Welt-Asthma-Tag
Asthmakontrolle häufig unzureichend – Lungenfachärzte geben Tipps

(pr-nrw). In Deutschland leben über acht Millionen Menschen mit Asthma bronchiale. Wie gut sie dies mit und trotz ihrer Erkrankung tun, hängt besonders davon ab, wie sie ihre Symptome unter Kontrolle haben. Diese Kontrolle ist jedoch mehr als das subjektive Gefühl „Ich komme schon klar“. Die Medizin stuft die Qualität der Asthma-Behandlung heute danach ein, ob ein Asthma nach feststehenden Kriterien als kontrolliert gilt oder nicht. Einer europaweiten Studie zufolge ist das Asthma bei 45 Prozent der Patienten unkontrolliert, obwohl nur 16 Prozent der Befragten dies auch so empfinden. Wie sich Asthma tatsächlich kontrollieren lässt und welche häufigen Fehler Patienten bei der Anwendung von Medikamenten machen, dazu informierten Lungenfachärzte anlässlich des Welt-Asthma-Tages 2019 am Lesertelefon. Die wichtigsten Fragen und Antworten gibt es hier zum Nachlesen:

Ich dachte immer, das Notfallspray sei dazu da, die Symptome zu kontrollieren?
Dr. med. Rolf Dichmann: Medizinisch gesehen ist ein Asthma kontrolliert, wenn keine bis wenige Symptome auftreten. Dazu setzt die Asthmatherapie in den meisten Fällen auf eine Dauermedikation, die so genannte Erhaltungstherapie. Die Bedarfsmedikation – auch Notfallspray genannt – soll hingegen wirklich nur dann zum Einsatz kommen, wenn akute Atemnot auftritt. Eine Ausnahme besteht lediglich bei vorsorglicher Einnahme vor absehbarer körperlicher Belastung, zum Beispiel Sport. Wenn Sie also Ihr Notfallspray regelmäßig oder häufiger als zwei Mal pro Woche benötigen, deutet das darauf hin, dass Ihr Asthma besser kontrolliert werden muss.

Wie kann ich verhindern, dass ich mein Notfallspray so häufig einsetzen muss?
Dr. med. Rolf Dichmann: Besprechen Sie mit Ihrem Lungenfacharzt die Möglichkeiten, Ihr Asthma mittels der Erhaltungstherapie besser unter Kontrolle zu bekommen. Welche therapeutischen Möglichkeiten für Sie in Betracht kommen, hängt dabei von mehreren Faktoren ab. Und sollten Sie bislang keine Patientenschulung gemacht haben, empfehle ich Ihnen, diese nachzuholen. Oftmals können die Patienten durch eigenes Zutun den Einsatz des Bedarfsmedikaments deutlich reduzieren.

Ich habe nach wie vor Probleme mit dem Inhaliersystem – was kann ich tun?

Dr. med. Rolf Dichmann: Auch die Einweisung zum Gebrauch des Inhaliergeräts gehört zum Umfang der Patientenschulung. Es gibt heute eine große Vielfalt von Systemen, die unterschiedliche Techniken bei der Anwendung erfordern. Eine gute Hilfe sind auch die Anleitungsvideos auf der Internetseite der Atemwegsliga. Dort wird die korrekte Handhabung fast aller Geräte anschaulich erklärt. Mehr dazu unter www.atemwegsliga.de.

Welche Rolle spielt körperliche Bewegung für die Asthmakontrolle – und welche Sportarten sind bei Asthma gut geeignet?
Dr. med. Rolf Dichmann: Körperliche Bewegung ist für Asthma-Patienten enorm wichtig! Viele Betroffene verzichten auf körperliche Aktivität, weil sie eine Verschlechterung der Symptome fürchten. Entscheidend ist aber, sich gezielt und innerhalb festgelegter Grenzen „anzustrengen“. Diese Grenzen sind individuell verschieden, weshalb Sie das Thema am besten mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Es existieren speziell für Menschen mit Asthma bundesweit viele Lungensportgruppen. Dort bewegen und fordern sie sich so, wie es ihr Asthma erlaubt und erfordert. Die Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland hat unter www.lungensport.org ein Adressverzeichnis zusammengestellt.

Ist die dauernde Behandlung mit Kortison schädlich?
Dr. med. Maren Schuhmann: Eine Behandlung mit Kortisontabletten sollte nach Möglichkeit ganz vermieden werden, da sie auf lange Sicht viele Nebenwirkungen auf Augen oder Knochen haben kann und das Diabetesrisiko erhöht. Auf die inhalative Therapie mit Kortisonsprays hingegen kann und sollte bei Asthma in den meisten Fällen nicht verzichtet werden, um die Erkrankung zu kontrollieren. Die Dosis in den Inhalativa ist viel geringer als in Tablettenform, und hilft die Entzündung, die bei Asthma besteht, zu reduzieren. Zudem wirken sie nur dort, wo es notwendig ist – und belasten den Organismus weniger. Nebenwirkungen, die durch die Sprays auftreten können, sind Pilzbesiedlung im Rachenraum oder auch eine heisere Stimme.

Ich habe das Gefühl, meine Medikamente wirken nicht richtig. Gibt es außer den klassischen Sprays noch andere Medikamente?
Dr. med. Maren Schuhmann: Wenn das Asthma trotz regelmäßiger Anwendung von Kombinationssprays, dem Verzicht auf Rauchen und der Vermeidung von Allergenen weiterhin unkontrolliert ist oder Exazerbationen – also eine Verschlimmerung der Beschwerden – verursacht, muss die Therapie möglicherweise um sogenannte Biologika oder Antikörper erweitert werden. Hierbei handelt es sich um spezifische Medikamente, die in regelmäßigen Abständen als Spritze unter die Haut verabreicht werden und kein Kortison enthalten. Es sollte dringend eine Vorstellung beim Lungenfacharzt erfolgen.

Betrifft unkontrolliertes Asthma nur Menschen mit schwerem Asthma?
Dr. med. Maren Schuhmann: Prinzipiell kann jeder Patient ein unkontrolliertes Asthma haben, wenn die Medikamente nicht nach Plan eingenommen werden oder die Therapie nicht ausreicht. Wenn man sein Notfallspray mehrmals täglich benötigt, auch nachts mit Luftnot aufwacht oder im Alltag mehr Luftnot verspürt, dann wird das Asthma als unkontrolliert eingeschätzt. Sollte das auch unter Therapie geschehen, so muss diese intensiviert werden, also beispielsweise die Dosierung des inhalativen Kortisons erhöht werden oder eine zusätzliche Medikation eingesetzt werden, um eine adäquate Kontrolle herzustellen.

Wie kann ich selbst einschätzen, ob mein Asthma ausreichend kontrolliert ist?
PD Dr. med. Karsten Schulze: Indem Sie sich folgende Fragen stellen: Habe ich tagsüber häufiger als zwei Mal pro Woche Atemnot? Wache ich nachts wegen Beschwerden auf? Brauche ich meine Bedarfsmedikation, also das Notfallspray, häufiger als zwei Mal pro Woche? Schränke ich meine Aktivitäten während der Beschwerden ein? Treten vielleicht sogar anhaltende Probleme, so genannte Exazerbationen auf? Je nachdem, wie viele Fragen Sie mit Ja beantworten, kann ein unkontrolliertes oder teilweise unkontrolliertes Asthma vorliegen. Dann ist eine Vorstellung beim Lungenfacharzt dringend empfohlen.

Wann wird ein Krankenhausaufenthalt nötig?

PD Dr. med. Karsten Schulze: Tritt Atemnot auch ohne Belastung, also in Ruhe auf, oder hält Luftnot trotz Einsatz des Notfallsprays an, sollten Sie Ihren Hausarzt oder eine Notfallambulanz aufsuchen. Das gilt auch für schwere Symptome wie das plötzliche Auftreten von Auswurf, Fieber, Leistungsminderung oder gar Verwirrtheit. Diese können auf eine Lungenentzündung hinweisen, die unbedingt schnellstmöglich behandelt werden muss. Zögern sie übrigens nicht, den Notarzt zu rufen, wenn die Beschwerden ungewöhnlich stark sind. Falsche Zurückhaltung kann hier lebensbedrohlich sein.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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