Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten spricht sich gegen Umfahrung aus
Hohe Kosten, wenig Nutzen?

Das Naherholungsgebiet Rechberg würde durch die Südwesttangente zerschnitten.
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  • Das Naherholungsgebiet Rechberg würde durch die Südwesttangente zerschnitten.
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Bretten (ger) Schon lange wird in Bretten eine Ortsumfahrung diskutiert. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist die B 294 Südwesttangente Bretten mit vordringlichem Bedarf angegeben und soll – sofern sie kommt – gemeinsam mit den Ortsumgehungen Bauschlott und Bruchsal dann eine durchgehende Verbindung zwischen den Mittelzentren Pforzheim und Bruchsal bilden. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat als einen allerersten Schritt vor der konkreten Planung ein Scoping-Verfahren veranlasst, das die Aufgaben- und Untersuchungsumfänge definiert. Nach einer gemeinsamen Stellungnahme des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg zum Scoping hat sich nun auch die Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten (BIVEB) zu Wort gemeldet. Auf ihr Betreiben hin, ist 2018 das Mobilitätskonzept für Bretten im Gemeinderat beschlossen worden und wird seither vorangetrieben.

Knackpunkt geringer Anteil an Durchgangsverkehr

In einer Video-Pressekonferenz hat der Mitbegründer der BIVEB, Frank Schneidereit, die einzelnen Punkte der Stellungnahme an das Regierungspräsidium als Vorhabenträger ausgeführt. Alexander Herzfeld von der BIVEB, der bei der Konferenz als Moderator fungierte, stellte gleich zu Beginn klar, dass „die Umgehungsstraße viel kostet und wenig bringt.“ Der Knackpunkt sei, so Schneidereit, der geringe Anteil an tatsächlichem Durchgangsverkehr in Bretten. Eine Verkehrszählung des Brettener Bauamts habe 2017 ergeben, dass er bei höchstens 10,5 Prozent liege. Selbst wenn man von einer Steigerung in den letzten Jahren ausgehe und 25 Prozent Durchgangsverkehr zugrunde lege, mache das Gros der sogenannte Quell-, Binnen- und Zielverkehr aus, mit anderen Worten: Die Brettener selbst. Damit decke sich auch das Ergebnis der Mobilitätserhebung von 2019, nach der bereits Kurzstrecken zwischen 0,5 und einem Kilometer von 39 Prozent der Befragten motorisiert zurückgelegt würden.

Mehr Verkehr durch Umfahrung?

„Bretten ist sehr Auto-affin“, konstatierte Schneidereit, daher bringe die Ortsumfahrung zu wenig Entlastung für die Innenstadt. Im Scopingpapier sei das aber als „Ziel der Maßnahme“ formuliert. Belegt wird das mit einem nicht näher bestimmten Verkehrsgutachten. „Da die Quelle dieser Einschätzung fehlt, lässt sich (...) die aus jenem Gutachten abgeleitete Notwendigkeit einer Südwesttangente nicht verifizieren“, moniert die BIVEB. Wie auch die Naturschutzverbände fürchtet die BIVEB, dass eher mehr Verkehr angezogen würde: „Mit der Umfahrung entsteht eine attraktive Nebenautobahn. Bei Staus auf der A5 und der A8 werden Navigationsgeräte die Bundesstraße als Ausweichstrecke empfehlen.“ Zugleich gefährde die Umgehungsstraße die Schutzgüter, die der Planungsraum zwischen Salzhofen, Rechberg und Rinklingen in großer Zahl vorweise. Die Naherholungsgebiete seien durch die Trasse für Menschen nicht mehr direkt zugänglich, wie man an der Situation entlang der B35 im Norden Brettens sehen könne. Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt würde nachhaltig gestört, wenn nicht zerstört, untermauerte auch der Rinklinger Thomas Peschel. Er ist seit Jahren an den Aktionen, die der Obst- und Gartenbauverein mit der Grundschule Rinklingen durchführt, beteiligt. „Wie soll man Kindern und Jugendlichen den Naturschutz nahebringen, wenn die Jahrgangsbäume und Insektenhotels einer Straße weichen müssen?“, fragte er.

Mehr Erosion, weniger Frischluft

In Gefahr seien auch Boden, Klima und Luftzufuhr. Die vorgesehene Trasse würde große Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft durch Verlust von Ackerflächen bedeuten, zugleich steige die Erosionsgefahr, die – wie die Ereignisse von 2015 gezeigt haben – im Wohngebiet Steiner Pfad schon jetzt hoch ist. Die Frischluftzufuhr, die über Kaltluftabflüsse vom Rechberg und Katzengraben als auch aus dem Großen Wald gespeist wird, würde beeinträchtigt, was gerade im Hinblick auf den Klimawandel und die verstärkte Erwärmung des Stadtraumes bedenklich sei. „Unser Fazit lautet, dass die Realisierung der Südwesttangente eine unverhältnismäßig hohe Belastung für Mensch und Natur bedeuten würde“, so Schneidereit abschließend.

Planungsfeststellung erst 2025

Das Regierungspräsidium betont auf Nachfrage, dass die von Mitte August bis Oktober 2020 stattgefundene Beteiligung im Scoping-Verfahren nur der Festlegung des Umfangs für die durchzuführende Umweltverträglichkeitsprüfung diene. "Bezüglich der Planungen befinden wir uns aktuell in der Vorbereitung zur Vorplanung. Das heißt, dass derzeit die Planungsleistungen ausgeschrieben sind. Mit Beginn der eigentlichen Planungsarbeiten wird Anfang 2021 gerechnet. Hierbei werden dann die Möglichkeiten der Trassenführung für die Ortsumfahrung B 294 vertieft untersucht." Frühestens 2025 sei mit Beginn des Planfeststellungsverfahrens zu rechnen. Im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung werde es für Bürger ausreichend Möglichkeit geben, sich über die Planungen zu informieren und im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens Stellungnahmen abzugeben.

Die Stellungnahme der BIVEB im Wortlaut finden Sie unter www.biveb.de

Autor:

Katrin Gerweck aus Bretten

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