Pizza und Politik im Hallensportzentrum
„Mit welcher Ernsthaftigkeit die Schüler diskutieren – das hat mich sehr beeindruckt“

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Bretten (hk) Mittwochabend im Hallensportzentrum: Wo zu dieser Zeit sonst nur der eine oder andere junge Mensch den Weg in die Aula findet, war diese gestern fast voll besetzt. Kein Wunder: Es gab schließlich Gratis-Pizza. Doch ein Außenstehender hätte sich wohl verwundert gefragt, warum die rund 70 Jugendlichen an den Tischen so tief versunken in angeregte Gespräche waren. Schnell wurde klar: Sie hatten nicht nur Appetit auf die italienischen Leckerbissen. Wissenshungrig feuerten sie ihre Fragen auf die Gäste des Abends, Kandidaten der bevorstehenden Gemeinderatswahl in Bretten, ab. Sie alle waren der Einladung des Brettener Jugendgemeinderats gefolgt, um bei Pizza über Politik zu diskutieren. Moderiert wurde der Abend von Jana Freis, Sprecherin des Jugendgemeinderats. Unterstützung hatte sie sich von zwei Referenten der Landeszentrale für politische Bildung geholt. Schwungvoll läuteten sie die Veranstaltung ein, indem sie anhand einer Kurzpräsentation über das Wahlprozedere und das korrekte Ausfüllen der Stimmzettel informierten und dabei einige Fragen direkt an die jungen Erstwähler richteten.

Jugendliche wünschen sich freies WLAN am Bahnhof

Es folgte der spannende Teil des Abends: In je siebenminütigen Runden rotierten die Vertreter von AfD, Aufbruch Bretten, CDU, die aktiven, FDP, Grünen, FWV und SPD von Tisch zu Tisch und tauschten sich intensiv über Themen wie Digitalisierung, Mobilität, Umweltschutz, jugendfreundliches Wohnen oder Schule und Ausbildung aus. Heidi Leins von der Freien Wählervereinigung (FWV) erkundigte sich, ob die Jugendlichen zufrieden seien mit dem Breitbandausbau. „Es tut sich was, aber es dauert sehr lange“ lautete die Antwort eines Schülers. Leins nickte verständnisvoll, erklärte aber auch, dass es von Anfang an nicht leicht gewesen war, den Weg in die digitale Zukunft zu ebnen. Sie erinnerte an den „Widerstand im Gemeinderat“ und berichtete davon, wie die FWV in Diedelsheim „alle Straßen abgeklappert“ habe, um die Menschen über Glasfaser zu informieren. Mehrmals kam seitens der Jugendlichen der Wunsch zum Ausdruck, dass sie sich über freies, schnelles und zuverlässiges WLAN an öffentlichen Plätzen, wie zum Beispiel am Bahnhof freuen würden.

„Ich finde, der Jugendgemeinderat erhält wenig Unterstützung vom Gemeinderat“

„Warum soll ich Sie wählen?“ Auch diese Frage fiel mehr als einmal im Laufe der Gespräche. Hermann Fülberth von „Aufbruch Bretten“ klärte die Jugendlichen zunächst über einige Unterschiede zwischen einer Partei und einer Wählervereinigung auf. „Die Kosten für Wahlwerbung beispielsweise bringen unsere Mitglieder selbst auf“, sagte Fülberth. Seinem Unmut machte ein Jugendlicher Luft: „Ich finde, der Jugendgemeinderat erhält wenig Beachtung und Unterstützung vom Gemeinderat“. Fülberth ermunterte den Schüler und riet dem Jugendgemeinderat, sich offensiver aufzustellen. Auf die eingangs gestellte Frage antwortete Andreas Kraus von den „aktiven“ mit: „Wir sind Bretten und seinen Bürgern verpflichtet“. „Mir ist aufgefallen, dass ihr viel werbt“, entgegnete ihm ein Schüler, worauf Kraus lachend antwortete: „Damit möchten wir nicht die Chance verpassen, dass uns möglichst viele Bürger kennenlernen.“ Der Lokalpolitiker machte deutlich, dass es ihm besonders am Herzen liege, ein offenes Ohr für die Brettener Jugend zu haben. Im Gespräch mit den Jugendlichen erfuhr er im Übrigen auch, dass Facebook wohl bei der jüngeren Generation immer noch beliebt sei.

„Wie können wir das Jugendhaus bekannter machen?“

Ein Thema, das immer wieder zu hitzigen Diskussionen führte, waren die Radwege in der Melanchthonstadt. „Ja, unsere Radwege sind problematisch“, gab Edgar Schlotterbeck von der SPD zu und versprach den Jugendlichen, sich für eine Verbesserung einzusetzen. Mit einem besonderen Anliegen wandte sich ein Jugendlicher an den AfD-Vertreter Andreas Laitenberger: „Wie können wir das Jugendhaus bekannter machen?“ Laitenberger: „Da wurde ein Haus für die Jugendlichen eingerichtet, aber über die Lage hat sich niemand Gedanken gemacht.“ Er bot an, sich mit dem Jugendgemeinderat kurzzuschließen, wie man den Bekanntheitsgrad erhöhen könnte. Auch Oberbürgermeister Martin Wolff hörte als Beobachter aufmerksam zu und zeigte sich erfreut über die gelungene Veranstaltung: „Mit welcher Ernsthaftigkeit die Schülerinnen und Schüler diskutieren und Fragen stellen – das hat mich sehr beeindruckt.“

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