Opterra nimmt Stellung zu Vorwürfen der Grünen-Ortsverbände
"Unsachliche und falsche Vorwürfe"

Die möglichen Standorte der Probebohrungen – dunkel- und hellblau markiert – in den Gewannen "Am Sulzweg" und "Grundreisig". © Opterra
  • Die möglichen Standorte der Probebohrungen – dunkel- und hellblau markiert – in den Gewannen "Am Sulzweg" und "Grundreisig". © Opterra
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Walzbachtal (hk) Am Steinbruch „Lugenberg“ in Walzbachtal scheiden sich die Geister. Dort strebt das Opterra-Zementwerk Wössingen die Erweiterung der Abbauflächen im bestehenden Steinbruch an. Dadurch würden Reserven für weitere acht Jahre gewonnen werden. Für den Fall, dass der Kalkstein dann ebenfalls aufgebraucht sein wird, plant das Unternehmen zudem Erkundungsbohrungen in den Wäldern der Walzbachtaler Gewanne „Am Sulzweg“ und „Grundreisig“, um eventuelle neue Abbaugebiete zu erschließen. "Mit einer breiten Diskussion über unser Vorhaben haben wir durchaus gerechnet. Wir begrüßen eine solche und laden immer wieder dazu ein, in den Dialog mit uns zu treten", teilt die Opterra nun auf Anfrage der Brettener Woche/kraichgau.news mit, nachdem die Ortsverbände der Grünen aus Bretten, Walzbachtal und Königsbach-Stein bekannt gegeben haben, dass sie die Erweiterung des Steinbruchs Lugenberg ablehnen (wir berichteten). In der gemeinsamen Stellungnahme werfen die Ortsverbände dem Unternehmen zudem Umweltverschmutzung durch zu hohe Emmissionen sowie den "Eingriff in die natürliche Umgebung von Wössingen und Dürrenbüchig" durch die geplante Erweiterung des Steinbruchs vor.

Keine „veralteten Technologien“ im Einsatz

Nicht die kritische Hinterfragung des Projektes habe Opterra überrascht. "Was wir jedoch nicht erwartet haben, sind die teils unsachlichen und falschen Vorwürfe, die in dem Statement erhoben werden. Das hat uns sehr irritiert, denn wir sind mit unserem Werk in Walzbachtal Vorreiter in Sachen Umweltfreundlichkeit", teilt eine Sprecherin des Unternehmens mit. Bereits mit dem Bau eines "Vorwärmerturms" vor einigen Jahren und der damit einhergehenden Modernisierung des Herstellprozesses habe man den jährlichen Verbrauch von Wasser um rund 40 Prozent verringern können. Ebenso sei es dem Unternehmen damit gelungen, die CO2-Emissionen um 20 Prozent zu senken. Darüber hinaus habe man als erstes Zementwerk in Deutschland 2012 eine "Dosiereinrichtung für Aktivkohle zur Minderung der Quecksilber-Emissionen" installiert. Noch heute sei das Zementwerk deutschlandweit das Werk mit dem strengsten Emissionsgrenzwert für Quecksilber.

Auch folge die eingesetzte Technik zur Minderung von Emissionen dem anerkannten Konzept der "Besten verfügbaren Technik (BVT)". Es kämen daher nicht, wie fälschlicherweise von den Grünen-Ortsverbänden behauptet, „veraltete Technologien“ zum Einsatz. Erst kürzlich habe eine Begehung des Steinbruchs Lugenberg gemeinsam mit dem beinahe vollständig anwesenden Gemeinderat Walzbachtal und dem Bürgermeister Timur Öczan stattgefunden. "Einen ganzen Nachmittag lang haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vom Azubi bis hin zum Werkleiter – offen und sehr engagiert zu dem regionalen Abbau des Rohstoffes und den zahlreichen Umweltaspekten Rede und Antwort gestanden", betont die Opterra-Sprecherin. Im April dieses Jahres hatte zudem eine weitere Waldbegehung mit Vertretern der regionalen Umweltverbände stattgefunden.

Argumente haben Berechtigung

In der Diskussion um die Steinbruch-Erweiterung müssten, laut Walzbachtaler Bürgermeister Timur Özcan, etliche Aspekte berücksichtigt werden, um sich eine Meinung bilden zu können. Özcan wägt die Vor- und Nachteile für die Gemeinde ab: "Zum einen geht es um einen großen Arbeitgeber im Ort und damit auch um Arbeitsplätze. Auch geht es um Steuereinnahmen für die Gemeinde". Özcan könne das Interesse der Erweiterung der Abbaufläche von Opterra gut nachvollziehen, da langfristige Planungen gemacht werden müssen. Auf der anderen Seite handele es sich bei den gemeindeeigenen Waldflächen um beliebte Erholungsorte. Selbstverständlich müsse auch die Erhaltung der Natur und der Schutz der Umwelt im Auge behalten werden. Letztendlich hätten beide Argumente ihre Berechtigung, fasst Özcan zusammen.

Bohrungen aus Dürrenbüchiger Sicht nicht "wünschenswert"

inen deutlicheren Standpunkt nimmt hingegen der Dürrenbüchiger Ortsvorsteher Frank Kremser ein. Im Regionalplan sei für Dürrenbüchig seit Jahren ein Baugebiet in Richtung Westen, also auf der Seite zum Opterra-Zementwerk, ausgewiesen. Das kollidiere mit den Plänen des Werks, das bestehende Abbaugebiet nach Osten zu erweitern. Hinsichtlich der Probebohrungen, die auch im Grenzbereich zwischen Brettener und Dürrenbüchiger Gemarkung stattfinden sollen, weist Kremser darauf hin, dass es sich dort um ein Naherholungsgebiet handele auf das Dürrenbüchiger, Wössinger und andere Erholungssuchende angewiesen seien. Dort seien ebenfalls Wanderwege ausgewiesen. "Daher sehe ich die Bohrungen als kritisch an. Aus Dürenbüchiger Sicht sind diese nicht wünschenswert“, so Kremser. Lobenswert sei jedoch die frühzeitige Informationspolitik des Werkes, obwohl die „Planungen nicht unbedingt der Vorstellung, die ich hatte, entsprechen“.

Abstimmung über Erkundungsbohrungen am 7. Juni

Die Chance für alle Beteiligten und Interessierten in den Dialog zu treten, bietet sich am 7. Juni um 19 Uhr in der nächsten Sitzung des Walzbachtaler Gemeinderates. An diesem Abend soll die Abstimmung über die Erkundungsbohrungen für den möglichen neuen Steinbruch erfolgen. "Danach wird sich zeigen, wie der Gemeinderat sich hierzu positioniert", so Bürgermeister Özcan. Sollte der Walzbachtaler Gemeinderat seine Zustimmung für das Projekt äußern, sei laut Opterra im nächsten Schritt die Genehmigung der zuständigen Behörde einzuholen, um die Erkundungsbohrungen in den Wäldern der Gewanne "Am Sulzweg" und "Grundreisig" durchzuführen. Die Bearbeitung des Antrages nehme in der Regel vier bis sechs Wochen in Anspruch. Die Erkundungsbohrungen würden von einer Fachfirma durchgeführt werden, versichert die Opterra-Sprecherin und fügt hinzu: "Sie erreichen eine Tiefe von bis zu 80 Metern, ohne das Grundwasser zu berühren. Nach Beprobung des Materials werden die circa zehn Zentimeter großen Bohrlöcher mit Splitt und Quellton dicht verschlossen und mit natürlichem Bodenmaterial abgedeckt."

"Anpassungen, wo immer sie möglich und sinnvoll sind, Raum geben"

Von Anfang an sei es dem Unternehmen wichtig gewesen, mit allen Beteiligten sowohl über die geplante Erweiterung als auch über die Erkundungsbohrungen offen und transparent zu kommunizieren. Dazu würden auch die Gespräche mit Vertretern der Umweltverbände und Begehungen des Steinbruchs mit den Vertretern der Umweltverbände und den Mitgliedern des Gemeinderates Walzbachtal gehören. In der regelmäßig erscheinenden Nachbarschaftszeitung "Dialog" und auf der eigens eingerichteten Website unter www.zement-aus-woessingen.de seien vertiefende Informationen zu finden und auch die Verantwortlichen im Werk geben gerne Auskunft. "Wir sind jederzeit bereit, in eine von Sachlichkeit und Fairness getragene Diskussion einzutreten", betont die Sprecherin von Opterra. Bei einem solch komplexen Verfahren sei es unabdingbar, die einzelnen Schritte rechtzeitig und nachvollziehbar zu erklären.

In diesem Sinne schlägt Opterra auch versöhnliche Töne in Richtung der Ortsverbände der Grünen aus Bretten, Walzbachtal und Königsbach-Stein an: "Unser Vorhaben, mit dem wir in 20 bis 30 Jahren den Neuaufschluss und in frühestens zehn Jahren eine Erweiterung des bestehenden Steinbruchs Lugenberg anstreben, haben wir bereits jetzt öffentlich gemacht. Mit dieser – sehr frühen – Vorstellung wollen wir Anpassungen, wo immer sie möglich und sinnvoll sind, Raum geben." Dazu sei es aber wichtig, dass die von Opterra mehrfach kommunizierte Offenheit für den Dialog angenommen werde.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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