Negele gibt Vorsitz bei Nußbaumer "Backkörb" ab
"Möchte mehr Zeit haben"

Paul Negele. Foto: hk

Neulingen (hk) Er ist seit der Gründung dabei und hat in den letzten 20 Jahren als Vorsitzender maßgeblich zum Erfolg des Nußbaumer Theatervereins beigetragen: Nun hat Paul Negele Ende letzten Jahres sein Amt als Vorsitzender bei den "Backkörb" abgegeben. Im Gespräch mit der Brettener Woche/kraichgau.news blickt er auf Höhen und Tiefen seiner Amtszeit zurück.

Herr Negele – wie sind Sie zu den “Backkörb” gekommen?
Das war bei dem Backkorb-Straßenfest, als ich mit ein paar Leuten zusammengesessen habe und gefragt wurde, ob ich nicht mitmachen möchte. Das müsste 1990 gewesen sein, gerade als die Backkörb mit großem Erfolg zu spielen begonnen haben. Ich selbst war damals ganz frisch nach Nußbaum gezogen.

Wie ging es dann weiter?
Irgendwann habe ich zusätzlich angefangen, zuerst kleine Theaterstücke für Auftritte bei Geburtstagen, Vereinsfesten oder bei Betriebsfeiern zu schreiben. Als abzusehen war, dass Albrecht Hascher, der Gründer der Backkörb und der damalige Theatervorstand aus Altersgründen nicht mehr kann, habe ich zwei Jahre in Heidelberg einen Kurs für Theaterpädagogik besucht. Erst dann habe ich es mir zugetraut, seine Stelle anzunehmen.

Was hat Sie am Theaterspielen gereizt?
Wer einmal auf der Bühne gestanden ist, der möchte es wieder. Das ist einfach so. Man wird ein ganz anderer Mensch, wenn man auf der Bühne steht. Da kann man auch mal Blödsinn machen und die Zuschauer freuen sich (lacht).

Und die Stücke haben Sie ja auch selber geschrieben …
Richtig. Wenn ich weiß, wer mitspielt, schreibe ich die Stücke zugeschnitten auf die Schauspieler. Wenn mein Gerüst steht, dann gibt jeder noch seinen Senf dazu. So wird es zum Schluss eine gemeinsame Arbeit und das finde ich ist auch das Beste. Wichtig ist, dass sich die Handlung immer in Nußbaum ereignet.
Ein Stück zu kaufen ist sehr teuer. Das kostet mehrere tausend Euro für so viele Zuschauer wie wir haben. Außerdem muss dann das Stück trotzdem möglichst noch verändert werden und das verbieten die Verlage.

Was ist das Besondere an den Theaterstücken der Backkörb?
Innerhalb der Stücke gibt es Lieder, passend zur Handlung. Und am Schluss singen wir immer das Nußbaumer Heimatlied. Obwohl die meisten Zuschauer nicht Nußbaumer sind – viele kommen von sehr weit her – singen alle mit und fast alle können den Text schon auswendig.

Besonders ist auch, dass die Stücke in Mundart sind.
Ja, genau! Wobei uns auch egal ist, wenn eine andere Mundart dabei ist. Wir hatten schon jemanden dabei, die aus Aschaffenburg kommt und in ihrer Mundart gespielt hat. Und bei mir war es am Anfang so – ich komme ja aus dem Württembergischen – dass ich immer die Verbrecher-Rollen spielen durfte, weil die Badener und die Württemberger … Sie wissen schon. Verbrecher habe ich viele gespielt, aber einen jugendlichen Liebhaber zum Beispiel durfte ich nie spielen (lacht).

Warum ist es so schwierig, neue, junge Vereinsmitglieder zu gewinnen?
Mitglieder hatten wir von Anfang an viele. Nun ist es aber so, dass viele, die vor 30 Jahren zu uns kamen, jetzt 60 Jahre alt sind. Und zusätzlich sind in den letzten zwei Jahren acht Vereinsmitglieder gestorben, was für uns ein herber Verlust ist. Die jungen Leute sagen, das ist was für Alte – und das kann ich auch verstehen, weil die jungen Leute auch nicht mehr unsere Mundart verstehen. Eine besondere Herausforderung ist unser Kindertheater. Da ist es schwierig den Kleinen Mundart beizubringen, weil in der Schule und Zuhause meistens Hochdeutsch gesprochen wird. Von denen verlange ich natürlich nicht, dass sie Mundart reden sollen. Die sollen so reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist (lacht).
Dabei kann man mit Mundart manche Sachen so treffend sagen! Es gibt spezielle Wörter, die es im Hochdeutsch eben nicht gibt. Und diese Art, etwas so treffend in Mundart zu beschreiben, das gefällt unseren Zuschauern sehr. Wer einmal bei uns war, der kommt wieder!

Durch das Theaterspielen halten Sie also auch die Mundart am Leben …
Das ist auch der Grund, warum unser Verein als gemeinnützig anerkannt ist, da wir Mundart und Kultur fördern.

Wie hat der Verein die Corona-Pandemie überstanden?
Vorletztes Jahr wollten wir an drei Wochenenden spielen. Da haben wir noch nicht geglaubt, dass das wirklich so schlimm ist mit Corona. Und auch der Kartenverkauf hatte schon begonnen. Aber dann durften wir nach zwei Auftritten nicht weiterspielen. Erst letztes Jahr konnten wir dann am ersten Oktober-Wochenende drei Aufführungen machen. Die Weiherhalle war vermutlich wegen Corona nur zum Teil gefüllt und die, die kamen, hatten ihre Karten schon im vorletzten Jahr gekauft. Manche kamen auch nur, um ihr Geld zurückzufordern, sodass wir durch die Eintrittskarten gar keine Einnahmen hatten. Wir müssen aber die Hallenmiete bezahlen. Da haben wir im Grunde genommen an dem Wochenende, als wir gespielt haben, drei Mal drauf bezahlt. Und das ist eigentlich schade. Aber es war trotzdem notwendig, damit wir mal wieder gespielt haben und Publikum hatten.

Können Sie denn überhaupt für die kommende Zeit planen?
Wir müssen planen. Es ist nämlich so, dass unsere Aufführungen normalerweise am zweiten Samstag nach Aschermittwoch beginnen. Und das wissen unsere Zuschauer die oft von weither kommen und sie richten sich darauf ein. Im Januar muss dann intensiv geprobt werden, sodass wir Mitte März spielen können.

Und nun soll also Schluss sein?
Seit 20 Jahren bin ich der erste Vorsitzende. So langsam müssen die Jüngeren ran, sonst hat das keinen Wert (lacht).

Warum das?
Jetzt kann ich noch beratend mithelfen. Wenn noch ein paar Jahre gewartet wird, kann ich das vielleicht nicht mehr. Und deswegen muss es jetzt sein. Außerdem möchte ich noch ein bisschen mein Leben genießen.

Worauf freuen Sie sich?
Wir haben uns ein Wohnmobil gekauft. Meine Frau ist gebürtige Schweizerin und sie möchte in die Berge und Ski fahren. Und das war bei mir immer das Problem, dass ich im Winter wegen den Proben keine Zeit hatte. Einmal bin ich vom Montafon, wo ich beim Schifahren war, abends zur Probe nach Nußbaum und morgens dann wieder auf die Piste gefahren. Für solche Dinge möchte ich jetzt einfach mehr Zeit haben.

Wie hat der Verein auf Ihren Entschluss reagiert?
Zuerst hat es mir niemand geglaubt, dass ich das alles aufgeben möchte. Ich glaube, viele haben gedacht, dass ich doch noch weitermachen werde. Die ehrenamtliche Arbeit, die nur ich alleine gemacht habe, wurde daraufhin aufgeteilt. Aktuell machen meinen Job vier Vereinsmitglieder. Und das ist auch richtig so! Ein Verein besteht aus Mitgliedern, die mitarbeiten und nicht aus einem, der alles macht. Und ich bin zuversichtlich, dass das künftig sehr gut funktionieren wird.

Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Als Verein konnten wir viel an karitative Einrichtungen in der ganzen Umgebung spenden. Bei einem der ersten Male, als die Backkörb gespielt haben, kamen rund 9000 D-Mark zum Spenden zusammen. Und da sind sie mit dem Geld und dem damaligen Bürgermeister Britsch nach Bonn zum Sitz von Aktion Sorgenkind gefahren. Dort angekommen haben sie trotz Anmeldung niemanden gefunden, dem sie das Geld übergeben konnten. Die Backkörb waren so enttäuscht! Und daraufhin haben sie gesagt, dass sie das nicht mehr machen und lieber Institutionen in der Umgebung suchen. Seitdem haben wir zum Beispiel den Paula-Fürst-Schulkindergarten mit einer Spende bedacht oder vor kurzem eine Einrichtung in Pforzheim für geistig behinderte Kinder. Und diese Freude – das ist einfach was ganz anderes. Ein kleiner Teil der Spenden kommt aber auch immer der Gemeinde in Nußbaum zugute, zum Beispiel haben wir mal mehrere Sitzbänke gestiftet und auch der Kindergarten und die örtliche Schule bedenken wir mit einer Spende.
In Erinnerung bleiben wird mir auch unser Theaterhäusle. Weil das Gebäude vorher eine Kirche war, haben wir uns mit dem Umbau schwergetan. Bei einer Kirche ist ja so, da passt von oben einer auf, dass nichts passiert. Also ist auch kein Brandschutz nötig (lacht). Und weil bei uns keiner aufpasst, wurden viele Sachen beim Umbau verlangt. Aus ursprünglich 70.000 Euro an Kosten wurden dann 170.000 Euro, die wir jetzt noch abzahlen. Trotzdem ist das Theaterhäusle wichtig, weil wir dort unsere Requisiten haben oder proben können. Außerdem war es uns von Anfang ein Anliegen, dort Kleinkunst vorzuführen, also kleine Theaterstücke, oder um dort ältere Zuschauer einzuladen. Das soll hoffentlich bald anlaufen.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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