen sie verhindern möchten, dass die Windkraftanlagen wie vorgesehen von der Energie Baden-Württemberg (EnBW) gebaut werden. Immer wieder verwiesen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch auf negative Erfahrungen mit Windkraftanlagen in Straubenhardt. So wollen gerade die Mitglieder der Bürgerinitiative Gegenwind, allen voran deren Vorsitzende Christiane Berberich, das Gebiet rund um den Heuberg zwischen Weingarten und Walzbachtal als Rückzugsgebiet und Ort der Erholung erhalten. Als Vertreter der Wissenschaft wies Walter Tromm, kommissarischer Leiter des Instituts für Thermische Energietechnik und Sicherheit am Karlsruher Institut für Technologie, im persönlichen Gespräch vor der Veranstaltung darauf hin, dass es einen Windenergieatlas und Karten gebe, die zeigten, dass Süddeutschland kein Gebiet für Windkraftanlagen sei. So fehlten 80 Prozent Strom, wenn dieser allein durch Windkraft erzeugt werden würde, so Tromm.

Offshore-Anlagen als Lösung?

Weil das Land Baden-Württemberg zu klein sei, als dass dieser Ausfall ausgeglichen werden könnte, empfiehlt der Experte Offshore-Anlagen an küstenfernen Standorten oder solche in mittlerer Entfernung von der Küste, weil es dort die höheren Volllaststunden, also die Ausnutzung der Windenergieanlage, gibt. „Die EnBW investiert in Offshore-schwimmende Anlagen weit ab von der Küste. Das könnte der Game Changer sein. Mit diesen Offshore-Anlagen könnte man tatsächlich die Energiewende starten“, so der Experte. Er verwies außerdem auf eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zu den Wechselwirkungen von Fluginsekten und Windparks, die besage, dass schätzungsweise 1.200 Tonnen Insekten im Jahr in Deutschland von Windkraftanlagen angezogen und getötet würden. Heruntergerechnet auf die fünf Anlagen wären das rund 300 Kilogramm im Jahr.

Ungenügende Versorgung?

Siegfried Vogt, Meteorologe im Ruhestand,  gab den Zuhörerinnen und Zuhörerinnen zudem „Nachhilfe“ darin, dass die geplanten Windkraftanlagen nicht nur zu den höchsten Bauwerken in Baden-Württemberg gehörten, sondern mitnichten, wie von Politik und EnBW behauptet, genügend Haushalte versorgen würden. Bei 3.500 Haushalten nur in Jöhlingen, aber nur im Jahresdrittel gerechnet, würden bei einer Generatorenleistung von 3,5 Megawatt ein halbes Jahr lang gerade mal 50 Haushalte versorgt werden, stellte er fest.

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Kraichgau News aus Bretten

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