17-jähriger Noah verbindet klassische und moderne Musik auf unkonventionelle Weise
„Wenn man Geige spielt, wird man als typischer Klassik-Musiker abgestempelt“

"Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf „nur“ klassische Musik. Es ist naheliegend, irgendwann moderne Musik zu spielen, weil es ja auch die Musik ist, die ich jeden Tag in meiner Freizeit höre – und daran habe ich viel Spaß gefunden."
  • "Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf „nur“ klassische Musik. Es ist naheliegend, irgendwann moderne Musik zu spielen, weil es ja auch die Musik ist, die ich jeden Tag in meiner Freizeit höre – und daran habe ich viel Spaß gefunden."
  • Foto: Stefan Brenner/MC Bild
  • hochgeladen von Havva Keskin

Bereits als kleines Kind spielte sich der Pforzheimer Noah auf Geburtstagen oder bei anderen Feiern in die Herzen seiner Familie und Verwandten. Sein Repertoire umfasst zur Zeit über 200 Lieder und es kommen täglich mehr dazu. Die Brettener Woche/Kraichgauer Bote hat sich für ein Gespräch mit dem ambitionierten Musiker zusammengesetzt.

Hallo Noah! Wer bist du und was machst du?

Hallo! Ich bin Noah aus Pforzheim, 17 Jahre alt, bin Schüler auf dem Edith-Stein-Gymnasium in Bretten – und ich spiele Geige seit ich vier Jahre alt bin. Ich habe eine klassische Geigenausbildung gemacht, aber auf der Bühne spiele ich modern beeinflusste Musik. Seit drei Jahren ist Dirk Dauth von DD – Eventmanagement mein Manager. Außerdem habe ich Auftritte deutschlandweit und schon zwei CDs veröffentlicht.

Wie bist du überhaupt zur Geige gekommen?
Ich war damals drei Jahre alt und habe durch Zufall eine Mozart-CD gehört. Die klassische Musik – vor allem das Geigenspiel – hat mir sehr gefallen und mein Interesse geweckt. Obwohl ich nicht wusste, welches Instrument das war, stand für mich fest: Ich will auch Geige spielen lernen. Seitdem übe ich zweieinhalb bis drei Stunden am Tag. Da können auch schon mal ganze Programme für Konzerte vorbereitet werden.
Ich werde oft gefragt, ob meine Eltern mich dazu gezwungen haben, aber das war überhaupt nicht so.

Diese Thematik steht ja oft in der Kritik – wenn Eltern ihre Kinder als „Wunderkinder“ inszenieren.
Richtig. Aber bei mir war das überhaupt nicht so. Wir sind zudem keine Musiker-Familie – ich bin der Einzige, der musikalisch ist.

Mit deinem letzten Konzert im vergangenen Jahr unter dem Titel „Classic vs. Pop“ hast du deine zweite Leidenschaft gezeigt: Die moderne Musik. Wie bist du zu dieser Kombination gekommen?
Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf „nur“ klassische Musik (lacht). Nein, Spaß. Es ist naheliegend, irgendwann moderne Musik zu spielen, weil es ja auch die Musik ist, die ich jeden Tag in meiner Freizeit höre – und daran habe ich viel Spaß gefunden. Im Übrigen arrangiere ich jeden meiner Songs selbst.

Was ist das Besondere an der Klassik?
Die klassische Musik lebt von der Technik – man muss zuallererst strikt nach Noten spielen, im Takt sein und man braucht ein extrem gutes Gehör, was mir zum Beispiel sehr geholfen hat, als ich mit vier Jahren angefangen habe und noch keine Noten kannte. Ich konnte ja noch nicht mal normale Buchstaben lesen. Mir wurde dann vorgesungen und vorgeklatscht, was ich spielen soll.
Die klassische Musik ist einfach eine ganz andere Welt, alleine schon auf die Melodieabläufe bezogen. Aber trotzdem berühren die Themen die Menschen, damals wie heute. Und das ist schon sehr faszinierend. Wenn man Geige spielt, wird man als typischer, klassischer Musiker abgestempelt und das möchte ich verändern – durch die Popmusik. So spiele ich dann zum Beispiel in Begleitung einer E-Gitarre oder einer Band. Es gibt viele, denen das nicht gefällt. Die sagen, Klassik bleibt Klassik und es gibt nichts dazwischen. Aber ich denke trotzdem, dass genreübergreifende Musik viele Menschen anspricht und vielleicht dem ein oder anderen neue Perspektiven ermöglicht.

Du kriegst vieles unter einen Hut. Da spielt bestimmt auch die Unterstützung seitens deiner Familie oder der Schule eine wichtige Rolle.
Definitiv, der Support von allen Seiten ist – und da habe ich großes Glück – immer da. Aber auch die Unterstützung derer, die meine Konzerte besuchen, ist mir immens wichtig und unersetzlich. Erst dadurch habe ich überhaupt die Möglichkeit bekommen, eine zweite CD aufzunehmen.

An welchem Projekt hast du zuletzt gearbeitet?
An einem Liebeslied, das ich selbst komponiert habe und das gerade auf allen meinen digitalen Kanälen gepusht wird (lacht). Es hat mich sehr gefreut, schon so viel positive Resonanz darauf zu bekommen.

Und wie kommst du damit klar, so präsent in der Öffentlichkeit zu sein?
Es gibt viele Menschen, die einem den Erfolg nicht gönnen. Aber damit habe ich mich abgefunden – das gehört zum Business. Es gibt genug andere Menschen, die finden gut, was ich mache. Ich versuche auch nicht so viel Privates preiszugeben.

Welche Vorbilder hast du?
David Garrett natürlich. Ich bewundere ihn, für das was er erreicht hat. Aber ich finde da kann man noch mehr draus machen – im Vergleich zu ihm möchte ich noch einen Schritt mehr in Richtung Pop- und moderne Musik gehen. Auch wenn wir oft miteinander vergleichen werden, sehe ich persönlich große Unterschiede.

Dein Repertoire hat über 200 Songs. Wie entscheidest du darüber, was du spielst?
Das mache ich hauptsächlich nach Lust und Laune, wobei nicht jeder Song zur Geige passt. Zum Beispiel habe ich „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd aufgenommen – den Song habe ich in einem Versuch eingespielt und diese Version kam direkt auf die CD. Das hat einfach so gut gepasst. An „Despacito“ dagegen habe ich sehr lange experimentiert, um das Beste herauszuholen. Wenn ich mich inspirieren lassen will, frage ich auch oft jemanden, ob er eine bestimme Melodie oder einen Song im Kopf hat. So entstehen Arrangements, auf die ich vielleicht nie gekommen wäre.

Würde dich außer der Geige noch ein anderes Instrument reizen?
Ja, das Klavier zum Beispiel fürs Komponieren. Aber über die Geige kommt nichts (lacht).

Gibt es Momente in denen du dich fragst, ob du dich nicht doch für ein anderes Instrument entscheiden hättest sollen?
Nein, auf keinen Fall!

Du bist zwar noch sehr jung, aber fast schon ein „alter Hase“ im Musikbusiness. Was hat dich am meisten an dieser Welt überrascht?
Ich bin schon mit 15 mit dieser „Traumwelt“ in Berührung gekommen und das war schon sehr faszinierend und prägend für mich. Was mir aber im Laufe der Zeit aufgefallen ist, sowohl im positiven wie auch negativen Sinn: Wie schnell alles gehen kann. Und wenn man nicht am Ball bleibt, ist man sofort abgeschrieben. Aber das gibt mir den Ansporn weiter an mir zu arbeiten.

Die Fragen stellte Havva Keskin.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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