Diskussion um belastetes Grundwasser in der Region

Das Grundwasser der Region, vor allem in Bretten, Gondelsheim, Königsbach-Stein, Stutensee und Sulzfeld ist überdurchschnittlich hoch mit Nitrat belastet. Aus diesem Anlass plädiert Andrea Schwarz (Landtagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen) für sauberes Grundwasser.

Bretten (hk) Bereits der Schweizer Arzt Paracelsus wusste: „Allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei“. Auch Stickstoff ist in der richtigen Dosis ein wichtiger Nährstoff für alle Lebewesen. Den im Nitrat – eine chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff – enthaltenen Stickstoff brauchen Pflanzen zum Wachstum. Ein Mangel an Stickstoff und somit an Nitrat kann zu schlechten Erträgen führen. Zu viel Nitrat kann aber zur Belastung für Mensch und Umwelt werden: Im Körper umgewandeltes Nitrat wird zu Nitrit, das wiederum ist krebserregend, für Säuglinge sogar akut lebensgefährlich.

Nitrat-Belastung liegt über Grenzwert

Das Trinkwasser in Bretten besteht zu 25 Prozent aus Grundwasser, gewonnen aus drei Tiefbrunnen sowie zu 75 Prozent aus Bodenseewasser und enthält in diesem Mischverhältnis sehr wenig Nitrat. Anders ist dies beim Grundwasser „pur“: Das Grundwasser der Region, vor allem in Bretten, Gondelsheim, Königsbach-Stein, Stutensee und Sulzfeld ist überdurchschnittlich hoch mit Nitrat belastet, wie aus den Datenerhebungen der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) hervorgeht. Die Nitrat-Konzentration in den genannten Bereichen liegt über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Grundwasser.

Verlust der biologischen Vielfalt

Laut LUBW lag zum Beispiel im Brettener Stadtteil Neibsheim der Wert an der Eselsbrunnenquelle 2015 bei durchschnittlich 73,3 Milligramm pro Liter Grundwasser, an Messstellen in Gondelsheim und Stutensee-Blankenloch jeweils bei etwa 58 Milligramm pro Liter. 2015 wurde in ganz Baden-Württemberg der Grenzwert an jeder zehnten Messstelle überschritten. Andrea Schwarz, Landtagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, hält das für bedenklich. „Es ist tatsächlich so, dass man die hohe Nitratbelastung ziemlich klar der Landwirtschaft zuordnen kann“, sagt Schwarz. Durch die intensive Landbewirtschaftung und Überdüngung des Bodens mit stickstoffhaltigem Kunstdünger oder Gülle gelangt Nitrat, das von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden kann, in das Grundwasser. Die hohe Stickstoffemission bringt dann vor allem Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Die Folgen können unter anderem Verlust der biologischen Vielfalt oder das Versauern der Böden sein.

Entwarnung für Trinkwasser

Hinsichtlich des Brettener Trinkwassers kann Stefan Kleck, Geschäftsführer der Stadtwerke Bretten, aber klar Entwarnung geben: „Die Eselsbrunnenquelle wurde noch nie für das Trinkwasser genutzt.“ Ansonsten sei die Quelle eine Messstelle, mit der die „Schüttung der Quelle überwacht wird, um Rückschlüsse für ein landesweites Messnetz zu ziehen.“ Darüber hinaus sei das Grundwasser aus den drei Tiefbrunnen unbedenklich. „Der Messwert unserer Brunnen liegt bei 7,2 Milligramm pro Liter und damit weit entfernt vom Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter.“

Belastung sei unstrittig

Zwar ist das Wasser in Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich unterdurchschnittlich gering belastet, trotzdem fordert Schwarz „sauberes und unbelastetes Grund- und Trinkwasser“. Auch Matthias Menzel, BUND Ortsgruppe Bretten, weist darauf hin, dass der Nährstoffeintrag der Landwirtschaft und die damit einhergehende Belastung von Oberflächengewässern und Grundwasser unstrittig seien. Ein Beispiel dafür seien die Amphibienlaichtümpel in Bretten: „Wir betreuen auf Gemarkung Bretten etwa zwölf Tümpel. Dort müssen wir feststellen, dass einige ein starkes Wachstum von Algen, Wasserlinsen und anderen Pflanzen aufweisen, was zu einer schnellen Verlandung und damit zum Verlust der Gewässer für die Amphibien führt.“ Menzel betont aber, dass man anhand der aktuellen Messwerte nicht pauschal die Landwirtschaft verantwortlich machen dürfe. „Jeder Grundwasserbrunnen hat einen Einzugsbereich. Dieser kann vollständig oder nur teilweise in einem landwirtschaftlich genutzten Bereich liegen. Zudem ist auch die Tiefe der Brunnen, die Bodenbeschaffenheit, die angebauten Kulturpflanzen sowie ein eventueller Eintrag von Oberflächenwasser zu prüfen“, erklärt er.

„Wir düngen so viel Stickstoff wie nötig.“

Schwarz dagegen ist der Auffassung, dass die Landwirtschaft eindeutig zur Verantwortung gezogen werden muss. Die Nitratbelastung sei seit Jahren bekannt und jetzt „hat das für alle Konsequenzen, dass die Landwirtschaft so sorglos mit allem umgeht“. Aktuell läuft, aufgrund der Verletzung der EU-Nitratrichtlinie, ein Verfahren gegen Deutschland, bei dem ein „sechsstelliger Betrag als Strafe täglich möglich“ wäre, erklärt Schwarz. Das müssten die Landwirtschaftsverbände nun zur Kenntnis nehmen. Kreisvorsitzender Werner Kunz vom Kreisbauernverband Karlsruhe sieht das anders: „Wir düngen so viel Stickstoff wie nötig, damit unsere Pflanzen ausreichend versorgt sind, aber so wenig wie möglich, um den Boden und das Grundwasser nicht zu belasten.“ Der Langfrist-Trend zeige innerhalb der letzten zehn Jahre in Baden-Württemberg eine Reduzierung von durchschnittlich 37 auf 28 Milligramm und somit deutlich nach unten. Im Zuge der neuen Düngeverordnung, die der Bund aktuell erlassen hat, könnte die Nitratbelastung mit der Umsetzung eines strengen Maßnahmenkatalogs weiter reduziert werden. „Welche Maßnahmen davon in unserer Region am besten wirken, muss das Agrarministerium schnell und intensiv prüfen“, sagt Schwarz. hk

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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