Rat stellt Weichen für Klimaschutzziele
"Energie für die Gartenschau ernten"

In Bretten wird bis 2035 die bilanzielle Klimaneutralität angestrebt.
  • In Bretten wird bis 2035 die bilanzielle Klimaneutralität angestrebt.
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Bretten (hk) Bis ins Jahr 2035 will der Landkreis Karlsruhe seine Klimaschutzziele erreichen. In Anlehnung daran könnte die Stadt Bretten bis dahin eine klimaneutrale Energieversorgung realisieren, heißt es in der Prognose der Energie- und Umwelt-agentur Kreis Karlsruhe, die dem Gemeinderat in seiner gestrigen Sitzung vorgestellt wurde. Allerdings würden diese Ziele mit den derzeitigen Bemühungen verfehlt werden. Um sie doch noch zu erreichen, bedürfe es konkreter Handlungsansätze, erklärten Birgit Schwegle und Armin Holdschick von der Energie- und Umweltagentur. Wie diese für Bretten aussehen könnten, stellten sie anhand des in den letzten zwei Jahren für Bretten erstellten Energieplans vor, den der Gemeinderat einstimmig befürwortete und das Klimaschutzziel „Bretten zeozweifrei 2035“ beschloss. Damit wird die bilanzielle Klimaneutralität bis 2035 angestrebt.

Jährlicher Bericht über Entwicklungsstand

Über 100 Handlungsansätze in den Bereichen Wärme, Strom, Mobilität und Integrales hat die Agentur erarbeitet. Aus diesen wurden 14 Maßnahmenpakete priorisiert. Dabei sei auch für jeden der Ortsteile mindestens ein Maßnahmenpaket vorgesehen. Unterteilt sind die Maßnahmen in die "Energiesektoren" Strom, Wärme und Verkehr. Übergeordnete Vorschläge sind in der vierten Kategorie „Integrales“ aufgeführt. Durch die Maßnahmen könne eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um bis zu 20 Prozent, verglichen mit 2019, erzielt werden. Weil es sich bei den Maßnahmen aber um eine grobe Vorplanung handele, könnten genaue Zahlen zu den Investitionskosten sowie der CO2-Reduktion erst in einer Machbarkeitsstudie ermittelt werden. Wie der Vorlage der Stadtverwaltung zu entnehmen ist, sollen die priorisierten Maßnahmen innerhalb der nächsten drei Jahre weiter konkretisiert und nach Möglichkeit umgesetzt werden. Außerdem will die Verwaltung jährlich einen Bericht über den Entwicklungsstand vorlegen.

"Bioenergiedorfs" Dürrenbüchig und Geothermienutzung in Bauerbach

Den "Löwenanteil" am Gesamt-Enenergiebedarf der Stadt Bretten, so Schwegle, beanspruche der Sektor Wärme mit 53 Prozent. Im Bereich Strom werden 22 Prozent und im Bereich Verkehr 25 Prozent der Energie verbraucht. Darauf basierend liege der Fokus im Energieplan auf der Wärmewende durch Maßnahmen wie dem Aufbau eines Nahwärmenetzes in der Kernstadt und in Ruit, gewerbliche Abwärmenutzung sowie dem Aufbau von Solarthermieanlagen und eines ortsweiten Nahwärmenetzes, betrieben auf Basis von erneuerbaren Energien in Form eines "Bioenergiedorfs" in Dürrenbüchig sowie die Geothermienutzung in Bauerbach.

"Dekarbonisierung des Energiesystems" voranbringen

Ein weiterer Schwerpunkt sei das Thema Fotovoltaik. "Wir haben letztes Jahr circa 300 Beratungen dazu geführt. Wir können uns vor Anfragen nicht retten. Was uns allerdings fehlt, ist das Handwerk", sagte Schwegle. Es gäbe zu wenige Firmen, die PV-Anlagen umsetzten. "Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir hier auch das Handwerk mitnehmen, um das Potenzial auf unseren Dächern auszuschöpfen." Bretten sei eine von wenigen Kommunen, die schon einen kommunalen Wärmeplan erarbeitet habe. "Natürlich müssen die Bürgerinnen und Bürger mitgenommen werden. Ohne die Bürgerschaft wird es nicht gehen", so Schwegle. Es gebe in den Energiequartieren Möglichkeiten, die Bürger aktiv einzubinden. Es gelte, ergänzte Armin Holdschick, die "Dekarbonisierung des Energiesystems" voranzubringen, um eine Grundlage für einen "Systemwandel" zu schaffen. "Denn so wie bisher kann man nicht weitermachen."

"Bretten zeozweifrei in 2035 – ist das machbar?"

CDU-Stadtrat Martin Knecht betonte in seiner Stellungnahme, dass seine Fraktion seit langem fordere, Freiflächen und öffentliche Parkflächen mit PV-Anlagen zu bestücken oder Wassersparmodelle zu entwickeln. Dennoch blieben noch einige Fragen offen. "Bretten zeozweifrei in 2035 – ist das machbar?" Noch würde Bretten stark hinterherhinken. Und wie könnte eine sinnvolle Balance zwischen "notwendigem" Flächenerhalt und "zeozweifreiem" Wachstum gelingen, wollte der Stadtrat wissen. "Schwarz verkleidete" Neubauten, wie zum Beispiel von der Sparkasse am Engelsberg geplant, seien dann genauso tabu, wie extensive Nach-Verdichtung durch zusätzliche Gebäude. Die CDU-Fraktion stimme der Vorlage zu, erwarte allerdings über die kommenden drei Jahre halbjährlich "politisch ungefärbte Zahlen und Ergebnisse. Und wir erwarten sachliche Diskussionen ohne Lobbyismuseinflüsse", so Knecht.

Beitritt zum EEA ist erfolgt

Fabian Nowak (Bündnis90/Die Grünen) lobte die Miteinbeziehung der Ortsteile in den Energieplan, "so dass für jeden etwas dabei ist." Ein Manko sehe die Fraktion durch den starken Fokus auf Freiflächen. "Eventuell kann man über Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen über dem fruchtbaren Boden in drei bis vier Metern Höhe nachdenken", regte Nowak an. Das werde unter anderem bereits in der Schweiz praktiziert. Verwirklicht werden könnte das "zum Beispiel auf den Äckern von Dürrenbüchig nach Wössingen, plakativ wahrnehmbar, entlang der B293 aus Karlsruhe kommend, mit einem selbstbewussten Slogan wie 'Bretten erntet Energie für die Gartenschau'", schlug der Grünen-Stadtrat vor. Abschließend wolle die Fraktion explizit ein Lob dafür aussprechen, dass Bretten das Klimaziel, analog zum Landkreis, bereits 2035 erreichen wolle. Bernd Diernberger, Sprecher der FWV-Fraktion, wollte in Erfahrung bringen, wann der Beitritt der Melanchthonstadt zum European Energy Award (EEA) vollzogen werde und wie der aktuelle Stand zur Ausschreibung eines Klimaschutzbeauftragten in Bretten sei. Oberbürgermeister Martin Wolff verkündete, dass er schon einen "Bewerberspiegel" auf den Tisch bekommen habe. "Ich hoffe, dass da jemand dabei ist, der die Anforderungen erfüllt." Der Beitritt zum EEA, informierte Schwegle, sei bereits erfolgt.

"Wirtschaftlich und haushalterisch nicht übernehmen"

aktiven-Stadtrat Aaron Treut sagte, dass man in Bretten, was den Klimaschutz angehe, auf einem guten Weg sei. Allerdings gebe es in den vorgestellten Maßnahmen "gute, aber auch unsinnige Inhalte". Wichtig sei es, alle Maßnahmen vor Ausführung nochmals zu beleuchten und zur Abstimmung zu bringen. "Als unsinniges Beispiel muss ich Ruit aufrufen", führte er in seiner Stellungnahme fort. Es wäre eine "Steuergeldverschwendung" in Ruit eins bis fünf Millionen Euro in eine Luftwärmepumpenstrategie zu investieren, so wie es der Energieplan vorsehe, um Ortsverwaltung und Feuerwehr anzubinden, wenn dort bis 2028 sowieso ein neues Feuerwehrhaus gebaut werde. Wünschenswert wäre, das Klimaziel "Bretten zeozweifrei 2035" nicht zu übersteuern und "uns damit nicht wirtschaftlich und haushalterisch zu übernehmen", so Treut. Die Strategie müsse auch leistbar sein. "Aber ich bin zuversichtlich, dass unser neuer Kämmerer da den Daumen drauf halten wird."

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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