Bürgermeisterwahl in Knittlingen
Kandidaten stellen sich Bürgern in Weissachtalhalle vor

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Knittlingen (hk) Sechs Kandidaten stellen sich am Sonntag, 24. Oktober, in Knittlingen zur Wahl: Es geht um den Posten des Bürgermeisters in der Fauststadt. Amtsinhaber Heinz-Peter Hopp, der in Aussicht gestellt hatte, wieder für die Bürgermeisterwahl anzutreten, hatte überraschend angekündigt hat, doch nicht für eine vierte Amtszeit zur Verfügung zu stehen (wir berichteten). Am Freitagabend stellten sich die sechs Kandidaten den Bürgern vor. Die Moderation übernahm Gemeindewahlausschussleiter Martin Reinhardt. 15 Minuten hatte jeder Kandidat für seine Vorstellung. Im Anschluss an die Vorstellungsrunde, standen die Kandidaten den Bürgern Rede und Antwort.

Mehr Online-Rathaus

Den Anfang machte der 37-jährige Diplom-Verwaltungsfachwirt Alexander Kozel aus Königsbach-Stein, der seine Ideen darlegte, wie er sich die Zukunft von Knittlingen mit seinen Stadtteilen Freudenstein-Hohenklingen und Kleinvillars mit ihm als Bürgermeister vorstelle. Es freue ihn, dass er auf ein engagiertes Rathaus-Team bauen könne. Im Rathaus wolle er einfache Zugänge schaffen, indem er beispielsweise das Online-Angebot ausbaue. Dazu würde auch gehören, Termine online vereinbaren oder Verwaltungsgänge online abwickeln zu können. „Und für alle, die nicht mit dem digitalen Angebot zurechtkommen oder weil der Weg ins Rathaus zu weit ist, möchte ich es schaffen, dass wir zu Ihnen kommen“, versprach er. In Bürgersprechstunden wolle er für die Knittlinger persönlich ansprechbar sein. Für ihn als Familienvater sei es zudem ein wichtiges Anliegen, die Kinderbetreuung weiter auszubauen und die Aufenthaltsqualität auf Spielplätzen mit „Liebe zum Detail“ und auch kleinen Maßnahmen wie Sonnenschutz oder Sitzbänken kurzfristig zu verbessern.

Platz für 1.000 neue Einwohner schaffen

Jugendliche und junge Menschen wolle er mit einem Skaterpark, einem „pump track“ für Fahrradfahrer, Basketballplatz oder Jugendhaus unterstützen. Nicht vergessen dürfe man die älteren Mitmenschen, denn „ihnen verdanken wir unseren Wohlstand“. Kozel selbst habe das Privileg, mit den Schwiegereltern zusammen zu leben: „Sie helfen uns tatkräftig in der Kinderbetreuung und im Haushalt“, betonte er. Herzensthemen seien ebenso die Sicherung der medizinischen Versorgung und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Zum Glück gibt es in Knittlingen für den Wohnbedarf größere Flächen, die in der Planung sind“, sagte er und verwies damit auf das Neumo-Areal, die Friedensstraße oder den alten Bauhof. „Mit diesen Flächen werden wir um 1.000 neue Einwohner in Knittlingen begrüßen dürfen“, so Kozel. Zudem schwebe ihm die Einführung einer Ehrenamtskarte vor. Ihm sei auch die schwierige Finanzsituation bewusst. Daher verspreche er nichts, was er nicht halten könne.

Stöhr bleibt kurz und knapp

Der zweite Kandidat, Jochen Stöhr, verwendete nur etwa fünf seiner 15 Minuten Redezeit, um in Kürze auf seinen Lebenslauf einzugehen. Stöhr ist 58 Jahre alt und führt zwei eigene Firmen in der Baubranche, die im Ort ansässig sind. Er wohnt seit 20 Jahren in Knittlingen, ist verheiratet, Vater eines adoptierten Kindes und nimmt auch immer wieder ältere Pflegekinder ab 16 Jahren unter seine Fittiche, die er dann beim Schritt ins Ausbildungs- und Berufsleben unterstützt. In der zweiten Hälfte seiner Rede erwähnte Stöhr seine Differenzen mit Amtsinhaber Hopp, die – seiner Aussage nach – vielen bekannt sein dürfte. Weitere Details dazu ließ Stöhr aber aus.

"Von meiner Ernsthaftigkeit überzeugen"

Als nächster betrat Florian Georg Maximilian Blume, der schon vor acht Jahren neben Noch-Bürgermeister Heinz-Peter Hopp angetreten war, die Bühne. Blume ist 45 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er stammt aus Bauschlott, lebt aber schon seit 13 Jahren in der Fauststadt. Der Diplom-Toningenieur tritt als Gaukler „Flobold“ auf Mittelalter-Märkten, Firmenevents und Feiern auf. „Wer mich kennt, weiß, dass ich als Unterhaltungskünstler keine Probleme damit habe in der Öffentlichkeit zu reden. Heute jedoch, wo es darum geht, von meiner Ernsthaftigkeit zu überzeugen, habe ich ein bisschen Lampenfieber“, gab er zu Beginn seiner Rede ehrlich zu. Er wolle nicht, dass Wählerinnen und Wähler ihm ihre Stimme „schenken, sondern, dass Sie in den nächsten acht Jahren Ihre Stimme erheben können“, betonte er, denn alle Staatsgewalt gehe vom Volke aus.

Mittelstand stärken, aber nicht dem „Wachstums-Wahn“ unterliegen

Da Möglichkeiten zur Selbstverantwortung und Selbstbestimmung durch „schlechte Arbeitsverträge, dem Demütigungskonstrukt Hartz Vier, Hirnwäsche-Medien, Pharmazeutika, schlechtem Essen und Schlafmangel“ kaum noch möglich seien, strebe er eine „starke Entschleunigung und Rückbesinnung auf zu einer natürlichen Ordnung“ an. Bereits vor acht Jahren habe er vorausgesagt, dass der „Crash“ in Form eines Krieges oder eine Pandemie kommen werde, stellte er trocken fest. Es gelte, sich bei den „notwendigen Dingen weitestgehend autark zu machen“: Dazu gehören nach Meinung von Blume „eigenes Wasser, eigene Energie, eigene Lebensmittel, möglichst dezentral und in Eigenverantwortung“. Dank der globalen Vernetzung könne man sich überall aus der Welt Ideen einholen. Der Mittelstand in Knittlingen müsse gestärkt werden, dürfe aber keinesfalls dem „Wachstums-Wahn“ unterliegen. „Man sollte stets global denken, man muss aber lokal handeln“, so Blume, der sich nicht als „Nationalist oder ähnliches“ bezeichnen würde, sondern als „Regionalist“

Nachholbedarf bei Digitalisierung

Es folgte dann die Vorstellung von Timo Steinhilper. Der 39-Jährige ist seit 2019 ehrenamtlich als Ortsvorsteher von Freudenstein-Hohenklingen, sitzt seit 2014 dort auch für die SPD im Ortschaftsrat und seit 2015 im Knittlinger Gemeinderat. Hauptberuflich ist der Diplom-Verwaltungswirt seit 2018 Bauamtsleiter in Maulbronn, zuvor hatte er sieben Jahre in Bönnigheim (Kreis Ludwigsburg) das Amt für Ordnung, Kultur, Jugend und Soziales geleitet. Im Zentrum seiner Visionen stehe die Attraktivierung der Stadtmitte in Knittlingen, die sehr viel Potenzial biete. Konkret schwebe ihm die Weiterentwicklung der Marktstraße vor, aber auch das Faust-Museum, das Faustgeburtshaus und die Kelter seien wichtig. Was er ebenso nicht aus den Augen verlieren wolle, sei das alte Bauhof-Areal: „Ich möchte dort einen Neustart, um dieses Gelände für die Bürger erlebbar zu machen“, so Steinhilper. In Freudenstein-Hohenklingen wolle er den Ausbau des bestehenden Kindergartens am jetzigen Standort vorantreiben. Gleichzeitig sei ihm das Thema Wirtschaft eine Herzensangelegenheit. Die Corona-Pandemie habe drastisch vor Augen geführt, dass die Stadt hinsichtlich Digitalisierung einen großen Nachholbedarf habe. Steinhilper versprach, bis 2025 flächendeckend allen Knittlinger Haushalten eine Highspeed-Internetverbindung mit 400 Megabit pro Sekunde anbieten zu können.

Bürgermeister-Sprechstunden in Kleinvillars

„Die Zuschussbescheinigung ist schon da, ebenso wie die Möglichkeiten zum Bauen. Setzen Sie das gemeinsam mit mir um“, appellierte er. Wo es wirtschaftlich und statisch machbar ist, wolle er auf jedes städtische Gebäude Fotovoltaik-Anlagen installieren lassen. Steinhilper habe ein Faible für kleine Stadtteile: Damit sich die Bürger in Kleinvillars nicht mehr abgehängt fühlen, werde er als erste Amtshandlung als Bürgermeister in Kleinvillars Sprechstunden anbieten.

„Man muss bei der Realität bleiben“

Als nächster betrat der Brettener AfD-Stadtrat Andreas Laitenberger die Bühne. Laitenberger wohnt in Bretten, ist 34 Jahre alt, verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn. Er ist als Immobilienvermittler in der Region und damit auch in Knittlingen tätig. Im Gespräch mit Knittlingern habe er erfahren, wo der Schuh drückt. Ein wiederkehrendes Thema sei dabei Vandalismus gewesen. Er könne sich vorstellen, in Knittlingen wieder eine Polizeidienststelle zu eröffnen. Ansonsten könne man über Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen nachdenken, so wie es in Großstädten üblich sei. Priorität sehe er in einem Stadtentwicklungskonzept, das in Bretten „wunderbar“ funktioniert habe und das eine „extrem hohe Bürgerbeteiligung“ zutage gebracht habe. Dabei dürfe man den Haushalt nicht außer Acht lassen: „Man muss bei der Realität bleiben“, sagte Laitenberger. Er könne sich durchaus vorstellen, eine Prioritätenliste mit Bürgerbeteiligung zu erstellen. Als Immobilienvermittler wolle er sich ganz klar für bezahlbaren Wohnraum einsetzen. „Wir müssen für alle Altersschichten Wohnraum schaffen. Wir müssen in Neubaugebieten zwingend in die Höhe gehen, um weniger Flächen zu versiegeln“, erklärte er. Laitenberger wolle als Bürgermeister kein Verwalter sein, sondern einer, der „Maßnahmen umsetzt“.

"Mir fehlt in Knittlingen die Kommunikation"

Den Abschluss machte Klaus Meiser. Er betreibt eine Tankstelle in der Fauststadt, ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter und eine Enkeltochter. Von 2000 bis 2020 saß er für die CDU im Gemeinderat, davon sechs Jahre als Fraktionssprecher. „Was bewegt einen 63-Jährigen zur Kandidatur?“, sagte Meiser, um anschließend die Frage wie folgt zu beantworten: „Mir fehlt in Knittlingen die Kommunikation zwischen Bürgern, Rathaus und Gemeinderäten. Es werden nicht alle Informationen weitergeleitet – und das ist mein größter Wunsch, dass der zukünftige Bürgermeister gemeinsam mit dem Gemeinderat und den Bürgern kommuniziert und für Knittlingen das Bestmögliche macht.“ Es sei ihm ein Anliegen, angefangene Dinge zu Ende zu führen. Der Hochwasserschutz in Knittlingen sei „jahrelang“ von der Verwaltung missachtet worden, führte Meiser zudem an. Bei der anstehenden Bürgermeisterwahl hoffe er auf eine hohe Stimmquote. Im Anschluss an die Kandidatenvorstellung folgte die Bürgerfragerunde.

"Wie gut sind Sie vernetzt?"

Die erste Frage richtete sich an Andreas Laitenberger: „Entscheidend für eine Gemeinde ist, dass der Bürgermeister weiß, wo es Geldtöpfe gibt. Wie gut sind Sie diesbezüglich vernetzt?“ Laitenberger verwies auf seine kommunalpolitischen Erfahrungen der letzten Jahre und gab an, ein „gutes und starkes Netzwerk“ aufgebaut zu haben. „Man muss wissen, wie man gewisse Töpfe angehen kann. Dafür ist eine starke Verwaltung notwendig“, sagte er. Er gehe davon aus, dass die Knittlinger Verwaltung es mit ihm als Bürgermeister stemmen könnte, einige Töpfe anzugehen, die bisher unberührt geblieben seien. Die nächste Frage galt allen Bürgermeisterkandidaten. Eine Knittlinger Bürgerin, die regelmäßig Sport in der Knittlinger Sporthalle macht, monierte die dortigen Zustände. Sie ärgere sich über die kaputten Duschen, alten Klodeckel sowie die Löcher im Boden. Alexander Kozel betonte, dass Veranstaltungsräume und Hallen dringend angegangen werden müssten. Eine kurzfristige Lösung werde es nicht geben, aber er wolle das Thema „ganz schnell“ im Gemeinderat diskutieren.

Sanierung oder Neubau?

Jochen Stöhr hingegen informierte, dass das Thema in öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats bereits besprochen wurde. Es gehe nun darum zu klären, ob man die Halle saniere oder durch einen Neubau an anderer Stelle ersetze. Florian Blume hält die Halle für eine „totale Fehlkonstruktion“ und plädierte für eine „radikale Korrektur“ durch einen Abriss, wenn es finanziell möglich sei. Timo Steinhilper ist der Auffassung, dass die Halle „gerichtet“ werden müsse. Es könne nicht sein, dass die Infrastruktur in der Sporthalle „verrottet und vergammelt“ – daher müsse sofort Hand angelegt werden, stellte er klar. Andreas Laitenberger verwies auf das Förderprogramm des Landes zur Sanierung von Nicht-Wohngebäuden. Er wisse nicht, wie da der aktuelle Stand sei und ob versucht werde, an Fördergelder zu kommen, aber die Missstände müssten mit Sicherheit behoben werden. Klaus Meiser sagte, er habe schon vor vielen Jahren dafür plädiert, dass der Zustand der Sporthalle verbessert werde.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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