Alkohol und Drogen im stillen Kämmerlein: Brettens „Kümmerer“ zieht Fazit seines ersten Amtsjahres

Bei über 40 Prozent der Testkäufe konnten Jugendliche Produkte erwerben, die für unter 18-Jährige eigentlich nicht verkäuflich sein sollten.
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Vor genau einem Jahr, am 20. Juni 2017, wurde Michael Krüper vom Gemeinderat Bretten zum neuen Jugendschutzbeauftragten, auch „Kümmerer” genannt, bestellt. Zeit für ein Fazit.

Bretten (hk) Vor genau einem Jahr, am 20. Juni 2017, wurde Michael Krüper vom Gemeinderat Bretten zum neuen Jugendschutzbeauftragten, auch „Kümmerer” genannt, bestellt. Damit trat der heute 54-jährige Schwimmmeistergehilfe in die Fußstapfen von Hans Schmitt, der sich nach fünfzehn Jahren präventiver Jugendarbeit in den Ruhestand verabschiedet hatte. In der jüngsten Gemeinderatssitzung ließ Krüper die vergangenen zwölf Monate nun Revue passieren.


Alkohol- und Drogenkonsum mehr im privaten Bereich

„Es ist schwieriger, beziehungsweise unmöglich geworden, einzugreifen“, stellte er dabei ernüchtert in seinem Jahresbericht fest und sprach damit den offenen Alkohol- und Drogenkonsum an, der sich von der Öffentlichkeit zunehmend in den privaten Bereich verlagert habe. Tägliche Rundgänge von zwei bis drei Stunden in Bretten und den Stadtteilen hätten ihn zu diesem Schluss kommen lassen. Daher seien ihm auch Fälle von Drogenmissbrauch nicht bekannt. Dazu informierte Oberbürgermeister Martin Wolff, dass die Beobachtungen des Kümmerers sich mit denen des Polizeireviers Bretten deckten. „Umso wichtiger ist es, die Jugendlichen in Jugendtreffs und Schulen zu erreichen und dort Aufklärung zu betreiben“, so Krüper.

Kümmerer wird auf Peter-und-Paul unterwegs sein

Deutlich besser zu erreichen seien Kinder und Jugendliche auf Großveranstaltungen wie dem Peter-und-Paul-Fest. Am Fest-Freitag und -Samstag 2017 war Krüper mit den Jugendschutzteams des Landratsamtes bis zwei Uhr nachts unterwegs. Auf seinen dortigen Rundgängen stellte der Kümmerer bei vielen Kindern und Jugendlichen einen auffälligen Alkoholkonsum fest und hatte nach einem Gespräch die jungen Menschen ihren Eltern übergeben. Auf solchen Rundgängen bestehe die Schwierigkeit vor allem darin, alkoholische Getränke überhaupt zu erkennen. „Inzwischen füllen sich viele ihre Getränke in Thermobecher oder Saftflaschen ab, bei denen auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, worum es sich dabei handelt", erklärte Krüper. „Wünschenswert wäre es aus meiner Sicht, wenn an allen Tagen während des Peter-und-Paul-Festes Jugendschutzteams vor Ort tätig sein könnten“, so Krüper. Auch er werde in diesem Jahr wieder unterwegs sein. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit – oder wie Krüper es nennt, seine „Berufung” – habe er sich sogar von seinem Arbeitgeber freistellen lassen. „Ich helfe, wo ich gebraucht werde”, betonte der engagierte 54-Jährige.

"Cannabis wird uns noch sehr beschäftigen"

Martin Knecht (CDU) schlug vor, die Getränkepreise auf dem Peter-und-Paul-Fest zu überdenken und mindestens ein alkoholfreies Getränk deutlich günstiger anzubieten, um den Jugendlichen entgegenzukommen. „Vielleicht wäre da manch ein Jugendlicher einsichtiger”, hofft Knecht. Bernd Neuschl (CDU) stellte zur Diskussion, ob man abends das Mitnehmen von Getränken, ähnlich wie es auf der Open-Air-Veranstaltung „Das Fest” in Karlsruhe gehandhabt wird, mit Kontrollen an den Kassen unterbinden könne. Dem entgegnete Sibille Elskamp (die aktiven), dass dies schon mehrfach diskutiert worden sei. Sie zweifle an der Umsetzung, die die Vereinigung Alt-Brettheim gemeinsam mit der Stadt Bretten erarbeiten müsse: „Das ist ein riesen Aufwand.” Illegale Drogen spielen laut Krüper auf Großveranstaltungen in Bretten hingegen keine Rolle, auch nicht bei „Bretten live” – mit Ausnahme von Cannabis, ein Thema, das auch vor Bretten keinen Halt gemacht habe und das „uns in naher Zukunft noch sehr beschäftigen wird”, so Krüper.

Negative Bilanz bei Testkäufen

Sehr beschäftigt haben Krüper auch die erschreckend negativen Auswertungen der Testkäufe im Handel. „Im Oktober 2017 wurden in Bretten wieder Testkäufe zur Überwachung der Jugendschutzgesetze durchgeführt, bei denen ich als stiller Beobachter dabei war”, so der Kümmerer. Das Ergebnis habe selbst ihn überrascht: Bei über 40 Prozent der Testkäufe konnten Jugendliche Produkte erwerben, die für unter 18-Jährige eigentlich nicht verkäuflich sein sollten. Wie Simon Bolg vom Ordnungsamt erklärte, wurden alle Verkäufer im Anschluss über den Testkauf unterrichtet. Die Testkäufe verfolgen auch den Zweck, Schwachstellen im Umgang mit den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes aufzudecken und zu erörtern. „Wir haben das Gespräch mit den Verkäufern gesucht und gefragt, warum es nicht geklappt hat”, so Bolg. Bei Verstößen wurden Bußgelder verhängt.

Krüper absolvierte Weiterbildung zum Gewaltpräventionstrainer

Während das Thema Suchtprävention im Zentrum seiner Arbeit steht, ließ sich Krüper auch zum Gewaltpräventionstrainer weiterbilden, denn „die Themen Alkohol, Sucht und Gewalt liegen sehr eng beieinander”, erläuterte er dem Rat. Auf Nachfrage von Heidemarie Leins (FVW), betonte Krüper allerdings, dass ihm bisher noch kein Jugendlicher „blöd gekommen ist”. Im Gegenteil: Er habe festgestellt, dass seinem Amt eine sehr positive Einstellung entgegengebracht werde.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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