„Immer umsichtig und in Ruhe arbeiten“ – Interview mit Industriekletterer Chris Zakher

Interview mit Industriekletterer Chris Zakher, der mit der Installation der Werke von Thomas Rebel beauftragt war.

Herr Zakher, wie hoch sind Sie heute schon geklettert?
Heute noch gar nicht, heute habe ich nur Bodenarbeit durchgeführt.

Und in welcher Höhe bewegen Sie sich sonst so?
Eines der höchsten Gebäude an dem wir regelmäßig arbeiten ist der Rhenusspeicher in Wangen an der B10, der ist 50 Meter hoch. Wir haben auch schon in München den großen Schornstein am Kesselhaus behangen. Das ist eine spannende Sache, weil der noch ein ganzes Stück höher als der Rhenusspeicher ist. Da ist außen am denkmalgeschützten Schornstein eine Art Stahlfeuerleiter. Die gehen wir erst einmal gesichert hoch und schlagen oben unsere Seile an. Dort oben hat man dann eine sehr schöne Sicht über die Stadt.

Sind Sie dann auch froh, wieder unten zu sein?
(lacht) Es ist wirklich so, dass uns das sehr viel Spaß macht, in größerer Höhe zu arbeiten. Wir machen das sehr gerne. Ich persönlich bin nicht so scharf auf Windkrafträder. Da ist es mir ein bisschen zu zugig, da oben. Aber anderen macht das weniger aus.

Wie sind Sie zu diesem recht außergewöhnlichen Beruf gekommen?
Wir sind zwar ausgebildete Industriekletterer, aber meistens hat ein Kletterer oft auch noch einen anderen Beruf, zum Beispiel einen Handwerklichen, den er mit einbringen kann. Zu meinen Teamkollegen zählen unter anderem Schlosser, Heizungsbauer, manche sind auch Bergführer. Manchmal sind auch Sportkletterer unter uns, die von einem qualifizierten Ausbildungsunternehmen ausgebildet werden. Es ist doch etwas anderes an einem Gebäude zu klettern als in der Kletterhalle. Ich selbst war vorher als selbstständiger Schreiner tätig. Da habe ich mitunter außen an Gebäuden Holzverschalungen anbringen müssen. Dann fiel die Entscheidung meinen Aufgabenkreis auszudehnen. Nun bin ich seit 20 Jahren mit der Montage von Riesenpostern und mit Gebäudeverhüllungen mit bedruckten Planen beschäftigt.

Können Sie noch den Beruf des Schreiners ausüben?
Das geht zeitlich nicht mehr, aber ich kann das Handwerk sehr gut in dem was ich jetzt mache, einbringen. Zum Beispiel müssen wir sehr viele Holz- oder Aluunterkonstruktionen bauen und dazu brauche ich mein ganzes schreinerisches Wissen.

Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Industriekletterer und Sportkletterer?
Ein Industriekletterer hat zunächst sehr viel mehr Werkzeug und Material an sich hängen, zum Beispiel Karabiner. Und die Arbeitsbedingungen sind ganz anders: Bei uns gibt es oft Baustellenlärm und Chemikalien auf dem Boden, große Maschinen stehen um uns rum und wir arbeiten an brüchigen Mauern.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Industriekletterer zu werden?
Klettererfahrungen muss man nicht unbedingt mitbringen, aber es ist ein Vorteil, wenn man schon mal sportklettern war. Und natürlich ist es gut, wenn man keine Höhenangst hat und die gesundheitlichen Voraussetzungen mitbringt.

Was war Ihre bisher größte Herausforderung? Woran erinnern Sie sich gerne zurück?
In Stuttgart haben wir die Glasfassaden eines klettertechnisch anspruchsvollen Gebäudes gereinigt. Solche Aufgaben machen circa zehn Prozent unserer Arbeit aus. Dann haben wir einmal ein Banner an den Hamburger Museumshafen angebracht. Die Montage war mit Tauchgängen verbunden, wo wir praktisch wie Profis sechs Mal unter den Schiffsrumpf tauchen mussten. Dort war es sehr dunkel!
Einmal haben wir die Großbaustelle der Siemens Headquarter in München – mit 10 Meter hohen Schallschutzwänden – verkleidet. Dann haben wir auch mal ein großes Riesenposter an ein 300 Meter langes Kreuzfahrtschiff, die Meyer Werft in Papenburg, montiert. Dort haben wir seiltechnisch außen gearbeitet, über dem Wasser hängend und im Rücken ein riesengroßes Rockkonzert der Band „Silbermond“. Das war schon toll. So etwas Großes sieht man selten.

Was reizt Sie an Ihrem Beruf?
Die viele Bewegung und die frische Luft. Die täglich neuen Herausforderungen. Die Begegnung mit vielen Menschen. Außerdem freue ich mich sehr darüber, mit einem sehr guten Team zusammenarbeiten zu können.

Und welche Risiken bringt der Beruf mit sich?
Die versuche ich grundsätzlich zu meiden, indem ich so viele Sicherungen einbaue, dass es eigentlich nicht mehr gefährlich ist. Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Arbeitsseile anschlagen beziehungsweise verankern und dann immer umsichtig und in Ruhe arbeiten. Trotzdem muss man sich jederzeit verschiedenen Risiken bewusst sein.

Wie bewerten Sie das Großprojekt „Dialog. Disput. Erinnerung.“?
In Bretten, das wird wahrscheinlich eines der schönsten Projekte – weil wir nicht jeden Tag solche Kunstwerke aufhängen in so einem großen Kontext. Zum einen sind die Kunstwerke besonders, zum anderen das Konzept. Und so lernen wir eben mal eine ganze Stadt noch intensiver kennen, mit ihren vielen Details. Das Besondere hier ist auch, dass tatsächlich jedes Gebäude anders ist und wir dann auch an jedem Gebäude mit einem anderen System befestigen.

Was wünschen Sie sich nach Abschluss dieses Projektes?
Dass die Bilder möglichst viele Brettener und Besucher ansprechen.

Die Fragen stellte Brettener Woche/kraichgau.news-Redaktionsvolontärin Havva Keskin.

Alles zum großen Jubiläum 1250 Jahre Bretten finden Sie auch auf der Themenseite
1250 Jahre Bretten.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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