Strengere Absonderungs-Regeln
Brasilianische und südafrikanische Corona-Varianten auch in der Region

Enzkreis/Pforzheim (kn) Im Bereich des Gesundheitsamts Enzkreis, das auch für Pforzheim zuständig ist, haben sich mittlerweile 44 Menschen mit der südafrikanischen Variante des Corona-Virus angesteckt, davon allein zwölf aus Pforzheim. Dies hat das Landratsamt Enzkreis mitgeteilt. In weiteren zwölf Fällen hatte sich ein Anfangsverdacht bei der nachträglichen Sequenzierung der Proben nicht bestätigt. Bei drei Personen wurde eine Infektion mit der brasilianischen Mutation festgestellt, eine dieser Personen lebt im Enzkreis, die beiden anderen in Pforzheim. Inzwischen sind mehr als zwei Drittel aller Positiven mit der britischen Variante infiziert.

Besonderes Augenmerk auf die indische Variante

Die indische Variante des Corona-Virus, eine sogenannte Doppelmutation, ist bislang noch nicht aufgetaucht. Dabei verändert das Virus nicht nur ein Merkmal, sondern zwei, was diesen Virenstamm nach Angaben des Gesundheitsamtes noch gefährlicher machen könnte. „Wir haben ein ganz besonderes Augenmerk auf Menschen, die vor ihrer Einreise nach Deutschland in Indien gewesen sind“, sagt Dr. Brigitte Joggerst, Leiterin des Gesundheitsamts. Auch bei Personen, die positiv getestet wurden und sich möglicherweise bei Menschen mit der indischen Variante angesteckt haben könnten, schaue man sehr genau hin. „Beispielsweise rufen wir in diesen Fällen nicht nur die Infizierten täglich an, sondern auch deren Kontaktpersonen.“

Für Infektionsvarianten gelten strengere Regeln

Bei der brasilianischen und der südafrikanischen Variante gelten ebenfalls strengere Regeln als bei den „normalen“ Patienten, insbesondere für die Kontaktpersonen: Sie müssen auch dann in Quarantäne, wenn sie bereits eine Infektion hinter sich haben oder geimpft worden sind. „Wir wissen noch zu wenig über die neuen Mutanten und folgen hier der Empfehlung des RKI“, sagt die Joggerst. Der Hintergrund: Es könne sein, dass die Immunabwehr der Genesenen oder Geimpften auf diese Virus-Stämme nicht in vollem Umfang anspricht.

"Viel Unverständnis für diese Maßnahme"

„Wir erleben am Telefon viel Unverständnis für diese Maßnahme“, gibt die Ärztin zu. Das liege zum Teil auch daran, dass das Gesundheitsamt schon auf den Verdacht hin reagiere, dass es sich um eine Variante handeln könnte: „Das Problem ist, dass wir die Testauswertung sehr schnell bekommen, die Sequenzierung, also die Virus-Bestimmung, jedoch ungefähr eine Woche länger dauert. Deshalb kann es auch vorkommen, dass Quarantänezeiten nochmals verändert werden müssen.“ Sie rate, so Joggerst, im Übrigen auf jeden Fall zu einer Impfung, "auch wenn das nicht immer die Quarantäne vermeiden hilft".  Die Impfung schütze nach allem, was man wisse, "zuverlässig vor einem schweren Krankheitsverlauf." Allerdings bestehe das Restrisiko, das Virus noch weitergeben zu können, auch wenn man geimpft sei – genauso wie symptomlose Patienten. Auch deshalb gelten laut Brigitte Joggerst auch weiterhin die Hygieneregeln.

Mehr finden Sie auf unserer Themenseite Coronavirus.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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