„Grässliche“ Schmeckung: Mittelalterliche Küche und altes Liedgut in der „Krone“

In den Zeiten der Belagerung 1504 und während der Reformation war Melchior Hechel Wirt der Krone am Markplatz in Bretten. Der war der zweite Ehemann von Barbara Schwarzerdt – der Mutter von Philipp Melanchthon. Für Birgit und Guy Graessel Grund und Historie genug um eine Grässliche Reformation anzubieten.

Bretten (lv) Wie kocht man am offenen Feuer und wie klingt Musik ohne Verstärker? Diese und viele andere Fragen zu mittelalterlichen Lebensgewohnheiten wurden in der vergangenen Woche im Hotel „Krone“ in Bretten bei einer musikalischen Schmeckung geklärt und auch begreifbar gemacht. Viele der alten Sitten und damaligen Gebräuche sind auch heute noch lebendig, denn dies zeigt das alljährliche Peter-und-Paul-Fest, bei dem das Mittelalter gelebt wird. Dort sorgt auch die Garküche mit Leo Vogt auf ursprüngliche Weise für das leibliche Wohl und der Sangesbarde Thomas Rothfuß unterhält die Gäste mit mittelalterlichen Liedern.

„Schmeckung“ in sechs Gängen

Guy Graessel hatte nun zu solch einer „Schmeckung“ in sechs Gängen in die „Krone“ geladen und in den vollbesetzen Räumen wurden die zum Teil gewandeten Gäste von Thomas Rothfuß mit dem Lied aus dem 15. Jahrhundert, „Wenn alle Brünnlein fließen“ musikalisch eingestimmt. Aus seinem Buch „Das Luther Melanchthon Kochbuch“ las und erzählte Leo Vogt immer wieder eindrucksvoll über das Kochen, Braten und Backen im Mittelalter, schilderte eindrucksvoll Auszüge aus der „Schwarzerdt Chronik“, über einen „Markttag nach der Weinlese“, aber auch über „Katharina von Bora“ oder den „Kranken Georg Schwarzerdt zu Brettheim“.

Den Gästen lief das Wasser im Mund zusammen

Nach jedem Kapitel wurde den Gästen dann die jeweilige Speise auf dem Teller serviert, die natürlich wie in der damaligen Zeit zubereitet war. Den Gästen lief das Wasser im Mund zusammen, Maître Guy Graessel hatte sechs Gänge vorbereitet: Brot mit Schmalz- und Quarkaufstrich, Rillettes mit Rohkost, Karottensuppe mit Ingwer, Lachs auf dem Holzbrett im Speckmantel, gekochter Dinkel mit Ziegenkäse und eingemachtes Kalbfleisch mit Nudeln. Zum ersten Dessert gab es Holundersorbet mit Hollerküchle und zum Finale kurz vor Mitternacht noch Buchteln auf Schwarzen Johannisbeeren. Selbstverständlich wurden zu jedem Gang die korrespondierenden Weine ausgeschenkt.

Melodien aus der Reformationszeit

Natürlich durfte bei solch einem altertümlichen Mahl die Musik zur Unterhaltung nicht fehlen. Thomas Rothfuß beschäftigt sich schon seit langer Zeit mit dem damaligen Liedgut und so führte er die Gäste singend zurück in die alte Zeit: „Mönch und Nonne“, „Der Karmeliter“, „Der Kuckuck“ oder weitere Melodien aus der Reformations- und Lutherzeit gehörten auch damals zum Repertoire der Musikanten. Somit haben alle Gäste ein wenig erfahren, was die mittelalterliche Küche für den Gaumen zu bieten hatte und welche Musik für die Ohren bestimmt war.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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