„Brandschutz ist zu oft der Sündenbock”: Interview mit Kreisbrandmeister Thomas Hauck

Kreisbrandmeister Thomas Hauck. lra
 
Der Bronnerbau am Melanchthon-Gymnasium Bretten soll generalsaniert werden. Ein großer Kostenanteil entfällt dabei auf den Brandschutz. (Foto: pa)

Die Investitionen in den Brandschutz an öffentlichen Gebäuden belasten auch den Haushalt in Bretten mit hohen Summen. Über die Notwendigkeit dieser Maßnahmen und über den Zustand der Freiwilligen Feuerwehren in Bretten und dem Landkreis hat die Brettener Woche mit Kreisbrandmeister Thomas Hauck gesprochen.

Bretten (swiz) Die Investitionen in den Brandschutz an öffentlichen Gebäuden belasten auch den Haushalt in Bretten mit hohen Summen. Über die Notwendigkeit dieser Maßnahmen und über den Zustand der Freiwilligen Feuerwehren in Bretten und dem Landkreis hat die Brettener Woche mit Kreisbrandmeister Thomas Hauck gesprochen.

Die Umsetzung der Brandschutz-Richtlinien fordert hohe Investitionen der Gemeinden und Städte. Warum werden die Anforderungen immer höher oder ist das ein falscher Eindruck?
Diesen Eindruck kann ich so nicht bestätigen. Der vorbeugende Brandschutz ist leider allzu oft der Sündenbock für die Beseitigung massiver Baumängel aus den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Zum anderen steigt natürlich das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und dennoch ist meines Erachtens die Preissteigerung im energetischen Bereich weitaus höher als beim Brandschutz. Nach meiner Erfahrung werden allgemeine Kostensteigerungen, welche oftmals auch in der Bauweise begründet sind allzu gerne dem Brandschutz angelastet, da dieser dann den architektonischen Wünschen angepasst werden muss. Fazit: Wenn wir bauen würden wie vor hundert Jahren wäre auch die Kosten im Brandschutz entsprechend niedrig.

Was genau macht diese Brandschutz-Investitionen an Gebäuden im öffentlichen Raum so teuer?

Teuer sind im Leben eigentlich immer die Sonderwünsche welche von der Regel abweichen. Und dies gilt, ob sie nun ein Auto kaufen oder ein Haus bauen. Nehmen wir zum Beispiel den Schulhausbau im Bestand. Diese Sondergebäude orientieren sich an der Nutzung. Wir wissen, dass die Unterrichtsanforderungen von heute ganz andere sind als vor 30 Jahren. Die Gebäude sind in ihren Grundzügen immer noch dieselben. Die Räumlichkeiten dieser Bestandsgebäude den schulischen Anforderungen unserer Zeit anzupassen ist teilweise schon rein technisch ohne Berücksichtigung der immensen Kosten kaum zu bewerkstelligen. Bei den Verwaltungsgebäuden, Versammlungs-, Kultur- und Sportstätten ist es nicht anders. Gebäude haben eben den Nachteil, dass sie eine wesentlich längere Lebensdauer haben als ein Kraftfahrzeug. Dort kostet Sicherheit auch Geld, aber dies wird als Fortschritt spätestens alle zehn Jahre positiv angenommen und bezahlt.

Haben Sie das Gefühl, dass die Notwendigkeit eines modernen Brandschutzes im Bewusstsein der handelnden Personen in den Verwaltungen schon vollkommen angekommen ist?

Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass sich die kommunalen Mandatsträger dieser Verantwortung voll und ganz bewusst sind. Gleichzeitig habe ich Verständnis dafür, wenn vor dem Hintergrund der hohen finanziellen Aufwendungen auch einmal die eine oder andere Maßnahme in Frage gestellt wird. Meine Erfahrung zeigt, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt und bei frühzeitiger Beteiligung des Brandschutzes auch Kosteneinsparungen möglich sind.

Die Stadt Bretten mit ihren Stadtteilen hat eine starke Freiwillige Feuerwehr. Wie beurteilen Sie die Einsatzbereitschaft der Wehr? Ist die Mannschaftsstärke der Wehren im Landkreis allgemein ausreichend oder herrschen Nachwuchssorgen?
Die Freiwillige Feuerwehr Bretten ist sehr gut aufgestellt. Die Führungsmannschaft um Karlheinz Leichle macht einen hervorragenden Job. Die Feuerwehrangehörigen haben einen sehr hohen Leistungsstand und sind in allen Abteilungen äußerst engagiert. Bretten hat darüber hinaus die mitgliederstärkste Feuerwehr im Landkreis. Nachwuchssorgen haben wir dank einer landkreisweit sehr gut aufgestellten Jugendfeuerwehrarbeit und Personalwerbung momentan nicht. Hier muss man ständig am Ball bleiben. Dies gilt vor allem auch für die hauptamtliche Unterstützung des Ehrenamtes. Hier kann die Stadtverwaltung Bretten im Vergleich zum Landkreis noch etwas nachlegen.

Die Arbeit bei der Feuerwehr ist anstrengend, zeitintensiv und je nach Einsatz auch psychisch sehr belastend. Haben Sie das Gefühl, dass die Arbeit der Frauen und Männer von der Bevölkerung noch hoch genug geschätzt wird? Oder haben Akzeptanz und Respekt nachgelassen?
Einsätze mit Personenschäden bringen die Einsatzkräfte aller Hilfsorganisationen oftmals an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Dies wird von der Masse der Bevölkerung immer noch akzeptiert und respektiert. Nachgelassen hat auf jeden Fall die Akzeptanz, wenn durch Maßnahmen der Feuerwehr „meine persönliche Freiheit“ eingeschränkt werden muss. Dann geht auch ab und an der Respekt und die „gute Kinderstube“ verloren.

Immer wieder wird in der jüngeren Vergangenheit auch von Gewalt gegenüber Rettungskräften berichtet. Ist dieses negative Phänomen auch bei den Feuerwehren im Landkreis Karlsruhe zu beobachten?
Zum Glück hatten wir Im Landkreis noch keine tätlichen Angriffe. Verbale Beschimpfungen waren aber schon öfter zu beklagen.


Wie sehen Sie denn die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr auf lange Sicht?
Von der Zukunftsfähigkeit des Erfolgsmodells - Freiwillige Feuerwehr - bin ich fest überzeugt. Diese Bürgerinitiative aus den Tagen der badischen Revolution war über Jahrzehnte fest in der Gesellschaft verankert. Der Gedanke der ehrenamtlichen, selbstlosen Nächstenhilfe braucht heute die Unterstützung der großen und kleinen Politik. Wenn dies mit der notwendigen Ernsthaftigkeit verfolgt wird, werden sich auch zukünftig Menschen finden die unsere Hilfsorganisationen mit Leben erfüllen. Ehrenamtsförderung entlastet darüber hinaus die öffentlichen Haushalte ganz enorm.

Die Fragen stellte Brettener Woche/kraichgau.news-Redaktionsleiter Christian Schweizer
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