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Die für die Versorgung wichtigen Berufe erfahren während der Corona-Einschränkungen verstärkte Anerkennung
Viel Lob für die Alltags-Helden in der Corona-Krise

Ein Plakat an einer Hauswand lobt die "Helden der Krise".
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  • Ein Plakat an einer Hauswand lobt die "Helden der Krise".
  • Foto: Julian Buchner/ER24
  • hochgeladen von Christian Schweizer
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Bretten/Region (ch/hk) In den zurückliegenden Tagen ist das öffentliche Leben auch in Bretten und der Region schrittweise eingeschränkt worden. Das Ziel haben Landes- und Bundesregierung klar benannt: Die Ausbreitung des Coronavirus, im Fachjargon kurz Covid-19 genannt, soll verlangsamt werden, damit Ärzte und Krankenhäuser nicht mit zu vielen Schwerkranken auf einmal überlastet werden. Deshalb sind inzwischen die allermeisten Beschäftigten nach Hause geschickt worden. Aber was ist mit all denen, die weiterarbeiten müssen, um die Versorgung mit dem Allernötigsten aufrecht zu erhalten? Mit welchen Sorgen und Ängsten schlagen sie sich herum, wie kommen sie damit zurecht und: Wird ihr außergewöhnlicher Einsatz überhaupt gewürdigt?

Sonderlob möchte der Rettungsdienst nicht

Bei Mitarbeitern des DRK-Rettungsdienstes, die oft als Erste mit Erkrankten in Kontakt kommen, ist die Ansteckungsgefahr seit jeher ein ständiger Begleiter, in diesen Tagen umso mehr. „Die Anspannung ist enorm, ich hoffe immer, dass die Schicht gut rumgeht“, sagt der Brettener Rettungsassistent Thomas Fesenbeck. Die Epidemie-Schutzausrüstung aus Nase-Mund-Maske, Schutzbrille, Overall und Handschuhen haben er und sein Teamkollege bei jeder Einsatzfahrt griffbereit. Am Transport von drei Corona-Verdachtsfällen war er schon beteiligt. Nach jedem dieser Einsätze wird das Rettungsfahrzeug einer aufwändigen Prozedur aus „Scheuerwisch-Desinfektion“ und kompletter Einnebelung mit Desinfektionsmittel unterzogen. Die Sanitäter müssen ihre Kleider wechseln und gründlich duschen, erzählt Fesenbeck. Ein Sonderlob möchte er für den Rettungsdienst nicht: „Wir freuen uns über die öffentliche Anerkennung aller Berufsgruppen, die gerade nicht im Home Office arbeiten können.“

"Brauchen entsprechende Finanzierung und Personalausstattung"

In der Notaufnahme der Rechbergklinik wünscht man sich unter anderem, dass „wir für unsere kompetente Arbeit am Menschen eine entsprechende Finanzierung und Personalausstattung erhalten“, so Monika Zink, die sich die Pflegerische Leitung mit Sorina Fahlbusch teilt. Die Stimmung dort sei „trotz der angespannten Lage“ gut: „Der tolle Zusammenhalt im Team bewährt sich nun.“ Das Personal wurde vorsorglich durch Mitarbeiter aus anderen Bereichen verstärkt. Die Schutzmaßnahmen sind streng. Neuzugänge werden telefonisch angemeldet. Das verschafft die nötige Zeit, um bei Covid-Verdacht Isolationsmaßnahmen einzuleiten. Laut Sorina Fahlbusch trägt das Personal zum eigenen und zum Schutz der Patienten sogenannte FFP 2-Masken, also Masken der mittleren Schutzstufe. Direkte Kontakte werden so weit möglich vermieden. Nach ihren Worten reagieren die Patienten „mit viel Verständnis“ und sind „geduldiger“. Auch das Besuchsverbot werde eingehalten.

„Es hat mich sehr berührt, dass da ein Dankeschön zurückkommt“

Dass sich die Menschen an die Vorgaben halten, ist auch Gerhard Legners Eindruck. Der Inhaber des Rewe-Markts im Brettener Kraichgau-Center stellt seit dem vergangenen Samstagnachmittag wieder sinkende Umsätze fest, nach dem Einkaufsboom der beiden Vorwochen. Die Mitarbeiter mussten teilweise Überstunden leisten, um die Regale wieder aufzufüllen. „Mir tun meine Kollegen aus anderen Branchen leid, die ums Überleben kämpfen müssen“, sagt Legner und wünscht, „allen, dass diese Situation schnell vorübergeht und sie diese gesund überstehen.“ Wie inzwischen auch in anderen Geschäften sind an den Kassen, wo auch der Chef mithilft, Schutzscheiben aus Plexiglas montiert. Beim Kassieren hört der Inhaber von Kunden immer wieder Dankesworte. „Es hat mich sehr berührt, dass da ein Dankeschön zurückkommt“, gesteht er. Das helfe, „die Mehrarbeit zu bewältigen.“

"Ich hoffe auf doppelten Lerneffekt aus der Pandemie"

Auch die in letzter Zeit vergrößerte Kundschaft der Brettener Hirsch-Apotheke ist nach Beobachtung von Inhaberin Ariane Maaß „wirklich froh, dass wir noch da sind, um sie mit Medikamenten zu versorgen.“ Es gebe viele Nachfragen zum Coronavirus, und die Kunden deckten sich mit Medikamenten ein, „um nicht so oft raus zu müssen“. „Aber es ist noch alles im Rahmen“, meint die Apothekerin. Medikamente seien ausreichend vorrätig, und die Mitarbeiter versuchten weiter, „die Grundsubstanzen für Desinfektionsmittel zu bekommen, damit wir wieder produzieren können.“ Nicht nur die Kunden drückten ihre Dankbarkeit aus, auch die Ärzte bekundeten „sehr viel Wertschätzung“. Maaß hofft auf einen doppelten Lerneffekt durch die Pandemie: nämlich einerseits, dass die Arzneimittelproduktion künftig „schwerpunktmäßig in Europa und Deutschland stattfindet“, und andererseits, „dass die Menschen die wohnortnahe Versorgung „mehr zu schätzen lernen“.

Lkw-Fahrer als Rückgrat der Versorgung

Ein Rückgrat dieser Versorgung sind die vielen Lkw-Fahrer, die nach Ansicht von Timo Grahm bei allem verdienten Lob für die bereits genannten Berufe zu oft vergessen werden. „Das sind aber Helden wie die anderen auch“, betont der geschäftsführende Gesellschafter der Firmengruppe Wolfmüller. Sein Plädoyer: „Man sollte sie besser behandeln und ihnen mehr Anerkennung zeigen für den harten Job, den sie auch jetzt während der Corona-Krise für uns alle erledigen.“ Die Brettener Spedition hat ihre Sozialräume nicht nur für die eigenen, sondern auch für fremde Brummifahrer geöffnet. Wie in allen befragten Unternehmen wird auch bei Wolfmüller „jetzt noch öfter gereinigt und desinfiziert“. Gesplittete Teams und Home Office sorgen dafür, dass der Betrieb für die Kunden weiterläuft. Auftragseinbrüche bei der Automobilbranche kann die Firma momentan durch zusätzliche Fahrten für andere Branchen wie den Lebensmittelhandel, die Medizintechnik und den Tierfutterhandel kompensieren. Trotz aller Unsicherheiten ist Timo Grahm optimistisch, „dass wir diese Situation gemeinsam meistern“.

„Bleiben Sie gesund“

Ähnlich äußert sich Götz Deufel von der Aral-Tankstelle an der Pforzheimer Straße in Bretten, eine von vielen Stationen, die momentan die Mobilität garantieren: „Ich hoffe, dass die meisten gesund bleiben und ungeschoren davonkommen.“ Ab nächster Woche lässt er in zwei Gruppen arbeiten, die sich nicht begegnen – „zur Sicherheit, falls sich jemand in einer Gruppe infiziert“. „Zur Not gäbe es nur noch eine Bedienung über den Nachtschalter“, meint der Chef. Derzeit müsse er sehr viel im Kopf haben, vor allem die Schutzmaßnahmen für seine Mitarbeiter und Kunden. Die Plexiglasscheiben vor den Kassen hat er eigenhändig angebracht, es gibt Abstandsschilder für die Kunden, Handschuhe sowie Desinfektionsspray und -tücher für die Beschäftigten. Die Schutzvorkehrungen werden von den Kunden honoriert, sagt Deufel. Neuerdings verabschiedeten sich viele mit „Bleiben Sie gesund“.

"Freuen uns über den Dank"

Gesundheit hat auch beim Brettener IT-Systemhaus effzett gegenwärtig höchste Priorität. Unter anderem der sprunghaft gestiegene Bedarf an Home Office-Lösungen schlägt sich in einer höheren Arbeitsbelastung nieder. Dennoch sei die Stimmung „prinzipiell gut“, sagt Jens-Peter Berk, einer der beiden Geschäftsführer und ergänzt: „Allen Mitarbeitern steht es frei, von zuhause zu arbeiten.“ Stärker gefährdete Kollegen wurden nach Hause geschickt. Vorbeugend habe man Vor-Ort-Aktivitäten bei Kunden so weit wie möglich eingeschränkt und so viel wie möglich auf Fernwartung umgestellt. Bei der Frage nach der Anerkennung muss Berk schmunzeln: Die bekomme er bisher „durch die WMV“, sprich den Verlag der Brettener Woche, lässt er einen gewissen Nachholbedarf durchblicken. Erläuternd fügt er hinzu: „IT-Tätigkeiten werden in der Regel als Selbstverständlichkeit angesehen, von daher freuen wir uns immer, wenn sich jemand ausdrücklich bedankt.“

Mehr finden Sie auf unserer Themenseite Coronavirus.

Ein Plakat an einer Hauswand lobt die "Helden der Krise".
Auch an der Kasse sitzen die Helden des Alltags in der Corona-Krise.
Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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