Biotopverbundplanung (BVP) in Bretten
„Wir brauchen ein gemeinsames Miteinander“

Die Biotopverbundplanung (BVP) in Bretten wurde am Donnerstag in einer  Auftaktveranstaltung der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.
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Bretten (kuna) „Es geht darum, den nachkommenden Generationen, den Kindern und Kindeskindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen“, fasste Oberbürgermeister Martin Wolff die Ziele der Biotopverbundplanung (BVP) in Bretten zusammen. Diese wurden in einer Auftaktveranstaltung im Hallensportzentrum "Im Grüner" am Donnerstag der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. „Wir brauchen ein gemeinsames Miteinander“, erklärte Wolff und blickte dabei insbesondere auf die versammelten Landwirte, die Vertreter des Naturschutzes und der Jagd.

„Dringender Handlungsbedarf notwendig“

Am 27. Juli letzten Jahres beschloss der Brettener Gemeinderat einstimmig den Beschluss zur Erstellung einer Biotopverbundplanung in Bretten und erhielt dafür eine Förderung von 61.000 Euro vom Landratsamt Karlsruhe. Bei einem Biotopverbund handelt es sich um ein Netzwerk von Biotopen. Es soll sichergestellt werden, dass Lebensräume miteinander vernetzt sind und Tiere und Pflanzen einen zusammenhängenden Naturraum haben. Durch Bebauungen, Straßen oder andere Eingriffe in die Natur sind solche Netzwerke zunehmend gestört, was zum Artenschwund führt. Für die Planung der Biotopverbunde arbeitet die Stadt Bretten mit dem Heidelberger Fachplanungsbüro Bioplan zusammen. „Es ist dringender Handlungsbedarf notwendig“, erklärte Elena Schuster von Bioplan. „In Baden-Württemberg sind 40 Prozent der Tierarten als bedroht eingestuft.“

Maßnahmen voraussichtlich ab 2024 umsetzbar

Zehn Prozent der Fläche eines jeden Bundeslandes ist seit 2002 laut Bundesnaturschutzgesetz für die BVP vorgesehen. Das Land Baden-Württemberg hat sich verpflichtet, bis 2030 eine Fläche von 15 Prozent des Offenlandes für die BVP festzulegen. Die Stadt Bretten befindet sich noch am Anfang. Zunächst muss die Datengrundlage ausgewertet werden, in diesem Schritt befinde man sich aktuell, so Schuster. An dieser Stelle sei die Stadt auf Unterstützung angewiesen, hob auch Christian Erbe, Biotopverbund-Berater des Landschaftserhaltungs-Verbands Landkreis Karlsruhe hervor: „Top-Ortskenner“ wie Jäger oder Landwirte könnten sich einbringen, indem sie Flächen an das Planungsbüro melden, die noch nicht in den Plänen vermerkt sind. Die Stadt plant den Biotopverbund auf der Grundlage eines Fachplans, der öffentlich einsehbar ist. „Ein relativ transparenter Prozess“, so Erbe. Mithilfe dieses Plans werden im nächsten Schritt die Arten vermerkt, die sich in den jeweiligen Biotopen befinden. Im Anschluss könne das Planungsbüro die notwendigen Maßnahmen ableiten, erklärte Schuster. Dieser Prozess soll in Bretten bis 2024 abgeschlossen sein.

Imageförderung für Stadt und Landwirtschaft

Die Vorteile der BVP liegen laut Schuster neben der finanziellen Förderung auch in der Imageförderung für Stadt und Landwirtschaft. Durch die Unterstützung der Biotope erlange Bretten ein „naturfreundliches Image“. Auch die teilnehmenden Landwirte könnten demnach von dem Imagegewinn profitieren, wenn sie etwa an den betroffenen Bereichen Schilder aufstellen, die über die laufenden Maßnahmen informieren. Weiterhin erlange die Stadt einen Überblick über die „Entwicklungspotentiale“ im Naturraum der Gemeinden und leiste einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und der Natur, so Schuster.

„Maßnahmen, die nicht für die Schublade sind“

Angesichts der Kritik der versammelten Landwirte erklärte Corinna Graus von Bioplan, dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen der BVP und der Biotopvernetzung der 90er Jahre geben würde. „Viele Anpflanzungen waren nicht zielführend. Landwirte oder Eigentümer wollten zum Beispiel keine Hecke auf eine offene Fläche pflanzen“, so Graus. Mit der BVP wolle man nun „Maßnahmen erstellen, die nicht für die Schublade sind.“ Auch Wolff räumte im Hinblick auf die Landwirtschaft ein: „Da stimmt was nicht. Früher haben zehn Hektar gereicht, um eine Familie zu ernähren.“ Dass so etwas heute nicht mehr möglich ist, erklärte er vor allem mit der Globalisierung. „Die Welt hat sich gewandelt – irgendwo muss man die Zeche bezahlen. Man wollte es immer bequem haben, hat im Internet bestellt und Ware in China herstellen lassen“, so Wolff. Nun gelte es aber, die Welt „Stück für Stück besserzumachen.“ Dafür seien die Landwirte ein wichtiger Partner der Stadt.

Beobachtungen der Öffentlichkeit gewünscht

Auch im Hinblick auf den Naturschutz gab es kritische Stimmen. So bat etwa Nicole Schneider-Götz darum, erst einmal den Ist-Zustand zu ermitteln und zum Beispiel auch Streuobstwiesen zu berücksichtigen, die nicht in den Plänen erfasst sind. Erbe stimmte ihr zu und erklärte: „Es ist wichtig, bisher unbekannte Flächen zu erfassen.“ Dabei würden die Beobachtungen der Öffentlichkeit helfen, etwa diejenigen von Schneider-Götz, die im nächsten Schritt an das Planungsbüro zu melden wären. "Es geht darum, das zu sichern, was wir haben", unterstrich Graus. „Das ist eine ganz andere Herangehensweise als in den 90ern.“

Autor:

Kathrin Kuna aus Region

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