Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg schlagen Alarm
Klimanotstand für den Schlossgarten Schwetzingen ausgerufen

Die Pracht des Schlossgartens Schwetzingen ist in Gefahr.
  • Die Pracht des Schlossgartens Schwetzingen ist in Gefahr.
  • Foto: SSG/Andrea Rachele
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Schwetzingen/Region (kn) Steigende Temperaturen und immer weniger Niederschläge: Der Klimawandel zeigt inzwischen auch in den Schlossgärten dramatische Folgen. Das hat die Organisation Staatliche Schlösser und Gärten (SSG) Baden-Württemberg jetzt mitgeteilt. "Wir beobachten vor allem im berühmten Schlossgarten Schwetzingen tiefgehende Schädigungen", schlägt die SSG Alarm. Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Organisation, kündigt an: „Wir sind jetzt gezwungen, für den Schlossgarten den Klimanotstand auszurufen. Das Kunstwerk Schlossgarten Schwetzingen ist massiv bedroht. Bisherige Maßnahmen reichen nicht mehr aus.“

Kunstwerk droht verloren zu gehen

Noch deutlicher wird der international renommierte Gartendenkmalpfleger Prof. Dr. Hartmut Troll: „Das einzigartige Kunstwerk, der Schlossgarten der kurpfälzischen Sommerresidenz Schwetzingen, ist in seiner Substanz bedroht. Die Partien des Landschaftsgartens sind gefährdet: Das fragile System droht zu kippen“. Allein beim Altbestand der Rotbuchen, die mit einem Alter von 100 bis 200 Jahren die charakteristischen Bäume im Landschaftsgarten sind, hat man bei etwa 50 Prozent so starke Schäden festgestellt, dass sie nicht mehr oder nicht mehr vollständig austreiben. Damit gehe der ursprüngliche und typische Baumbestand im kurfürstlichen Garten verloren, warnt die SSG.

Wassermangel sorgt für Stress bei Pflanzen

Die Gründe dafür reichen laut der Organisation weit zurück und die Grundlage sei historisch: "Durch die Rheinregulierung des 19. Jahrhunderts senkte sich der Grundwasserspiegel um sechs Meter gegenüber der Zeit, als der Schlossgarten entstand. Der Landschaftsgarten, angelegt auf einem Ausläufer der 'Mannheimer Düne', steht auf Sand." Auf dem Sandboden aber seien die Bäume, eine Folge des abgesenkten Grundwassers, fast ausschließlich auf das Oberflächenwasser angewiesen. Mit den zurückgehenden Niederschlägen der letzten Jahre gerieten sie so sehr unter Stress, dass gesunde Bäume ganze Äste abwerfen würden. Nach und nach würden die alten Bäume absterben, betont die SSG. In der letzten Zeit seien sogar vermehrt Fälle beobachtet worden, in denen die gestressten Bäume begannen, auch gesunde Äste abzuwerfen. Aktuell erheben die Fachleute den Schadensbestand in allen Gärten und Parks

Bündel an Maßnahmen

Bei einer Lösung des Problems setzt die SSG auf ein Bündel an Maßnahmen: Sämlinge der Altbestand-Bäume werden in Schwetzingen in einer eigenen Baumschule gezogen – ein Langzeitversuch, Setzlinge zu erhalten, die von Anfang an an das trockene Klima gewöhnt sind. Andere Arten haben keine Alternativen: Die Rotbuche, Fagus Silvatica, bietet keine Verwandtschaft aus einer trockeneren Klimazone. Hier werden Exemplare aus trockeneren Gegenden nach Schwetzingen geholt, die schon länger den Umgang mit Wassermangel kennen – Bäume, die aktuell an der geographischen Trockenheitsgrenze der Art wachsen. Schon länger stellt man in den Landschaftsgärten auch die Grünflächen um: Aus Rasenflächen, die ständig gewässert werden müssen, entstehen Wiesen, die ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden und unbewässert bleiben. Entwickelt werden soll auch ein Frühwarnsystem für Baumstress.

"Der Aufwand ist beträchtlich"

„Und wir müssen uns anders aufstellen, was unsere Möglichkeiten angeht“, erläutert Troll. Bisher war es beispielsweise nicht nötig, dass die Staatlichen Schlösser und Gärten Baumschulen betrieben. „Wir müssen jetzt vor Ort Bäume heranziehen, die mit dem lokalen Klima zurecht kommen“. Der Aufwand sei beträchtlich – "aber wenn ein einzigartiges Gartenkunstwerk wie der Schwetzinger Schlossgarten auch für künftige Generationen erhalten werden soll, gibt es keine Auswege", so die SSG.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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