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Emoji - Migrationsfamilien stärken
"Leiden der Kinder ist eher unsichtbar"

Das Emoji-Team aus Michael Diem, Patricia Böckle, Mina Schäfer und Birgit Eisenhuth-Meister (von links) mit dem Referenten Andreas Mattenschlager (Mitte).
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  • Das Emoji-Team aus Michael Diem, Patricia Böckle, Mina Schäfer und Birgit Eisenhuth-Meister (von links) mit dem Referenten Andreas Mattenschlager (Mitte).
  • Foto: Diakonisches Werk
  • hochgeladen von Katrin Gerweck

Bretten (ger) Eine bunt gemischte Runde begrüßte Rüdiger Heger, Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Landkreis, Ende September in der Stiftskirche. Akteure der evangelischen Kirche, der Stadt, aus Erziehungsberatungen, Schulen und Jugendämtern sowie Integrationsbeauftragte aus der Region waren gekommen, um sich das Emoji-Projekt der psychologischen Beratungsstelle vorstellen zu lassen. Dabei handelt es sich um ein Angebot, das speziell Familien mit Migrations- und Flüchtlingshintergrund in den Blick nimmt.

Psychologische Beratungsstelle in Bretten

Die Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Diakonischen Werks in Bretten steht kostenfrei offen für alle, die Hilfe suchen bei Erziehungsthemen, bei Konflikten in der Familie, bei Problemen in Kindergarten und Schule, bei Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Störungen. Das professionelle Beratungsteam aus den Fachrichtungen Heilpädagogik, Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Psychologie untersteht der Schweigepflicht. Gerade Familien, die in den letzten fünf Jahren aus Krisengebieten nach Deutschland gekommen sind, nehmen das Angebot bisher aber sehr wenig wahr.

Vernetzung auf vielen Ebenen

Vor knapp einem Jahr hat das Emoji-Team daher begonnen, mit dem von der Evangelischen Landeskirche ins Leben gerufenen Projekt konkret diese Kreise anzusprechen. Fachbereichsleiterin Birgit Eisenhuth-Meister, Patricia Böckle, Mina Schäfer und Michael Diem haben Formate entwickelt, die auf Kinder mit Fluchterfahrungen zugeschnitten sind, und sie haben sich – ganz wichtig – auf vielen Ebenen vernetzt, um gezielt Unterstützung leisten zu können.
Vor der konkreten Projekt-Vorstellung umriss Andreas Mattenschlager von der Caritas Ulm seine Arbeit. Schon seit 2015 bietet er Therapieprojekte für traumatisierte Flüchtlingskinder und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an. „Die Regelversorgung reichte nicht aus“, erläuterte er den Grund für den Projektstart, der bereits 2014 erfolgt ist.

Erwartung, dass Kinder "etwas werden müssen"

Neben Kultursensibilität nannte er vor allem die Sprachmittlung durch Dolmetscher einen wichtigen Aspekt, auch wenn die Kinder und Jugendlichen schnell Deutsch lernten. Zu beachten sei der Druck, der auf den Kindern laste. Da die Familien oftmals wegen der Kinder geflohen seien, sei die Erwartung an sie, „etwas zu werden“, wenn auch oftmals nur unterschwellig, da. Und: „Bei den Großfamilien laufen die Kinder oft nebenher. Daher ist ihr Leiden, das sie auf der Flucht oder in Gemeinschaftsunterkünften, die per se kein Ort für Kinder sind, erfahren haben, eher unsichtbar.“ Zentral für eine gelingende Integration sei auch der Aufenthaltstitel. Wer nur geduldet ist und jederzeit mit einer Abschiebung rechnen muss, könne sich viel schwerer einlassen. „Ihr Projekt stößt in eine Lücke“, konstatierte Mattenschlager und wünschte dem Emoji-Team viel Erfolg.

Zeit in geschütztem Raum

Patricia Böckle, Mina Schäfer und Michael Diem berichteten im Anschluss konkret über den Workshop für Kinder zwischen acht und zehn Jahren, den sie in den Sommerferien angeboten hatten. Ganz wichtig war dabei, zuerst einmal das Vertrauen der Familien zu gewinnen. So habe es anfangs Gespräche mit den Eltern gegeben, um sich gegenseitig kennenzulernen, und bei einem gemeinsamen Abschluss haben die Kindern ihren Eltern gezeigt, was sie erlebt hatten. Das Programm für die Kinder habe in einem geschützten Raum stattgefunden. Basteln, Spielen und wiederkehrende Rituale hatten für Spaß und Sicherheit gesorgt. Es sei darum gegangen, Freundschaften zu schließen, über eigene Erfahrungen und Gefühle zu sprechen und damit das Selbstbild zu stärken.
Weitere Gruppenangebote, als nächstes in Kooperation mit den Vorbereitungsklassen an der Hebelschule, sind nun in Planung und sollen kontinuierlich weiter ausgebaut werden. Wer sich angesprochen fühlt, bekommt weitere Infos unter www.diakonie-laka.de/bretten beim Diakonischen Werk in Bretten.

Autor:

Katrin Gerweck aus Bretten

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