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"Ramadan" in Bretten in Zeiten der Corona-Pandemie
Spiritualität steht im Vordergrund

Ein leerer Gebetsraum in der Grünen Moschee in Bretten
  • Ein leerer Gebetsraum in der Grünen Moschee in Bretten
  • hochgeladen von Havva Keskin

Bretten (hk) Es ist ein Ritual, das gläubige Muslime jedes Jahr herbeisehnen: Das Fastenbrechen während des Fastenmonats "Ramadan" im großen Familien- und Freundeskreis an einem üppigen Abendbuffet. Doch bedingt durch die Corona-Pandemie müssen sich Muslime, wie auch im letzten Jahr, nicht nur in der Kunst der inneren Einkehr üben. Der Verzicht auf Freunde und Familie, aber auch der Besuch der Moschee mit Einschränkungen stellt eine weitere Herausforderung dar. Am 13. Mai endet der Fastenmonat – dann wird normalerweise das dreitägige "Zuckerfest" und somit das Ende des Ramadans gefeiert. Dass das 2021 nicht möglich sein wird, stimmt auch die muslimische Gemeinde in Bretten traurig.

"Nach dem Gebet geht jeder seines Weges"

Im Gespräch mit der Brettener Woche erzählt der Vorstand der "Grünen Moschee" in Bretten, Akin Batmaz, dass aktuell keine Gottesdienste stattfinden würden. Die Moschee sei lediglich für jene, die im Gotteshaus beten möchten, geöffnet. Es könne gebetet werden, wenn ein Abstand von zwei Metern eingehalten werde, eine Nachverfolgung möglich sei und Hygienemaßnahmen eingehalten würden – was auch Masken während des Gebets beinhalte. Außerdem müsse jeder seinen eigenen Gebetsteppich mitbringen. Um auf dem aktuellen Stand der Corona-Bestimmungen zu sein, sei man in ständigem Kontakt und Austausch mit dem örtlichen Ordnungsamt und dem Polizeirevier. Neuigkeiten hinsichtlich der aktuell geltenden Corona-Regeln mache man über das Freitagsgebet, Social Media und eine "WhatsApp"-Gruppe bekannt. "Unsere Gemeinde hält sich vorbildlich an die gültigen Regeln. Nach dem Gebet geht jeder seines Weges." Man versuche aber auch, die Gläubigen zu ermuntern, verstärkt zu Hause zu beten.

Die Gemeinschaft fehlt

"Normalerweise ist das, was den Ramadan ausmacht, das Gemeinschaftsgefühl", betont Batmaz. In diesem Sinne wurde vor Corona jedes Jahr an jedem Abend im Ramadan ein Essen zum Fastenbrechen in der Grünen Moschee angeboten. Das vermisse die muslimische Gemeinde in Bretten aktuell sehr und so fehle zum Einbruch der Dämmerung, also beim Fastenbrechen, auch die feierliche Atmosphäre, die sonst im Kreise einer großen Gesellschaft gegeben wäre. "Diese schöne Stimmung, in der die Gemeinschaft zusammenkommt, fällt jetzt natürlich weg." So sei der diesjährige Ramadan ein eher stiller Fastenmonat, sagt Batmaz.

Fokus auf der Spiritualität

Aber auch in dieser Situation versuche man das Positive zu sehen: "Wir sehen uns dadurch noch stärker mit Gott verbunden." Im Vordergrund stehe nach wie vor der Fokus auf die Spritualität. Für das "Zuckerfest" am Ende des Ramadans macht sich Batmaz keine allzu großen Hoffnungen. "Die Inzidenz in Bretten und Umgebung ist weiterhin sehr hoch. Ich glaube nicht, dass sich daran so schnell etwas ändern wird." Man wolle aber in jedem Fall kein Risiko eingehen und appelliere jetzt schon an die muslimische Gemeinde, sich auch auf ein "stilles" und ruhiges Zuckerfest einzustellen.

Zusammenhalt wird aufrechterhalten

Kenan Kaykun vom Sozial- und Kulturverein "Ulu Camii" in Bretten, kann die Erfahrungen von Batmaz bestätigen. Auch wenn die Corona-Regeln den praktischen Alltag der muslimischen Bürger einschränke, so sei man froh darüber, wenigstens seinen Glauben nach wie vor uneingeschränkt, aber im Stillen ausüben zu können. Den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde versuche man auf unterschiedliche Weise aufrechtzuerhalten: "Es wird sehr viel und ausgiebig miteinander telefoniert", erzählt Kaykun mit einem Lachen. "Fast so wie in früheren Zeiten." Wie der Vorstand der Grünen Moschee greife man bei wichtigen Ankündigungen auf "WhatsApp" zurück – selbst für die ältere Generation sei der Umgang mit den Sozialen Medien fast kein Problem mehr.

Beten mit Abstand

Kaykun betont, dass die muslimischen Bürger schon aufgrund ihrer Religion ein hohes Pflichtbewusstsein mitbringen würden. Bereits vor Jahrtausenden habe der Prophet Mohammed vorgegeben, Orte mit Epidemien zu meiden und geltende Regeln zu befolgen. Gleichwohl spüre er die Angst, die das Virus hervorrufe: "Das Beten mit Abstand beispielsweise, führt natürlich dazu, dass man eine gewisse innere Unruhe hat." Deshalb würden viele vorsichtshalber die Moschee zum Beten erst gar nicht aufsuchen. Auch der Vorstand weise verstärkt darauf hin, dass jeder für sich zu Hause beten könne – das sei mit den Prinzipien des Islam vereinbar.

"Liebe das Geschöpf um des Schöpfers willen"

Kaykun wünsche sich am Ende des Fastenmonats ein friedliches Zuckerfest: "Solange die geltenden Maßnahmen bestehen, bitten wir darum, sie einzuhalten, auch wenn wir einen Anlass zum Feiern haben." In seine Gebete schließe er die gesamte Bevölkerung Brettens ein – ganz im Sinne des türkischen Volksdichters Yunus Emre, den Kaykun zitiert: "Liebe das Geschöpf um des Schöpfers willen."

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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